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Smartphone-Test Samsung Galaxy S6 Edge im Test: Der Bad Boy der S6-Brüder.

Das Samsung Galaxy S6 Edge wird ab dem 17. April in den Farben Weiß, Schwarz, Platin und Grün verfügbar sein
Das Samsung Galaxy S6 Edge wird ab dem 17. April in den Farben Weiß, Schwarz, Platin und Grün verfügbar sein - Foto: Gregor Gruber
Das S6 Edge unterscheidet sich vom S6 durch sein Display mit den zwei gebogenen Kanten. Das macht das Edge optisch eindrucksvoll, erfüllt aber keinen echten Zusatznutzen.

70 zu 30. Das ist laut Samsung Österreich das Verhältnis der Vorbestellungen für die beiden neuen Spitzenmodelle. 70 Prozent entfallen auf das teurere Galaxy S6 Edge, das in der günstigsten Version 849 Euro (UVP) kostet. Das S6 Edge ist ab dem 17. April erhältlich. Wer bis zum 12. April vorbestellt, bekommt das Smartphone am 13. April und das Samsung Wireless Charging Pad kostenlos dazu.

Die futurezone hat das S6 Edge getestet.

Kantig

Das S6 (hier geht es zum Test) und S6 Edge sind technisch nahezu ident. Das Edge ist laut Datenblatt um 0,2 mm dicker aber um sechs Gramm leichter. Trotz der geringen Unterschiede macht sich das zweifach-gebogene Display deutlich in der Haptik bemerkbar. Durch den dünnen linken und rechten Rand fühlt sich das gesamte Gerät dünner an als es eigentlich ist.

Der Aluminiumrahmen an der linken und rechten Seite ist kein Komfort-Wunder. Man muss etwas herumprobieren, bis man die Finger so aufgelegt hat, das ein längeres Halten nicht unbequem ist. Das liegt daran, dass der Aluminiumrahmen an der Oberseite nicht bündig mit dem Displayglas abschließt und die polierte Ecke des Aluminiums an einigen Stellen zu scharfkantig ist. Die Standby- und Lautstärke-Tasten sind kleiner als beim S6, stehen weiter hervor und fühlen sich dadurch spitzer an.

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Foto: Gregor Gruber

Design

Das gebogene Display verleiht dem S6 Edge ein spannenderes und frecheres Design als dem schlicht-eleganten S6. Der überstehende Aluminiumrahmen sieht aber optisch weniger ansprechend als beim normalen S6 aus. Beim braven Zwilling des S6 Edge schließt der Rahmen besser mit dem Glas an der Front- und Rückseite ab. Wie beim S6 steht an der Rückseite unschön die Kamera aus dem Gehäuse heraus.

Wie beim S6 ändert sich auch die Farbe der Vorder- und Rückseite des Edge je nach Lichteinfall. Bei der getesteten, weißen Variante ist dieser Effekt weniger stark als bei der blau/schwarzen Version. Hier ändert sich die Farbe von einem dunklen Perlweiß zu einem helleren Weiß. Wie das S6 ist auch das Edge stark anfällig für Fingerabdrücke.

Der Heiligenschein-Effekt, bei dem die Ränder des Geräts durch die Reflektionen des Lichts zu leuchten scheinen, ist beim Edge weniger stark ausgeprägt als beim S6. Dies liegt daran das der linke und rechte Rand aufgrund der Display-Biegungen tiefer liegen. Dafür entsteht an den gebogenen Display-Ecken ein vertikaler Reflektionsstreifen. Dieser ist aber nur aus steilen Betrachtungswinkeln sichtbar, beim Alltagsgebrauch stört er nicht.

Display

Das Display des Edge misst, wie beim S6, 5,1 Zoll und hat die Auflösung 2.560 x 1.440 Pixel. Dementsprechend scharf werden Fotos und kleine Schriften angezeigt. Der Raster des Homescreens kann von 4 x 4 auf 5 x 5 geändert werden, um die höhere Auflösung sinnvoll zu nutzen.

Die Darstellung der Displays ist nicht mit dem S6 ident. Das Edge hat einen ganz leichten Grünstich bei der Darstellung von Weiß, ähnlich wie das Note 4. Beim S6 ist dies nicht der Fall. Allgemein ist die Darstellung des Displays des S6 sauberer und etwas kontrastreicher als beim Edge. Das heißt nicht, dass der Bildschirm des Edge schlecht ist: Er ist immer noch hervorragend, aber das Display des S6 ist einen Tick besser.

Positiv: Das S6 Edge ignoriert wenn Teile des Handballens oder der Finger auf den gebogenen Rändern des Displays aufliegen. Egal ob es links der Handhallen und/oder rechts die Kuppen von Mittel- und Ringfinger sind: Im Alltagsgebrauch ist ein unbeabsichtigtes Betätigen des Touchscreens nahezu ausgeschlossen.

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Foto: Gregor Gruber

Die erleuchtete Ecke

Wie beim Note Edge hat das gebogene Display des S6 Edge Zusatzfunktionen. Samsung nennt diese Seitenbildschirm. Allerdings gibt es nur eine Funktion, die das gebogene Display erfordert – die anderen würden auf einem geraden Bildschirm genauso ihren Zweck erfüllen.

Bei dieser einen Funktion fungiert die Display-Kante als Benachrichtigungs-LED, wenn das Edge mit dem Display nach unten auf dem Tisch liegt. Erhält man einen Anruf oder eine neue Nachricht, leuchtet die Kante. Anrufe können abgelehnt werden, wenn man den Finger zwei Sekunden auf den Pulssensor legt.

In einem Büro mit Tageslicht-Einfall oder guter Kunstbeleuchtung ist das Leuchten der Display-Kante kaum sichtbar. Zudem kommt hinzu, dass nur eine der beiden Kanten leuchtet – je nachdem ob man in den Einstellungen die Seitenbildschirm-Funktionen auf die linke oder rechte Seite gelegt hat. Hat man die Kante auf die rechte Seite gelegt, muss man das Edge rechts neben sich auf dem Tisch liegen haben, falls man im umgedrehten Zustand eine Chance haben will das Leuchten zu sehen.

Info-Stream

Legt man das Edge mit der Display-Seite nach oben ab, kann die Info-Stream-Funktion der gebogenen Kante genutzt werden. Hierzu wischt man mit dem Finger schnell der Kante entlang nach oben und wieder unten. Störend ist, dass es fast eineinhalb Sekunden dauert, bis nach dem Wischen die Seitenanzeige erscheint. Da ist es schneller die Standby-Taste zu drücken. Die Geste wird nicht immer erkannt und es kann vorkommen, dass man mehrmals hin- und herwischt, bis der Stream auftaucht. Lästig: Auch hier erscheint nur der Info-Stream auf der vorkonfigurierten Ecke. Warum der Stream nicht einfach auf der Seite erscheint, auf der man die Wischbewegung macht, weiß wohl nur Samsung.

Der Info-Stream hat mehrere, konfigurierbare Panels: verpasste Anrufe und erhaltene Nachrichten, Yahoo Nachrichten, Yahoo Sportnachrichten für vordefinierte Teams, Twitter und Yahoo Finanznachrichten. Ein RSS Feed kann zusätzlich heruntergeladen werden. Der ist auch derzeit das einzige Info-Stream-Panel für das S6 Edge im Galaxy App Store. Panels für das Note Edge sind nicht mit dem S6 Edge kompatibel.

Ist der Info-Stream geöffnet, werden die Panels mit Wischen nach oben und unten gewechselt. Tippt man die Nachricht im Feed oder das Icon für die neuen E-Mails an, wird die entsprechende App am Display geöffnet.

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Foto: Gregor Gruber

VIP-Leiste

Bei aktiviertem Display hat der Seiten-Bildschirm derzeit nur eine Funktion: die VIP-Leiste. Bis zu fünf Kontakte können als VIPs und einer von acht Farben zugewiesen werden. Liegt das Edge mit dem Display nach unten, leuchtet die Display-Kurve bei einem Anruf eines VIPs in der ihm zugewiesenen Farbe.

Hat man einen Anruf eines VIPs verpasst, eine SMS oder eine E-Mail bekommen, sieht man einen kleinen Farbstreifen am Rand. Wischt man vom Farbstreifen aus ins Display, werden Details dazu angezeigt. Wird der graue Streifen nach innen gewischt, wird die Leiste mit den fünf VIPs angezeigt. Ein Tipper auf das Porträt öffnet die Shortcuts für anrufen, SMS schreiben und E-Mail schreiben. Messaging-Dienste wie Hangouts oder WhatsApp werden in der VIP-Leiste nicht unterstützt.

Die Shortcut-Leiste und Seitenbildschirm-Gadgets des Galaxy Note Edge gibt es beim S6 Edge nicht.

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Foto: Gregor Gruber

Überarbeitete Oberfläche

Wie auch beim S6 wurde hat Samsung die eigene Android-Oberfläche TouchWiz optisch überarbeitet. Im Vergleich zum S5 ist die Oberfläche heller und ein paar Icons wurden durch Klartext ersetzt. Als Einsteiger in Samsungs Android-Welt ist man jetzt weniger überfordert, dafür sind aber einige praktische Funktionen etwas zu versteckt in den Einstellungen, wie Adapt Sound und die Bildschirmlupe.

Per Multi-Window-Funktion kann das Edge zwei Apps gleichzeitig anzeigen. Entweder untereinander oder eine App als skalier- und verschiebbares Fenster im Vordergrund. Ebenfalls praktisch ist der „Nicht Stören“-Modus, das einfache Deinstallieren von Apps direkt aus dem App-Raster und das Menü App-Benachrichtigungen, mit denen Notifications von bestimmten Apps unterdrückt oder priorisiert werden können.

Weniger Bloatware

Auf die Samsung-typische Bloatware wird beim Edge verzichtet. Und die, die noch drauf ist, kann deinstalliert und deaktiviert werden, wie etwa S Health und S Voice. Zumindest bei S Health wäre das schade, da die Gesundheits-App gut überarbeitet wurde. Das Pulsmessen ist genauer und wer will kann mit der App Kalorienzählen. Dazu gibt man den Snack oder die gegessene Speise ein. Ist diese in der Datenbank vorhanden, wird gleich eine Kalorienanzahl vorgeschlagen.

Nicht deinstalliert werden kann Galaxy Apps. In Samsungs eigenen App Store findet man auch die Bloatware, die auf anderen Samsung-Geräten vorinstalliert ist. Dazu gehören etwa der Kids Mode und Side Sync.

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Foto: Gregor Gruber

Ausstattung und Leistung

Wie das S6 hat auch das Edge einen Fingerabdruckscanner, der deutlich verlässlicher ist als beim S5. Einfach drauflegen, eine Sekunde warten und das Gerät ist entsperrt. Auch vom S6 bekannt ist der Pulsmesser an der Rückseite und die Infrarot-Schnittstelle an der Oberseite. Mit der passenden App können damit Flat-TV, Receiver und Co. gesteuert werden.

Wie das S6 hat auch das Edge einen Unibody. Der SIM-Karten-Slot ist an der Oberseite, einen Micro-SD-Slot gibt es nicht. Vom internen Speicher in den Größen 32, 64 oder 128 GB sind rund 6,5 GB für das Betriebssystem reserviert.

Prozessor und RAM sind ident mit denen des S6, weshalb die Benchmarks gleiche Ergebnisse liefern. Im Alltagsgebrauch wird man kaum ein Ruckeln bemerken, auch beim Multi-Window-Modus geht dem Edge nicht die Puste aus. Die Wärmeentwicklung ist, wie beim S6, an der Rückseite rund um die Kamera am stärksten.

Der Akku ist um 50 mAh größer als beim S6, was sich aber nicht wesentlich auf die Laufzeit auswirkt. Wie beim S6 hält der Akku gerade Mal einen Tag durch, wenn auf die eingebauten Energiespar-Modi verzichtet wird. Wie beim S6 ist der Akku mit dem mitgelieferten Schnellladegerät nach knapp 70 Minuten wieder voll. Wireless Charging wird ebenfalls unterstützt, allerdings ist die Ladezeit hier länger.

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Foto: Gregor Gruber

Kamera

Haupt- und Frontkamera entsprechen ebenfalls denen des S6. Zweimaliges, schnelles Drücken des Home-Buttons öffnet die Kamera-App. Die 16-Megapixel-Hauptkamera hat einen optischen Bildstabilisator der Verwackeln verhindern soll. Außerdem sind dadurch längere Belichtungszeiten bei Aufnahmen mit schlechten Licht möglich, was die Bildqualität verbessert. Detailzeichnung und Schärfe sind gut und besser als beim S5. Im Vergleich zum Note 4, das ebenfalls eine 16-Megapixel-Kamera hat, sind die Fotos einen Hauch unschärfer. Mit der Bildqualität des Sony Xperia Z3 kann das Edge nicht mithalten.

Die Frontkamera hat fünf Megapixel. Bei Selfies bei Kunstlicht und spärlichem Licht sind Gesichter noch gut zu erkennen. Allerdings gibt es eine leichte Unschärfe – egal wie nah oder weit weg das Edge zum Gesicht gehalten wird. Wie beim S6 gibt es auch beim Edge Schwenk-Gruppenbilder, um auch ohne Selfie-Stick mehrere Personen mit der Frontkamera abzulichten. Dabei entsteht ein Fischaugen-ähnlicher Effekt.

Die Frontkamera kann nicht nur mit einem Tipper auf das Display oder ein Drücken der Lautstärke-Tasten ausgelöst werden, sondern auch durch das Platzieren des Fingers auf den oder indem die flache Hand vor die Kamera gehalten wird. Dies startet einen Selbstauslöser mit zwei Sekunden.

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Foto: Gregor Gruber

Fazit

Das Edge ist der Bad Boy der S6-Brüder, der "böse Zwilling" des Samsung-Spitzenmodell-Paars. Durch das gebogene Display ist das Design aufregender und frischer. Auch wenn man weiß, dass es Besseres gibt, hat das Edge dennoch etwas stark Anziehendes - in der Form von zwei Displaykurven.

Abgesehen davon liegt das S6 Edge bei langer Nutzung schlechter in der Hand als das normale S6. Das Display ist nicht ganz so gut wie das des S6 und die meisten Seitenbildschirm-Funktionen würden auf einem geraden Display genauso funktionieren. Kann man es sich leisten, den Preis von 850 Euro zu ignorieren, bekommt man mit dem S6 Edge ein gutes und vor allem auffälliges Smartphone.

Denn das doppelt-gebogene Display ist zur Zeit einzigartig am Handymarkt. Solange, bis andere Hersteller nachziehen. So hat etwa Blackberry ein Dual-Curved-Slider-Phone angekündigt - zwei Tage, nachdem Samsung das S6 Edge erstmals offiziell vorgestellt hatte.

Technische Daten

Modell:
Samsung Galaxy S6 SM-G925F
Betriebssystem:
Android 5.0.2, TouchWiz UI
Maße und Gewicht:
142 x 70,1 x 7 mm, 132 Gramm
Chipsatz, CPU:
Exynos 7420, (4 × 2,1 GHz und 4 × 1,5 GHz)
RAM:
3 GB
Bildschirm:
5,1 Zoll Super AMOLED, 2.560 x 1.440 Pixel
Speicher:
32 GB, 64 GB oder 128 GB
Kamera:
16 Megapixel Haupt, 5 Megapixel Front
Akku:
2.600 mAh
Sonstiges:
802.11 a/b/g/n/ac, Bluetooth 4.1, Micro-USB 2.0, NFC, Infrarot, Fingerabdruckscanner, Pulsmesser
Preis:
849 Euro (32 GB)
949 Euro (64 GB)
1049 Euro (128 GB)

 

Diclaimer: Das Samsung Galaxy S6 wurde freundlicherweise von A1 für den Test zur Verfügung gestellt.

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(futurezone) Erstellt am 02.04.2015, 06:00

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