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CES Virtual Reality: Oculus dominiert, HTC ist der Underdog.

HTC Vive ist spannendere VR-System, auf der Elektronik-Messe CES kriegt man davon allerdings nur wenig mit
HTC Vive ist spannendere VR-System, auf der Elektronik-Messe CES kriegt man davon allerdings nur wenig mit - Foto: Thomas Prenner
Wenn man nach der Präsenz der VR-Lösungen auf der Consumer Electronics Show geht, haben Oculus und Samsung die Schlacht bereits gewonnen.

Im Vorjahr hat es noch danach ausgehen, als würde es ein knappes Rennen zwischen Oculus Rift und HTC Vive werden. Zwischen den zwei großen Playern versuchten auch einige kleinere Anbieter ihre Virtual-Reality-Headsets zu positionieren. Auf der Consumer Electronics Show in Las Vegas, die als Gradmesser für den wichtigen, amerikanischen Markt gilt, scheint das Rennen bereits entschieden zu sein. Oculus, gestärkt durch die Finanzkraft des Mutterkonzerns Facebook, hat einen riesigen Messestand. Schon zu Mittag des ersten CES-Tages ist das Oculus-Personal genervt. Im Minutentakt versuchen Besucher, den abgetrennten Bereich zu betreten, um die lange Warteschlange vor dem öffentlichen Bereich zu umgehen. Dort müsste man mehrere Stunden warten, um wenigen Minuten lang mit Oculus Rift in die virtuelle Realität eintauchen zu können.

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ein kleiner Teil des Oculus-Messestands am morgen - noch mit nur etwa einer Stunde Wartezeit - Foto: APA/AFP/GETTY IMAGES/Ethan Miller

Und HTC? Die sind nicht am Messegelände und werden auch nicht als Aussteller gelistet. Wer HTC Vive ausprobieren will, muss in das Wynn Hotel, das 20 Gehminuten vom Convention Center entfernt ist. Die Vorführung gibt es nur mit Termin – praktisch für Journalisten, aber womöglich schlecht fürs Geschäft. Denn Vive ist zwar das eindrucksvollere System, aber wenn man bei der wichtigsten Elektronikmesse der USA quasi nicht präsent für die 170.000 Fachbesucher, Händler und Pressevertreter ist, die keinen Termin haben, überlässt man Oculus nahezu kampflos das Feld.

Begehbar

Das Grundprinzip bei Oculus Rift und HTC Vive ist dasselbe: Das Headset ist mit einem leistungsstarken PC verbunden. Der User setzt das Headset auf, das zwei Displays (eines für jedes Auge, um 3D zu ermöglichen) eingebaut hat. Bewegt er den Kopf, kann er sich in der virtuellen Umgebung umsehen. Man kann entweder mit traditionellen Game-Controllern oder speziellen Controllern spielen, die die Handbewegungen in die virtuelle Realität umsetzen.

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Foto: Thomas Prenner

HTC Vive bietet zusätzlich die Möglichkeit, ein ganzes Zimmer in die virtuelle Realität zu integrieren. Durch zwei kleine Kästchen, die in den Raumecken angebracht werden, werden die Bewegungen des Spielers erfasst. Geht man ein paar Schritte im Zimmer, geht man auch in der virtuellen Umgebung. Dasselbe gilt für Ducken, Hinlegen oder Springen. In der aktuellen Vorserienversion, „Vive Pre“, die die futurezone in Las Vegas getestet hat, ist eine Frontkamera im Headset integriert. Zusätzlich zu einem eingeblendeten Drahtgitter, das in der virtuellen Realität anzeigt, wenn man sich einer realen Wand nähert, können jetzt Objekte und Menschen angezeigt werden. Diese werden blau umrandet dargestellt. Auf Wunsch kann auch das normale Kamerabild live in der virtuellen Realität sichtbar gemacht werden, falls einem die futuristische blaue Darstellung zu abstrakt ist.

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Oculus Rift kostet 700 Euro - Foto: Oculus VR

Finanzkraft von Facebook

Obwohl HTC Vive deutlich beeindruckender ist, scheint die Taktik von Oculus aufzugehen. Durch die Finanzstärke der Mutterfirma Facebook ist man omnipräsent. Facebook subventioniert zudem das Rift-Headset, weshalb es um 700 Euro im ersten Quartal 2016 verfügbar sein wird. Das ist zwar immer noch viel, ohne Facebook würde Oculus Rift aber über 1000 Euro kosten.

Vive wurde zusammen mit Valve entwickelt, dem Software-Unternehmen hinter Spielehits wie Half-Life und Portal. Analysten zufolge nimmt Valve alleine mit seiner PC-Spieleplattform Steam jährlich über 1,5 Milliarden US-Dollar ein. HTC scheint bei seinen Marketing-Maßnahmen aber relativ alleine gelassen zu werden – auf der Steam-Website ist nicht mal die aktuelle Version von Vive abgebildet. Eine Subventionierung der Hardware durch Valve könnte ausbleiben, was das ohnehin finanziell angeschlagene Unternehmen HTC weiter unter Druck setzt. Wenn Vive zum geplanten Start im April 2016 weit über 1000 Euro kostet, dürfte dies selbst Gaming-begeisterte Early Adopter abschrecken.

Der Rest

Dass der Virtual-Reality-Krieg gegen das Gespann Facebook-Oculus nur schwer zu gewinnen sein wird, haben anscheinend viele kleinere Hersteller von VR-Lösungen eingesehen – zumindest blieben einige der CES fern. Immerhin widmete Sony einen kleinen Teil seines Messestands PlayStation VR, dem Virtual-Reality-System für die PS4. Eine neue Version des Headsets gab es aber nicht zu sehen, auch Preis und Erscheinungsdatum nannte Sony nicht. Die einzig „neue“ Information, die Sony-Boss Kaz Hirai auf der CES verkündete: Games-Entwickler sollen an mehr als 100 Titeln für PlayStation VR arbeiten.

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Foto: Reuters
Dennoch ist die Zukunft des Headsets ungewiss. Zwar hat es das Zeug zum Massenprodukt, weil der Preis wohl unter dem von Oculus Rift und HTC Vive liegen wird. Auch braucht man zum Spielen keinen teuren Highend-PC, sondern eine PlayStation-4-Spielkonsole. Allerdings ist deren Leistung beschränkt, weshalb schon jetzt dasselbe Spiel, wie etwa die Weltraumsimulation EVE: Valkyrie, auf Oculus Rift um ein vielfaches besser aussieht. Zudem hat Oculus bei seiner Endkunden-Version die Hardware mittlerweile gut im Griff. Geringe Verzögerungen und eine scharfe Darstellung hilft dem Übelkeitsgefühl vorzubeugen, das manche User beim VR-Spielen empfinden. Beim derzeitigen PlayStation-VR-Vorserienmodell fehlt dieses Feintuning noch.

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Eine der vielen Präsentationen mit Gear VR - Foto: Thomas Prenner

Samsung

Eine gute VR-Nische scheint Samsung für sich entdeckt zu haben. Im Grunde ist Gear VR, die die Technik und das Know-How von Oculus nutzt, eine Kopfhalterung, die in Verbindung mit einem aktuellen Samsung-Smartphone zum Virtual-Reality-Headset wird. Gear VR war ständig in den Messehallen zu sehen, viele kleinere Aussteller präsentierten ihre Produkte und Dienste damit bzw. wollten Besucher so zu ihrem Messestand locken. Im Vergleich zu Oculus Rift und HTC Vive ist Gear VR einfach zu bedienen, verhältnismäßig günstig, erfordert keine Verbindung zu einem PC und ist dank des Smartphone-Akkus portabel und kabelfrei nutzbar.

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Samsungs Bewegungs-Controller Rink - Foto: Samsung
Im Endkunden-Bereich wird Gear VR vielleicht nicht allzu weit verbreitet werden, da sich User deshalb nicht das neueste Samsung-Smartphone kaufen wollen. Im B2B-Bereich, für Produktpräsentationen oder als Promotion-Tool für Unternehmen, wird es aber seinen Platz finden. Einen Popularitätsschub wird Gear VR mit „Rink“ erhalten. Unter diesem Namen entwickelt Samsung einen Bewegungs-Controller, der, wie die Gegenstücke von Oculus Rift und HTC Vive, die Bewegungen der linken und rechten Arme und Hände in die virtuelle Realität überträgt.

Zubehör

Der günstigste Zugang zu Virtual Reality ist Google Cardboard. Die Papierhalterung für Smartphones gibt es bereits ab etwa 10 Euro im Internet zu bestellen. Aufwendige Games lassen sich damit vielleicht nicht spielen, aber für 360-Grad-Fotos und kurze -Videos reicht es. Bisher konnten solchen Inhalte meist nur durch langwierige Prozesse oder teure Mehrfach-Kamera-Setups hergestellt werden. Auf der CES waren jetzt einige Produkte zu sehen, die das Erstellen von Rundum-Aufnahmen für Virtual Reality erleichtern. Dazu gehören Bell-Helme mit integrierter UHD-Rundum-Kamera und Nikons UHD-Actioncam mit 360-Grad-Aufnahmebereich.

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Bell-Helm mit 360-Grad-Kamera - Foto: Thomas Prenner
Dolby sieht mit Virtual Reality eine zusätzliche Chance für seinen Standard Dolby Atmos. Mit dieser Technologie kommt der Sound nicht nur von vorne, seitlich und hinten, sondern auch von oben. Bei vielen Filmen spielt das bisher noch keine Rolle. Bei Virtual-Reality-Inhalten, bei denen man nicht nur im Kreis sondern auch nach oben schauen kann, macht es mehr Sinn, dass der Klang auch von oben kommt.

 

Weitere News, Hands-ons und Berichte zur CES 2016 gibt es hier.

Disclaimer: Redakteure der futurezone berichten vor Ort von der Consumer Electronics Show in Las Vegas. Die Reisekosten werden von der futurezone GmbH selbst sowie von Samsung und Dolby übernommen.

(futurezone) Erstellt am 09.01.2016, 06:00

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