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Smartphone Huawei D Quad XL im Test: Wuchtig, aber flott.

Foto: Thomas Prenner/futurezone
Acht Monate musste man auf das Flaggschiff von Huawei warten, nun ist das Ascend D Quad XL auch in Österreich verfügbar. Mit einem Quadcore-Prozessor und einem 2600 mAh-Akku will das Smartphone des chinesischen Herstellers Samsung, HTC und LG vom Android-Thron stoßen. Die futurezone hat das Smartphone getestet.

Als der Smartphone-Hersteller Huawei am diesjährigen Mobile World Congress in Barcelona sein neues Flaggschiff Ascend D1 Quad XL ankündigte, wagte das chinesische Unternehmen erstmals den Schritt in den hart umkämpften Markt für High End-Smartphones. Doch obwohl Huawei unter den ersten Herstellern war, die ein Quadcore-Smartphone vorstellten, ließ das Ascend D1 Quad knapp acht Monate auf sich warten. Seit November ist das Smartphone mit hauseigenem Quadcore-Prozessor auch in Österreich erhältlich. Die futurezone hat das wuchtige chinesische Gerät sowohl auf seine inneren und äußeren Werte getestet.

Design und Haptik - ein übergewichtiger Zwerg
Auf den ersten Blick könnte man das Ascend D1 Quad XL glatt mit dem etwas günstigeren Huawei-Smartphone G600 verwechseln. Trotz der selben Bildschirmdiagonale ist das Quad XL in seinen äußeren Abmessungen etwas kleiner. Die Ränder an der linken und rechten Seite wurden sehr schmal gehalten, sodass der Bildschirm die Breite des Smartphones gut ausnutzen kann. Doch so gering Länge und Breite des Geräts auch sein mögen, in puncto Dicke hat es Huawei übertrieben. Mit einer durchgehenden Dicke von 10,9 Millimetern wirkt es in der Hand ob seiner zierlichen Form relativ wuchtig.

Nüchtern betrachtet ist es das auch. Es bringt 150 Gramm auf die Waage und ist somit kein Fliegengewicht. Damit liegt die XL-Variante 20 Gramm über dem Gewicht des Ascend D1 Quad, dem selben Modell mit einem kleineren Akku. Zur Ehrenrettung von Huawei: Das Ascend D1 Quad XL immer noch deutlich weniger als das Windows Phone Nokia Lumia 920, das mit 185 Gramm wohl eine Klasse für sich darstellt.

Das Design ist schlicht gehalten. Es dominieren die Farben Schwarz und Grau, mit Ausnahme der dezent in rot gehaltenen Lautsprecher sowie der rötlichen Umrandung der Kamera. Die Rückseite ist griffig und leicht aufgeraut. Das erlaubt einen angenehmen Halt und Bedienung, auch mit einer Hand. Die einzigen Bedienelemente, ein Power-Button oben rechts sowie eine Lautstärkewippe auf der rechten Seite, sind hochwertig ausgeführt und gut zu bedienen. Das selbe lässt sich leider nicht über die Qualität des abnehmbaren Gehäusedeckels sagen, der an einigen Stellen knarzt und sich vor allem seitlich relativ leicht eindrücken lässt. Dennoch wirkt das Smartphone sehr robust. Das Display und die Frontkamera werden durch Gorilla Glas 2 vor Kratzern geschützt.

Bildschirm - matt und hochauflösend
Der 4,5 Zoll große IPS+ Bildschirm soll laut Huawei die derzeit höchste Farbtreue bieten. Im Vergleich mit anderen Modellen, wie beispielsweise dem Super LCD2-Display des HTC One X+, ließ sich dieser Effekt nicht beobachten. Die Qualität des IPS+ Displays kommt in Schärfe und Helligkeit zwar den Werten des One X+ relativ nahe, doch die Farben wirken im direkten Vergleich blasser und kontrastärmer. Dennoch ist das Display des Huawei sehr gut gelungen, Schriften sind gestochen scharf und die Helligkeit kann überzeugen.

Besonders clever ausgefallen sind die Stromsparfunktionen für den Bildschirm. Die Helligkeit des Bildschirms wird weiterhin über einen Lichtsensor geregelt, doch mit Hilfe der Smart Backlight-Funktion wird die Helligkeit, abhängig von der App, hochgeregelt. Das ist beispielsweise bei der Kamera-App der Fall.

Leistung - schnell, aber nicht überragend
In den Benchmarks kann sich das Quad XL problemlos mit dem Samsung Galaxy S III sowie dem HTC One X messen. An die etwas größeren Vertreter, wie das Samsung Galaxy Note II oder das HTC One X+, reicht es aber bei weitem nicht heran. Dennoch ist die Leistung mehr als ausreichend, aktuelle Spiele wie GTA III oder Riptide GP laufen vollkommen ruckelfrei, auch die Benutzeroberfläche fühlt sich sehr flüssig an.

Das gilt allerdings nur für den "2D-Modus", denn Huawei liefert mit dem Ascend D Quad XL auch einen 3D-Launcher mit, der die Leistungsfähigkeit des Flaggschiffs demonstrieren soll. Das will allerdings nicht so recht gelingen, denn trotz netter Übergangseffekte und Animationen ist die Oberfläche grundsätzlich nicht sehr produktiv oder eindrucksvoll geraten. Huaweis Oberfläche wirkt sehr verspielt und erinnert an die Anfänge von TouchWiz, Samsungs Oberfläche. Der 2D-Launcher, der auf Googles Stock-Launcher basiert und nur in wenigen Punkten modifiziert wurde, verrichtet allerdings seine Arbeit ohnedies tadellos und stellt eine gute Alternative dar. Einen kleinen Geschwindigkeits-Schub gibt es beim Booten des Smartphones, das in nur wenigen Sekunden hochgefahren ist.

Kamera
Vor allem die Kamera-Funktion entpuppte sich im Test als kleines Highlight. Die Kamera nimmt Bilder mit einer Auflösung von bis zu 8 Megapixel und Videos in Full-HD mit 30 Bildern pro Sekunde auf. Die Stock-Kamera von Android wurde mit zahlreichen Zusatz-Funktionen erweitert, zum Beispiel Software-Filter, die in Echtzeit angewandt werden können. Die Qualität der Bilder ist gut, wenn auch nicht überragend. Besonders hilfreich ist der Dual-LED-Blitz, der über eine hohe Leuchtkraft verfügt. Huawei hat auch einen HDR-Modus integriert, der die ansonsten sehr rasche Aufnahme etwas verzögert und sowohl die HDR- als auch die herkömmliche Version des Bildes im Speicher ablegt.

Akku - Die Suche nach dem Leck
Das Ascend D Quad XL verspricht mit einem 2.600 mAh-Akku eine deutlich längere Laufzeit als andere Smartphones dieser Größe. Die meisten Flaggschiff-Smartphones, wie beispielsweise das One X+ und das Nexus 4 kommen mit einem 2.100 mAh-Akku aus und liefern akzeptable Laufzeiten von knapp einem Tag bei moderater Nutzung. Da diese Modelle auch über einen größeren Bildschirm verfügen und so einen deutlich höheren Leistungsbedarf haben, müsste das Quad XL in puncto Laufzeit einen hervorragenden Wert abliefern. So die Theorie. Die Praxis sieht jedoch anders aus.

Trotz verschiedener Energiesparmodi und einem sehr großen Akku enttäuschte die Laufzeit des Quad XL im Test auf voller Linie, selbst das HTC-Flaggschiff One X+ konnte eine bessere Laufzeit vorweisen. So war der Akku nach knapp einem Tag Nutzung auf 30 Prozent gefallen, am nächsten Morgen stand er noch bei knapp 15 Prozent. Mit allen Energiesparfunktionen ließ sich die Laufzeit auf knapp eineinhalb Tage verlängern, doch das ist für ein Gerät mit einer derartigen Akkukapazität ein schwacher Wert. Das Abschalten der 3D-Oberfläche bewirkte nur einen schwachen Laufzeit-Gewinn.

Dolby Mobile 3.0 Plus - beats Audio mit anderem Namen
Es scheint eine neue Form von Marketing-Gag zu sein: Software-Filter von namhaften Firmen wie Dolby oder Beats Audio, die den Bass künstlich in die Höhe treiben und so einen Qualitätsschub suggerieren wollen. Mit Dolby Mobile 3.0 Plus ist eine derartige Funktion mit an Bord, die, wie das von HTC-Smartphones bekannte beats Audio, keinen wirklichen Nutzen mit sich bringt. Bei einigen Titeln ist es sogar recht schwer, einen Unterschied zu hören, da der Effekt nur bei basslastigen Musikstücken etwas bewirkt.

Auf die drahtlose Übertragungstechnologie NFC, die mittlerweile für Modelle in dieser Preisklasse zur Standardausstattung zählt, wurde verzichtet. Das Ascend G600 verfügt über ein NFC-Modul, weswegen es unverständlich ist, dass hier darauf verzichtet.

Fazit
Das Huawei Ascend D Quad XL bringt nicht die erhofften Spitzenleistungen. Das ist zu großen Teilen auf die verspätete Veröffentlichung zurückzuführen, die Huawei technisch zurückfallen ließ, andererseits auch auf designtechnische Fehlgriffe. Dass ein Gerät mit einem 2.600 mAh in puncto Laufzeit gerade einmal auf Augenhöhe mit dem HTC One X oder dem Samsung Galaxy S III ist, deren Akkukapazität deutlich geringer ist, verwundert doch sehr. Insbesondere da Huawei bereits im Februar eine "deutlich längere" Akkulaufzeit durch den Monster-Akku versprach.

Wer darüber hinwegsehen kann und dennoch rund 400 Euro in ein technisch ordentlich ausgestattetes Smartphone investieren möchte, darf durchaus einen Blick auf das Quad XL werfen. Eine etwas günstigere, dafür aber auch leichtere und dünnere Alternative kommt mit dem Ascend P1 von Huawei selbst. Die CPU des P1 hat allerdings nur zwei Kerne und der 4,3 Zoll große Super AMOLED-Bildschirm hat lediglich eine qHD-Auflösung (960 x 540 Pixel). Die derzeit wohl beste Alternative in dieser Preisklasse neben dem Samsung Galaxy S III ist wohl das LG Nexus 4 , das aber in Österreich nur schwer erhältlich ist.

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Modell:
Huawei Ascend D1 Quad XL
Display:
4,5 Zoll IPS+ Display - 1280 x 720 Pixel (720p, 16:9)
Prozessor:
1,2 GHz Quadcore (Huawei K3V2, Taktrate kann auf bis zu 1,5 GHz gesteigert werden)
RAM:
1 GB
Speicher:
8 GB intern, über microSD-Kartenslot um bis zu 32 GB erweiterbar
Betriebssystem:
Android 4.0.4 (Update auf 4.1 in Vorbereitung)
Anschlüsse/Extras:
Micro-USB, 3,5mm Klinke, WLAN (b/g/n), Bluetooth 3.0
Akku:
2.600 mAh
Kamera:
8 Megapixel mit Doppel-LED-Blitz (Hauptkamera), 1,3 Megapixel (Frontkamera), ImageChip vorhanden
Videos:
Aufnahme in 1080p bei 30 fps möglich
Maße:
129 x 64 x 11,5 mm, 150 Gramm
Preis:
499 Euro UVP (Straßenpreis 450 Euro)

(futurezone) Erstellt am 14.12.2012, 06:00

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