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RasPiComm Platine macht Raspberry Pi zum Industrial PC.

Foto: Daniel Amesberger
Der RasPiComm ist eine der ersten Erweiterungen für den beliebten 29-Euro-PC. Die Zusatzplatine stammt vom österreichischen Unternehmen Amescon und soll aus dem Gerät einen "Industrial PC für Jedermann" machen, mit dem bis zu 256 Geräte angesteuert werden können.

Der Raspberry Pi , der angeblich "günstigste PC der Welt", ist ein durchschlagender Erfolg. Mehr als 200.000 Exemplare wurden laut Eben Upton, dem Präsidenten der Raspberry-Stiftung, bereits ausgeliefert, die Warteliste soll noch einmal so lang sein. Der günstige PC im Scheckkartenformat beflügelt vor allem die Fantasie der "Do it yourself"-Community, die damit bereits Wetterballons und Satelliten bestückt hat. Ein junger Österreicher hat nun mit dem RasPiComm eine der ersten Erweiterungen für den bekannten Mini-PC entwickelt, mit dem das Einsatzgebiet des 30-Euro-Geräts noch einmal deutlich erweitert werden kann.

RasPiComm
Foto: Daniel Amesberger

Der RasPiComm ist eine Erweiterungsplatine für den Pi, die vor allem für die Steuerung von Schrittmotoren verwendet werden soll. Konstruiert wurde sie vom Wiener Unternehmer Daniel Amesberger, der damit große Pläne hat. Angespornt vom überwältigenden Feedback der Raspberry-Community möchte er eine eigene Plattform aufbauen, "die Code und Schaltpläne beisteuert, um mit dem RasPiComm als Basis Automationsaufgaben lösen zu können." Auf seinen ersten Blogpost konnte er mehr als 10.000 Zugriffe verzeichnen, mittlerweile ist sogar der Schöpfer und Präsident der Raspberry Stiftung, Eben Upton, auf den jungen Wiener aufmerksam geworden und möchte ihm beim Vertrieb der Platine helfen.

Günstige Haussteuerung
Im Gegensatz zum GertBoard, das bereits einen vollständigen Mikrocontroller mitliefert, legt der RasPiComm großen Wert auf die Kommunikation über serielle Schnittstellen. Eine RS485 sowie eine RS232-Schnittstelle sind das Herzstück der Platine, über die bis zu 256 Geräte angesprochen werden können. Dies ist besonders für die Hausautomation interessant, über die neben fertig zusammengebauten Relais auch Sensoren angesprochen werden können und so zumindest theoretisch eine komplette Haussteuerung über den günstigen Raspberry Pi laufen könnte.

RasPiComm
Foto: Daniel Amesberger

Ein weiterer Vorteil im Vergleich zum GertBoard, das bereits vergangene Woche veröffentlicht wurde, ist, dass es direkt im "Piggyback"-Design auf den GPIO-Anschluss aufgesetzt werden kann. So bleibt der Raspberry weiterhin kompakt und einige der selbstgebauten Gehäuse können sogar weiterverwendet werden. Die Platine ragt dabei leicht über die CPU hinaus, soll allerdings trotz fehlender Kühlung keinerlei Hitzeprobleme hervorrufen. Doch auch hier können nun Übervorsichtige dank dem RasPiComm auf Nummer sicher gehen, da die neueste Variante der Platine einen Anschluss für einen 5V-Lüfter bietet.

Günstiger als das GertBoard
Ein sehr nettes Feature, das dem Raspberry Pi leider fehlt, wurde außerdem mit dem RasPiComm nachgerüstet: eine Echtzeituhr (RTC). Der Pi vergisst derzeit noch seine Zeiteinstellungen wenn er von der Stromzufuhr getrennt wird. Doch dieser Komfort bringt aber wieder ein anderes Problem mit sich. Da der RTC-Chip nicht günstig ist, wurde bereits im ursprünglichen Design des Raspberry Pi darauf verzichtet.

Dennoch soll der Preis für den RasPiComm sogar unter dem des GertBoard liegen, das derzeit nur als Bausatz geliefert wird. Der Zielpreis für die erste Charge von 1.000 Stück liegt bei 35 Euro, allerdings sei hier "noch nichts in Stein gemeißelt." Bei der Produktion hofft Amesberger auf Unterstützung durch den Elektronikhersteller Farnell, der unter anderem auch das GertBoard sowie den Raspberry Pi vertreibt.

Konkurrent startete womöglich früher
Nur eine Woche nachdem Amesberger das erste Konzept des RasPiComm öffentlich machte, gab plötzlich Farnell die Vorbestellungen für das GertBoard frei, dessen Produktion gerade erst anlief. Amesberger selbst glaubt nicht an einen Zufall, sieht allerdings im GertBoard keine Konkurrenz, da die beiden Modelle vollkommen unterschiedliche Schwerpunkte haben.

Eine API zur Programmierung der Steuerung soll zum Verkaufsstart zur Verfügung gestellt werden. Diese wird, wie auch die bereits veröffentlichten Platinen-Layouts, als Open Source veröffentlicht. Amesberger hofft dabei vor allem auf die große Raspberry-Community, die bereits jetzt reges Feedback zum RasPiComm geliefert haben und in Zukunft Treiber, Software und Schaltungen entwickeln sollen. Einen Treiber für die Open Source- Schrittmotorsteuerung Steprocker werde aber bereits zum Verkaufsstart mitgeliefert.

Diese unterstützt eine 256-Schritt-Mikoauflösung sowie die gleichzeitige Ansteuerung von bis zu drei Achsen, sodass damit sogar selbstgebaute CNC-Maschinen realisiert werden könnten. Eine "Joystick"-Steuerung auf dem RasPiComm dient zum Überprüfen der Programme und bietet bis zu fünf Eingabevarianten (Richtungen und "Enter" durch mittiges Drücken).

RasPiComm mit Display
Das RasPiCom mit einem aufgesteckten OLED-Display (128 x 64 Pixel, über I2C-Schnittstelle) - Foto: Daniel Amesberger

Bereits jetzt wird an einer besser ausgestatteten Variante mit dem Namen RasPiComm Plus gearbeitet. Dieses Board soll deutlich größer als der herkömmliche RasPiComm sein und über die Platine des Raspberry Pi hinausragen. Dafür bietet es allerdings neben einem CAN-Bus auch eine Montagelösung, mit der die gesamte Konstruktion in einem Gehäuse fixiert werden kann.

Richtungsweisende Entscheidung
Beim RasPiComm handelt es sich für Amesberger um alles andere als ein Hobby-Projekt als viel mehr eine Entscheidung für die Zukunft. Amesberger ist bereits seit neun Jahren gesellschaftender Geschäftsführer der Amescon GmbH, einem auf Automatisierung spezialisiertes Unternehmen. Bekannt wurde das Unternehmen vor allem für seine Geldautomationsanlagen, die vollautomatisch beliebige Stückelungen von bis zu 160 verschiedene Noten vollautomatisch abzählen, kombinieren, verpacken und bis zum Geldtransporter bewegen kann. Zahlreiche große deutsche Banken zählen zu ihren Kunden. Doch trotz der Erfolge schließt Amesberger in der Zukunft einen Wechsel auf die neue Plattform nicht aus. Der Raspberry Pi sei für ihn "hochinteressant" und soll die Basis für "eine Art Industrial PC für Jedermann" bieten.

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(futurezone) Erstellt am 16.08.2012, 06:00

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