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IFA Intel gibt Herstellern Nachhilfe im Gerätebau.

Foto: Thomas Prenner
Um im Smartphone-Markt Fuß zu fassen, hat Intel ein eigenes Gerät entworfen, das von Mobilfunkanbietern in Indien, Russland und als Günstig-Smartphone von Orange in Großbritannien angeboten wird. Auch bei den Ultrabooks hat Intel mit einer Gerätestudie eine Vorlage geliefert, die einige Produzenten als Beispiel für ihre neuen Leicht-Notebooks verwendet haben.

Man könnte meinen, dass Intel mit Microsofts Betriebssystem-Politik ebenso wenig zufrieden ist, wie die Hardware-Hersteller, die sich durch Microsofts Entscheidung eigene Tablets zu fertigen und zu verkaufen, auf den Schlips getreten fühlen. Denn bisher musste Intel lediglich mit AMD als Konkurrenten für CPUs in Computern zurecht kommen. Mit Windows RT, der für die ARM-Architektur angepassten Version von Windows 8, dringen jetzt neue CPU-Hersteller in das zukunftsträchtige Hybrid-Segment der Notebook-Tablets ein.

Wie ein Intel-Sprecher auf der Elektronikmesse IFA gegenüber der futurezone erklärte, sieht Intel Windows RT jedoch nicht als Bedrohung. Windows RT sei eher auf eine lange Akkulaufzeit ausgelegt, während Intel-Prozessoren mehr auf Leistung getrimmt seien – und mit den ständig neuen Prozessor-Generationen steige auch die Energieeffizienz der Intel-Chips.

 

Generika
Während CPU-Hersteller wie Qualcomm und NVIDIA mit Windows RT-Tablets mit Tastatur-Docks Intels Ultrabooks attackieren, holt der amerikanische Chip-Produzent zum Gegenschlag aus. Intel stellt Chips für Smartphones her – eine sonst von ARM dominierte Domäne. Im Gegensatz zur Windows 8/Windows RT-Affäre scheint hier Intel nicht mit dem Argument „Leistung" punkten zu wollen. Die erste Smartphone-CPU ist lediglich Single Core, während die Top-Modelle namhafter Hersteller bereits auf vier Kerne setzen. Laut Intel werden aber Mehrkern-Versionen der Smartphone-CPUs  sicher erscheinen.

Den Einstieg in den Smartphone-Markt versucht Intel über die Günstig-Schiene zu schaffen. Das geht sogar so weit, dass Intel das preiswerte Smartphone für die Mobilfunker designt hat. Offiziell hat Intel das eigene Smartphone, das auf der CES im Jänner dieses Jahres erstmals gezeigt wurde, nur entwickelt, um den Herstellern Intel-Chips schmackhaft zu machen. „Wenn man zu den Herstellern geht und ihnen sagt sie sollen die CPUs kaufen, weil sie toll sind, funktioniert das nicht. Wenn man ihnen aber ein Gerät gibt und sie sehen, was es alles kann, ist es leichter, sie zu überzeugen", so der Intel-Sprecher.

Drei mal eins
Sieht man die drei Smartphones mit Intel-Chip, die seit dem erschienen sind, wird deutlich, dass die Hersteller bzw. Netzbetreiber von mehr angetan waren, als nur den inneren Werten. Das Orange San Diego (wird in Großbritannien als Prepaid-Handy verkauft), Lava Xolo X900 (Indien) und Megafon Mint (seit einer Woche in Russland erhältlich) sind sowohl optisch als auch technisch nahezu ident und ähneln sehr stark dem Intel hauseigenen Smartphone-Design der CES. Lediglich die Akkuabdeckung sowie das Betriebssystem, Android 2.3 oder Android 4, machen den Unterschied aus.

Das legt den Schluss nahe, dass Intel, um einen Fuß in den Markt zu bekommen, den Providern möglichst viel Arbeit abgenommen hat. Als Handy-Highlights haben sich die bzw. das Intel-Smartphone mit unterschiedlichen Namen im Hands-On nicht präsentiert. Ausstattung und Verarbeitung, aber eben auch der Preis, siedeln das Smartphone in der Kategorie „preiswertes Mittelklasse-Handy" an. Nur die verbaute 8-Megapixel-Kamera ist etwas mehr, als man in dieser Kategorie vermuten würden.

Ultrabook-Referenz
Aktuell präsentieren mehrere Computer-Hersteller auf der IFA Ultrabooks mit Touchscreen, um die Funktionen von Windows 8 optimal zu nutzen. Auch hierfür lieferte Intel die Vorlage. Anfang Mai produzierte Intel ein eigenes Ultrabook – samt Ultrabook-Schriftzug am Deckel und Intel-Logo unter dem Bildschirm. Obwohl das berührungssensible Display speziell für die Kachel-Oberfläche von Windows 8 gedacht war, wurde nur Windows 7 installiert. Der Grund: Als das Gerät Anfang Mai den Herstellern präsentiert wurde, durfte Windows 8 nur den engsten Partnern gezeigt werden.

Im Gegensatz zum Intel-Smartphone nahmen sich die Computer-Produzenten nur die Kombination aus Ultrabook und Touchscreen zu Herzen – leider, ist man versucht zu sagen, wenn man das Referenz-Gerät live sieht. Die schlichten Linien und die gummierte Rückseite des Displays-Deckels gefallen, was dem Gerät einen gewissen coolen Stealth-Look gibt. Auf die Keil-Form mancher Ultrabooks, die dem Macbook Air nachempfunden ist, wurde verzichtet (dafür gibt es aber abgerundete Ränder). Das Referenz-Modell wirkt sehr massiv, während viele Ultrabooks aufgrund des Versuchs möglichst dünn, leicht und stylish zu sein, nicht immer den Eindruck vermitteln, robust zu sein.

Die wenigen Ultrabook-Referenzmodelle, die Intel hergestellt hat, sind nicht zum Verkauf und werden von Intel-Mitarbeitern verwendet. Auf Nachfrage, ob Intel eventuell selbst einmal als Hersteller von Geräten auftreten könnte, wie es Microsoft mit den Surface-Tablets macht, gab es ein verhaltenes Nein.

Alle weiteren Berichte, News und Tests von der IFA in Berlin finden Sie hier.

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(futurezone) Erstellt am 04.09.2012, 06:00

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