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Test Lenovo IdeaPad Yoga 13: Ultrabook zum Knicken.

Foto: Gregor Gruber
Das Lenovo IdeaPad Yoga 13 ist ein Ultrabook mit Touchscreen, das durch den Klappmechanismus des Displays zum übergroßen Tablet wird. Die futurezone hat das gelenkige Convertible getestet, das an manchen Stellen zu flexibel ist.

Mit Windows 8 feiern die Convertibles, die zu Pre-iPad-Zeiten noch als Tablet-PCs bekannt waren, ein Comeback. Mit dem Begriff sind Notebooks gemeint, die mit einem Touchscreen ausgestattet sind, der so gedreht und geschwenkt werden kann, dass er die Tastatur bedeckt, während das Display nach außen gerichtet ist.

Üblicherweise war das Display dafür mit einem mittig angebrachten Scharnier mit Drehgelenk mit dem Tastatur-Unterteil verbunden, was weder besonders hübsch, noch platzsparend war. Mit dem IdeaPad Yoga 13 versucht sich Lenovo an einem neuen Mechanismus. Die futurezone hat das Convertible getestet.

Design
Im geschlossenem Zustand erinnert das Yoga an Lenovos Ultrabook U300s. Die Ränder der oberen und unteren orangefarbenen Gehäusedeckel überlappen den schwarzen Innenteil, was optisch an ein Buch erinnern soll – und durchaus ansprechend aussieht. Wem Orange nicht zusagt, kann das Yoga auch in Silber erwerben. In dieser Farbvariante sieht man aber Fingertapser deutlicher am Gehäuse, als bei der orangefarbenen Version.

Mit 16,9 mm ist das Yoga angenehm dünn, wie man es von einem Ultrabook gewohnt ist. Umso überraschter ist man beim ersten Anheben, da man nicht mit dem Gewicht von 1,55 Kilogramm rechnet. Da Touchscreen und Klapp-Mechanismus schwerer als beim U300s sind, versucht das Yoga Gewicht beim Material zu sparen. Das Außen-Gehäuse besteht aus Kunststoff mit einem rauen, griffigen Finish, das sich gut anfühlt. Durch das dünne Material gibt aber so ziemlich alles beim Yoga nach, sobald man mit dem Finger darauf drückt – sowohl die Ober- als auch Unterseite und das ganze Gerät, wenn das Display geschlossen ist (siehe Video oben).

Das Gehäuse rund um die Tastatur besteht aus Kunststoff. Die Oberfläche soll Leder imitieren und ist leicht rau. Auch dieser Teil gibt nach. Am deutlichsten fällt dies auf, wenn man die Tasten 3 und 4 anschlägt.

Der Klapp-Mechanismus
Was das Yoga zu einem Convertible macht und von einem Ultrabook mit Touchscreen unterscheidet, sind die zwei Scharniere. Das Display kann komplett umgeklappt werden, bis dessen Rückseite flach an der Unterseite des Geräts liegt. Die Tastatur befindet sich dann auf der Außenseite. Ein unbeabsichtigtes Drücken der Tasten ist nicht möglich. Wird das Display um mehr als 180 Grad geklappt, werden automatisch die Tasten und das Touchpad deaktiviert.

Diese Lösung, um aus einem Ultrabook ein Convertible zu machen, hat einen weiteren Vorteil. Dadurch, dass die Scharniere relativ steif sind, wird die Unterseite zum Tablet-Ständer. Während Smartcover und Konsorten meist nur zwei Stellungen bieten, hat das Yoga einen nahezu stufenlos verstellbaren Standfuß. Sogar im Hochformat steht es stabil auf einer ebenen Fläche.

Yoga als Tablet
Klappt man das Display ganz auf die Rückseite, um das Yoga als Tablet zu verwenden, halten zusätzlich zu den Scharnieren, Magnete den Bildschirm in Position. Wie für Tablets üblich, befinden sich am Rand die Standby-Taste, Lautstärken-Tasten und eine Taste für die Display-Sperre. Diese Tasten sind unabhängig vom Display-Winkel erreichbar.

Will man das Yoga wie ein Tablet in zwei Händen halten, ist dies nicht bequem. Das liegt vor allem an dem Gewicht, der Größe und Dicke des Yogas. Abgesehen davon fühlt sich das Halten komisch an, da die Finger an der Rückseite auf den Tasten der Tastatur aufliegen.

Um den Touchscreen sinnvoll nutzen zu können, muss man das Yoga aber nicht zwangsläufig wie ein übliches 10-Zoll-Tablet halten. Man kann es einfach auf den Schoß stellen und mit den Scharnieren den gewünschten Betrachtungswinkel einstellen. Da das Display und damit der Schwerpunkt des Geräts näher am Nutzer sind, ist das Yoga so sogar bequemer zu verwenden, als ein gewöhnliches Ultrabook.

Foto: Gregor Gruber

Yoga als Ultrabook
Das Touchpad ist angenehm groß und reagiert präzise auf Multitouch-Gesten. Die klickbaren Elemente für linke und rechte Maustaste sind am unteren Ende der ununterbrochenen Touch-Fläche. Bei dem gutem Touchpad ist es fast schon schade, dass man es nur selten verwenden wird. Denn hat man sich mal an den Touchscreen gewöhnt, wird man tendenziell auf das Display tippen, anstatt das Touchpad zu bemühen.

Die Tastatur ist in Lenovos üblichem Stil gehalten. Der untere Rand jeder Taste ist in einem leichten Bogen, eine Tastaturbeleuchtung gibt es nicht. Auch auf eine eigene Reihe für die F-Tasten wird verzichtet – diese werden mittels der Fn-Taste und der entsprechenden Taste auf der Shortcut-Leiste ausgelöst.

Der Abstand der Tasten zueinander ist angenehm groß. Tippt man die Tasten mittig an, ist der Anschlag in Ordnung. Links unten haben die meisten Tasten einen blinden Fleck: Erwischt man die Taste beim Schnelltippen an dieser Ecke, kommt es schon mal vor, dass man zwar den Anschlag spürt, der entsprechende Buchstabe aber nicht am Display erscheint.

Unschön ist, dass die gesamte Tastatur beim Tippen nachgibt. Auf der linken Hälfte, die etwas nach außen gewölbt und dadurch höher als die rechte Hälfte ist, fällt dies besonders auf. Gewöhnungsbedürftig ist auch die kleine Backspace-Taste.

Display
Durch die IPS-Bauweise hat das Display bei maximaler Helligkeit sehr gute Betrachtungswinkel. Mit 300 Nit ist auch die Helligkeit in Ordnung, ebenso die Auflösung von 1600 x 900 Pixel und die Farbdarstellung.

Der Touchscreen reagiert präzise und flott, Multitouch-Gesten werden schnell und flüssig umgesetzt. Der übliche Touchscreen-Nachteil: Das Display spiegelt. Bei Kunstlicht kann die Leuchtkraft des Bildschirms gut gegensteuern. Bei Sonnenlicht kann man zwar noch Texte schreiben und lesen, Fotos und und Videos anschauen ist aber kein Vergnügen.

Ein weiteres Problem ist, dass die Scharniere zwar das Display im eingestellten Winkel halten, dieses aber trotzdem vibriert. Tippt man ganz normal auf den Touchscreen, kann das Display bis zu vier Sekunden nachwackeln.

Foto: Gregor Gruber

Leistung
Bei den Anschlüssen ist das Yoga wenig flexibel. Einmal USB 3.0, einmal USB 2.0, 3,5mm Klinke, HDMI Out und ein SD-Reader. Das Spitzenmodell des Yoga ist mit einem i7 und 8 GB RAM ausgestattet. Cinebench 11.5 liefert im OpenGL-Test 12,97 BpS und im CPU-Test 2,43 Punkte. Die 3D Mark Basic Demo kommt auf lediglich 444 Punkte, was großteils an der Grafikleistung des Intel 4000 Grafikchips liegt.

Unter Volllast sind die Lüfter hörbar, aber in einem nicht störenden Frequenzbereich. Die Temperaturentwicklung ist im Ultrabook-Modus wenig störend. Hat man das Yoga jedoch als Tablet auf dem Schoß, kann es unter Volllast störend sein, da die Lüfter die heiße Luft in Richtung Schritt befördern.

Die Lautsprecher sind in der Tastatur versteckt. Der Ton klingt flach und muffig, besonders wenn man das Yoga als Tablet verwendet und die Lautsprecher dadurch auf der Rück- bzw. Unterseite und vom User abgewandt sind.

Die Akkuleistung liegt etwas unter aktuellen Ultrabooks ohne Touchscreens. Schreibt oder surft man im Energiesparmodus bei reduzierter Display-Helligkeit, sind durchschnittlich fünfeinhalb Stunden Laufzeit möglich. Beim Energieprofil „Ausbalanciert" und normaler Nutzung sind es etwa viereinhalb Stunden. Ein irritierendes Detail: Befindet sich das Yoga im Standby-Modus, blinkt das Licht der Standby/Power-Taste im Sekundentakt. Ein weniger häufiges Blinken oder Pulsieren wäre angenehmer.

Fazit
Als reines Arbeitsgerät, das man neben seinem Desktop-PC oder großen Notebook betreibt, macht das Yoga wenig Sinn. Für diese Zwecke gibt es Ultrabooks mit besserer Tastatur, matten Displays und weniger Gewicht. Auch sollte bei einem Preis von 1500 Euro die Verarbeitung besser sein. Das Yoga sieht ansprechend aus, aber aufgrund der zahlreichen Stellen, an denen es nach gibt, hat man nicht immer das Gefühl, ein Premium-Ultrabook zu verwenden.

Dennoch ist das Konzept gut und durch die vielen Displaywinkel macht die Nutzung des Touchscreens mehr Sinn, als bei einem gewöhnlichen Ultrabook mit Touchscreen. Die Ausstattung mit i7, 8 GB RAM und 256 GB SSD ist auf hohem Ultrabook-Niveau, lediglich bei den Anschlüssen könnte mehr drin sein.

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Modell
Lenovo IdeaPad Yoga 13 MAM2PGE
Display
13,3 Zoll IPS Touchscreen (1600 x 900 Pixel)
CPU
Intel Core i7-3517U (1,9 GHz)
Arbeitsspeicher
8 GB DDR3 RAM
Grafik
Intel HD Grafikkarte 4000
Betriebssystem
Windows 8 64-Bit (OEM)
Festplatte 
256 GB Solid State Disk
Schnittstellen
1x USB 3.0, 1x USB 2.0, HDMI, SD-Card Reader, Kopfhörer
Kabellose Schnittstellen
Bluetooth 4.0, WLAN 802.11 a/b/g/n, Webcam, Mikrofon
Akku
4 Zellen
Gewicht
1,55 Kilogramm
Abmessungen
333,4 x 224,8 x 16,9 mm
Preis
1.499 Euro (UVP)
1.299 Euro (Modell mit i5 CPU)

(futurezone) Erstellt am 10.02.2013, 06:00
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