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Tablet Nexus 7 im Test: Vom Billig- zum Edel-Tablet.

Foto: Thomas Prenner
Das Google-Tablet Nexus 7 war im Vorjahr einer der größten Überraschungserfolge von Asus. Nun erhält es einen gleichnamigen Nachfolger, der deutlich entschlankt und mit neuer Hardware versehen wurde. Ob die Verwandlung vom Billig- zum Edel-Tablet aufgegangen ist, verrät der futurezone-Test.

Asus und Google ist im Vorjahr mit dem Nexus 7 ein wahres Kunststück gelungen. Die beiden Konzerne haben einerseits den Tablet-Markt durch den günstigen Preis des Nexus 7 ordentlich angekurbelt und andere Hersteller damit unter Druck gesetzt, andererseits aber auch das 7-Zoll-Format salonfähig gemacht. Nun erhält das Nexus 7, das sich rund sieben Millionen Mal verkauft haben soll, einen Nachfolger. Dieser wurde schlanker und mit neuer, flotter Hardware bestückt - auf dem Papier eigentlich das Standardprogramm für einen Nachfolger, doch in Kombination mit Googles neuester Android-Version 4.3 läuft das kleine Kraftpaket zur Höchstform auf. Die futurezone hat das neue Nexus 7 in der LTE-Variante getestet und versucht, nicht vollends dem Charme des iPad mini-Konkurrenten zu erliegen.

An den richtigen Stellen größer geworden
Verwechslungsgefahr ist bei den beiden Nexus-7-Modellen nur beim Namen gegeben, die Optik wurde in vielen Punkten verändert und an den richtigen Stellen angepasst. Während das erste Modell noch einen Metall-Rahmen hatte, der das Gehäuse umgab um ihm mehr Stabilität zu verleihen, wurde das bei der 2013er Ausgabe wiederum gestrichen. Sowohl in der Optik als auch in puncto Stabilität ist damit nichts verloren gegangen. Auffälligster Unterschied zwischen 2012 und 2013 ist die geringere Breite, der Abstand von Bildschirm zur Gehäusekante ist um stolze sechs Millimeter geschrumpft. Damit misst das Nexus 7 nun nur mehr 114 Millimeter in der Breite.

Das bringt allerdings auch ein kleines Problem mit sich, denn hält man das Nexus 7 nur mit einer Hand, ragt nun der Daumen auch einige Millimeter auf den Touchscreen und könnte so unerwünscht Touch-Eingaben provozieren, beispielsweise unabsichtliches Weiterblättern beim Lesen von E-Books. Im Test trat dies aber nur sehr selten auf, vor allem da sich das Nexus 7 auch ohne den Daumen gut im Handballen fixieren ließ und so der Daumen nur zur Bedienung zum Einsatz kam.

Nexus 7
Foto: Thomas Prenner

Auch die Entschlackungskur hat dem Nexus 7 gut getan. Mit 290 Gramm wiegt es nun stolze 50 Gramm weniger als der Vorgänger und das macht sich auch im direkten Vergleich bemerkbar. Das Gewicht ist gut ausbalanciert und erinnert eher an ein Phablet als ein Tablet. Vor allem in Kombination mit der um 1,8 Millimeter reduzierten Dicke des Gehäuses macht sich dieser Effekt bemerkbar. Das gummierte Kunststoff-Gehäuse wurde beibehalten, lediglich das markante Loch-Muster auf der Rückseite ist beim neuen Modell nicht mehr vorhanden.

Nach wie vor wurden der Asus- und Nexus-Schriftzug ins Gehäuse eingraviert, lediglich auf die etwas unglückliche Ausbuchtung für den Lautsprecher wurde verzichtet. Für die nun in doppelter Ausführung vorhandenen Stereo-Lautsprecher finden sich an der Ober- und Unterseite Löcher, die weitaus weniger anfällig für Staub-Ansammlungen sind und sich gut in das Gesamtbild einfügen. Des weiteren ist die Kopfhörerbuchse nach oben rechts, direkt über der Frontkamera, gewandert. Diese wurde aus unerfindlichen Gründen von einer mittigen Position nach rechts verschoben, die Qualität bleibt mit 1,2 Megapixeln gleich.

Die Verarbeitung ist hochwertig, trotz Kunststoffgehäuse knarzt und klappert hier nichts. Das Gehäuse gibt lediglich auf der Rückseite in der Mitte bei starkem Druck ganz leicht nach, durch die effiziente Verteilung der Komponenten ist der Platz an allen anderen Stellen jedoch gut gefüllt. Auch bei den Hardware-Tasten gab es eine leichte Modifikation. Diese sind zwar weiterhin an der selben Stelle zu finden, aber mittlerweile hochglänzend und deutlich breiter ausgeführt, sodass sie leichter zu erreichen sind. Auffällig ist auch die neue 5 Megapixel-Kamera auf der Rückseite, deren große Linse direkt unter der Kopfhörerbuchse platziert wurde.

Höchste Pixeldichte aller Tablets
Der Unterschied zwischen den IPS-Displays der beiden Nexus 7-Modelle könnte nicht größer sein, man könnte fast von Ergebnissen wie bei Tag und Nacht sprechen. Gerade bei der Helligkeit hat sich Asus unglaublich verbessert, hier muss man sich auch nicht vor Super AMOLED-Bildschirmen, wie es beispielsweise beim Samsung Galaxy Note 8.0 zum Einsatz kommt, verstecken. Das Panel wird vom japanischen Display-Hersteller JDI gefertigt, der zu gleichen Teilen Sony, Hitachi und Toshiba gehört. Dabei hat sich das Unternehmen wirklich selbst übertroffen, allein bei der Pixeldichte überholt es selbst das Nexus 10 (2560 mal 1440 Bildpunkte bei 10 Zoll, 300 ppi) spielend leicht und katapultiert sich mit 323 ppi an die Spitze aller derzeit verfügbaren Tablets.

Die Schärfe macht sich recht rasch bemerkbar, auch wenn bereits der Vorgänger mit 215 ppi eine mehr als ordentliche Pixeldichte vorweisen konnte. Hin und wieder ist es sogar zu hochauflösend, einzelne App- oder Webseiten-Icons wirken dann leicht verwaschen oder grobkörnig. Noch deutlicher wird der Fortschritt beim darstellbaren Farbraum, der Gamut soll um 30 Prozent größer sein. Im Vergleich dazu wirken die Farben auf dem ersten Nexus 7 sehr blass - nicht ohne Grund hat Google einen überaus bunten Standard-Hintergrund gewählt.

Die Blickwinkel sind hervorragend, auch bei steilen Winkeln ist alles immer noch gut erkennbar. Lediglich die Spiegelungen auf der durchgehenden Glasfront fallen hin und wieder unangenehm auf. Die hohe Helligkeit kann das aber zum Teil wieder ausgleichen. Der einzige Bereich, in dem die LC-Technologie Super AMOLED klar weiter hinterherhinkt, sind die Schwarz-Werte. Das Panel des Nexus 7 schlägt sich aber auch in diesem Bereich ordentlich und liefert im Ganzen betrachtet sehr gute Kontrastwerte ab.

 
Nexus 7
Foto: Thomas Prenner

High-End-Chip als Vorgänger getarnt
Im Inneren des Nexus 7 verrichtet nun ein Qualcomm-SoC seine Arbeit. Im Vorgänger war noch Nvidias Tegra 3-Chip verbaut. Doch bei der Bezeichnung des SoCs sind sich Experten uneinig. Laut Google wird der Snapdragon S4 Pro, das High-End-Modell von Qualcomms letzter Generation, verwendet. Tatsächlich zählt der von Asus verwendete SoC allerdings bereits zu Qualcomms neuer Snapdragon 600-Reihe, die auch in anderen High-End-Smartphones, beispielsweise dem HTC One oder dem Samsung Galaxy S4, zum Einsatz kommt. Einziger Unterschied ist, dass die vier Krait 300-Kerne mit je 1,5 GHz leicht unter der maximal möglichen Taktfrequenz liegen. Das dürfte wohl dazu dienen, Batterie zu sparen, da unter anderem der Akku um fast 400 mAh auf 3.950 mAh reduziert wurde.

Das Kunststück dürfte aufgegangen sein, selbst bei zwei Tagen normaler Nutzung musste man zum Ende hin bei 30 Prozent Restakku nicht wirklich einen Gedanken an die Steckdose verschwenden. Das ändert sich jedoch rasch, wenn die Bildschirmhelligkeit dauerhaft auf ihr maximales Niveau gestellt wird. Eine durchaus effiziente Helligkeits-Steuerung verhindert jedoch, dass das überhaupt notwendig ist. Das Nexus 7 lässt sich mit maximal 1,35 Ampere laden, der Ladevorgang bei vollständig entleertem Akku dauert demnach knapp drei Stunden. Wer das Nexus 7 mit Stil laden möchte, kann dies über eine induktive Ladestation tun. Das Nexus 7 unterstützt, wie auch das Nexus 4, den Qi-Standard.

Der niedriger getaktete SoC lässt keine Wünsche offen und schlägt sich auch in den Benchmarks sehr ordentlich, die Werte sind nicht weit vom üblichen Leistungsniveau des Snapdragon 600 entfernt. Auch beim Spielen ließen sich keine Ruckler oder Leistungseinbrüche beobachten. Besonders positiv ist der nun ab Android 4.3 mitgelieferte Support für TRIM, das gelöschte Blöcke sofort am Controller zur Verwendung freigibt. Das soll vor allem das leidige Problem, dass Android-Geräte nach längerer Zeit langsamer werden, beheben. Im Test ließ sich das klarerweise nicht überprüfen, der Effekt tritt meist nach mehreren Monaten auf.

3DMark: 11713
AnTuTu: 18275
Quadrant: 5710
Vellamo: 1579/708

Nexus 7
Foto: Thomas Prenner

Android 4.3 - Veredelter Tropfen
Zu Android 4.3 lässt sich nur wenig sagen, die Veränderungen haben eher unter der Haube stattgefunden, oberflächlich ist im Vergleich zu Android 4.2.2 alles beim Alten geblieben. Lediglich eine neue Oberfläche für die Kamera-App sowie die Möglichkeit, eingeschränkte Nutzerprofile anzulegen, sind dazugekommen. Das Kamera-Interface kursierte bereits vor der Veröffentlichung von Android 4.3 im Internet, da sie in den Play Editionen vom HTC One sowie dem Samsung Galaxy S4 vorinstalliert war.

Die in mehreren Ebenen verteilten Einstellungen sind durchaus praktisch. Lästig ist jedoch, dass sobald eine Einstellung verändert wurde oder die Zurück-Taste betätigt wurde, das komplette Menü geschlossen wird. Zudem wurde laut Google die Photoshphere-Funktion, mit der man 360 Grad-Panoramen aufnehmen kann, stark verbessert. Im Test ließ sich nicht wirklich ein Unterschied erkennen, das Zusammenstöpseln der Bilder lieferte immer noch eher gemischte Ergebnisse ab. Manchmal war es gut gelungen, meist aber komplett verzerrt.

Andere Veränderungen betreffen im Grunde genommen nur Entwickler und werden sich daher erst im Laufe der nächsten Monate auch bei den Nutzern bemerkbar machen. So unterstützt Android nun die OpenGL ES 3.0-Bibliothek, das bessere Grafikeffekte ermöglicht. Zudem bringt Android 4.3 nun auch Unterstützung für Displays mit bis zu 640 ppi mit - das entspricht einer Auflösung von 3840 mal 2160 Bildpunkten auf einem 7 Zoll-Bildschirm. Derzeit ist das klarerweise noch utopisch, gibt aber Hoffnung für die zukünftigen Generationen der Nexus-Reihe. Die berichteten Probleme mit GPS traten im Test nicht auf, auch nicht beim längeren Spielen von Ingress, Googles Augmented Reality-Spiel. Laut Google kann es bei der längeren Nutzung der GPS-Funktion hin und wieder zu einem Ausfall kommen, sodass letztendlich nur ein Neustart Abhilfe schafft. Das Problem wird laut Google mit einem Update, das in nächster Zeit an die Android 4.3-Nutzer ausgeliefert werden soll, behoben.

LTE: Flott, aber mit Aufpreis
Die futurezone konnte das LTE-Modell des Nexus 7 testen. In Wien dürfte der Ausbau gut vorangehen, denn auch in den Randbezirken konnte eine LTE-Verbindung mit ordentlichen Geschwindigkeiten hergestellt werden. Zu Testzwecken wurde die SIM-Karte von A1 bereitgestellt. Rekordwert waren 63 Mbit/s im Download sowie 43 Mbit/s im Upload. A1 verspricht theoretisch bis zu 150 Mbit/s im Download sowie 75 Mbit/s im Upload. Der entsprechende Tarif bei A1 kostet 59,90 Euro pro Monat. Die Geschwindigkeit könnte es höchstens Film-Fans Wert sein, ansonsten ist man auch im 3G-Netz mehr als nur gut bedient.

Nexus 7
Foto: Thomas Prenner

Wer beispielsweise gerne per Netflix oder andere Streaming-Plattformen unterwegs Filme schauen möchte, könnte im Nexus 7 seinen idealen Partner finden. Mit dem A1-Tarif stößt man allerdings schnell an seine Grenzen, denn im LTE-Tarif sind lediglich 5 Gigabyte Datenvolumen inkludiert. Etwas mehr bietet T-Mobile, das 40 Gigabyte für 50 Euro pro Monat verspricht. Drei geht sogar so weit, für 45 Euro pro Monat unlimitiertes Datenvolumen zu versprechen. Dafür garantieren die Tarife von T-Mobile und Drei "nur" bis zu 100 Mbit/s im Download sowie 50 Mbit/s im Upload.

Tageslicht-Kamera
Kameras an Tablets sind meist nur eine nette Beigabe, aber nur selten wirklich brauchbar. Daher beklagte auch kaum jemand das Fehlen einer Kamera auf der Rückseite des ersten Nexus 7. Überraschenderweise hat Google dem neuen Modell allerdings eine 5 Megapixel-Kamera spendiert. Diese schlägt sich im Test ordentlich und ist dank flottem Autofokus mehr als nur für Instagram-Schnappschüsse tauglich. Eine Serienbildfunktion gibt es unglücklicherweise nicht. Auch einen HDR-Modus sucht man   vergeblich.

Die Kamera-App wurde, wie bereits erwähnt, grundlegend überarbeitet und soll durch eine einfache Bedienung punkten. Unglücklicherweise wurde auf eine Möglichkeit, den ISO-Wert anzupassen, verzichtet. Dadurch rauschen die Bilder auch bei normalem Tageslicht recht stark. Bei schlechten Lichtverhältnissen fehlt vor allem ein Blitz, um tatsächlich vorzeigbare Bilder produzieren zu können. Die Videoaufnahme in 1080p gelingt gut, es besteht auch die Möglichkeit, im Zeitraffer aufzunehmen. Dazu wird in vordefinierten Abständen, von 0,5 Sekunden bis 24 Stunden, ein einzelnes Bild aufgenommen und zu einem Video zusammengesetzt.

Bei der Videowiedergabe machte sich das Nexus 7 vor allem durch seinen zweiten Stereo-Lautsprecher deutlich bemerkbar. Der Ton ist klar und scheppert auch in der höchsten Lautstärke-Einstellung nicht. Diese ist ausreichend, um sich auch in lauteren Umgebungen Gehör zu verschaffen. So sind für Film schauen am Nexus 7 nicht zwingendermaßen Kopfhörer erforderlich.

Nexus 7
Foto: Thomas Prenner

Fazit und Alternativen
Kleine Tablets haben dank des Nexus 7 im vergangenen Jahr einen  Boom durchlaufen, den auch Microsoft (Acer Iconia W3) und Apple (iPad mini) nicht ignorieren konnten. Doch Asus und Google haben mit dem neuen Nexus 7 das derzeit ohne Zweifel beste Android-Tablet abgeliefert, das auch dem Nachfolger des iPad mini locker Paroli bieten dürfte. Wer auf der Suche nach einem leistungsstarken Tablet für unterwegs ist, hat derzeit kaum eine Alternative zum Nexus 7.

Ein sehr guter, hochauflösender Bildschirm, ordentliche Leistungsreserven sowie der Vorzug, sofort die aktuellsten Android-Updates zu erhalten, lassen kaum Wünsche offen. Einzig die Verfügbarkeit könnte Google und Asus, wie im Vorjahr, Probleme bereiten. Doch die beiden Konzerne dürften aus dem holprigen Start des ersten Nexus 7 gelernt und deutlich mehr Exemplare auf Lager gelegt haben.

Wer auf LTE und einen hochauflösenden Bildschirm verzichten kann, darf ruhigen Gewissens auch noch zum Vorgängermodell greifen, das in der 3G-Variante mit 32 GB Speicher derzeit um 269 Euro verkauft wird. Eine günstige Alternative zum aktuellen Nexus 7 ist das Asus MeMO Pad HD 7 , das optisch sehr viele Ähnlichkeiten aufweist. Für den Vorzug eines microSD-Kartenslots sowie dem deutlich günstigeren Preis von 149 Euro (16 GB) verzichtet man allerdings auf ein 3G-Modul. Der Kindle Fire HD wird wohl schon bald einen Nachfolger erhalten und ist daher derzeit keine wirkliche Alternative.

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Modell:
Asus Nexus 7 (2013)
Display:
7 Zoll IPS LED-Bildschirm - 1920 x 1200 Pixel (WUXGA, 16:10, 323 ppi)
Prozessor:
1,5 GHz Quadcore (Krait, Qualcomm Snapdragon S4 Pro)
RAM:
2 GB
Speicher:
16/32 GB intern, kein microSD-Kartenslot
Betriebssystem:
Android 4.3
Anschlüsse/Extras:
Micro-USB, 3,5mm Klinke, WLAN (a/b/g/n), Bluetooth 4.0
Akku:
3.950 mAh
Kamera:
5 Megapixel (Hauptkamera), 1,2 Megapixel (Frontkamera)
Videos:
Aufnahme in 1080p bei 30 fps möglich
Maße:
200 x 114 x 8,7 mm, 290 Gramm (LTE-Variante: 299 Gramm)
Preis:
ab 230 Euro (16 GB-Variante, 32 GB 269 Euro, mit LTE 349 Euro)

(futurezone) Erstellt am 29.08.2013, 06:00

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