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Windows Phone 8.1 im Test: Clevere Cortana, mehr Freiheit

Kaum ein anderes mobiles Betriebssystem hat sich in den letzten Jahren den Titel "Work in Progress" dermaßen verdient, wie Windows Phone. Bereits seit dreieinhalb Jahren arbeitet Microsoft am Konkurrenten zu iOS und Android, stets hinkte man den beiden ein oder zwei Schritte hinterher. Mit Windows Phone 8 machte man im Oktober 2012 erstmals einen großen Satz nach vorne, der erhoffte Durchbruch blieb aber aus. Seitdem ist Microsoft damit beschäftigt, jeden noch so kleinen Fehler am System auszumerzen. Große Features, wie zum Beispiel Sprachassistenten (Siri, Google Now), kamen trotz insgesamt vier Updates nicht mehr dazu.

Diese Strategie hat dazu geführt, dass Windows Phone 8 mittlerweile ein sehr stabiles System ist, aber kaum von den Massen wahrgenommen wird. Mit Windows Phone 8.1 kommen das erste Mal seit langer Zeit "sexy" Funktionen dazu, mit denen Microsofts mobiles Betriebssystem wieder für Aufsehen sorgt. Doch ist die Begeisterung rund um Cortana, transparente Kacheln und das neue Benachrichtigungszentrum gerechtfertigt? Die futurezone hat die neue Version des Betriebssystems einem Test unterzogen und lange, tiefsinnnige Gespräche mit Cortana geführt.

Auf den ersten Blick hat sich kaum etwas geändert. Alles ist am gleichen Ort zu finden wie bisher, doch der Eindruck trügt. Die erste große Veränderung offenbart sich bereits, wenn der Benutzer über die bislang recht sinnlose Status-Leiste streicht. Zuvor wurden durch diese Bewegung lediglich einige Status-Symbole eingeblendet, beispielsweise ob WLAN aktiv ist. Doch nun lässt sich so ein vollwertiges Notification Center, wie es bereits seit einigen Jahren bei Android und iOS im Einsatz ist, einblenden. Tatsächlich ist es eine Mischung der Lösungen von Google und Apple.

Wie bei Android lassen sich mit einem Knopfdruck alle Benachrichtigungen „wegwischen“, die Benachrichtigungen werden allerdings, wie bei iOS, nach App kategorisiert. Dabei werden aber beispielsweise mehrere Nachrichten einer Unterhaltung per Facebook oder SMS einzeln ausgegeben. Das ist hin und wieder praktisch, da der Inhalt gleich ersichtlich ist, ohne in die App wechseln zu müssen. Bei mehreren Unterhaltungen zur selben Zeit kann es aber schnell unübersichtlich werden. Es wurden zudem lediglich die jüngsten zwanzig Benachrichtigungen für eine App angezeigt. Wenn eine Benachrichtigung aus dem Notification Center “weggewischt” wurde, wird diese auch aus den Live Tiles entfernt. Das betrifft sowohl die Vorschau auf den Inhalt als auch den Zähler für ungelesene Nachrichten. In den Apps selbst bleiben die Benachrichtigungen oder Nachrichten aber als “ungelesen” markiert.
Im Notification Center sind nun auch fünf Quick Settings zu finden, die mit je einer von elf verschiedenen Einstellungen belegt werden können. Lediglich ein Schalter, mit dem mobile Daten rasch deaktiviert werden können, fehlt. Das Notification Center wurde gut von Microsoft implementiert und ist eine spürbar bessere Lösung als die „Toast“-Benachrichtigungen, die über mehrere Sekunden hinweg als dicker Balken über der Status-Leiste eingeblendet wurden und meist einfach nur nervig waren. Lästig und fast schon absurd war zudem, dass die Lautstärke für Medieninhalte und den Klingelton nicht unabhängig voneinander eingestellt werden konnten. Diese globale Lautstärke-Einstellung gibt es mit Windows Phone 8.1 nicht mehr. Der Benutzer kann Lautstärke für Benachrichtigungen und Anrufe sowie Medieninhalte nun einzeln regulieren, auch die Vibration kann jederzeit deaktiviert werden.

Der “große Star” von Windows Phone 8.1 ist ohne Zweifel Microsofts Sprachassistentin Cortana, die als Antwort auf Apples Siri sowie Google Now gilt. Der Name Cortana dürfte vor allem Halo-Spielern ein Begriff sein. Sie ist jene künstliche Intelligenz, die den Master Chief mit Informationen versorgt und immer wieder freche Kommentare von sich gibt. Spricht man Windows Phones Cortana auf Halo und den Master Chief an, gibt sie amüsante Sprüche von sich. Auf die Frage "Wo ist der Master Chief?" antwortet sie beispielsweise "Wahrscheinlich unterwegs, um die Galaxie zu retten... er ist gut in solchen Dingen." Auch Fragen nach Siri, Bill Gates und ihrer eigenen Existenz beantwortet sie.

Auch wenn sie auf viele scheinbar komplexe Fragen Antworten liefern kann, sollte man sich keiner Illusion hingeben. Wie allen anderen Sprachassistenten ist sie keine "intelligente" Gesprächspartnerin, mit der man eine Unterhaltung führen kann. Ihr Funktionsumfang ist auf gewisse Tätigkeiten beschränkt. So kann sie Anrufe starten, SMS verschicken, Termine in den Kalender eintragen, Notizen, Erinnerungen und Wecker speichern sowie Musik wiedergeben und nach Orten, Bildern oder anderen Inhalten im Internet suchen. Der Funktionsumfang soll erweitert werden, zudem kann Cortana andere Apps steuern, wenn diese das unterstützen. Derzeit tun dies unter anderem Twitter, Skype sowie die hierzulande nicht verfügbaren VOD-Dienste Hulu und Flixster. Facebook wollte aus unerfindlichen Gründen im Test nicht funktionieren, obwohl es von Microsoft als App mit Cortana-Unterstützung genannt wird.

Wie Windows Phone ist Cortana eine Mischung der Welten von Apple und Google. Cortana setzt, wie Siri, sehr stark auf Spracheingabe, versucht dabei aber, ähnlich wie Google Now, mitzulernen. Der Benutzer kann Cortana zum Beispiel die Erlaubnis geben, seine E-Mails zu durchsuchen, sodass gebuchte Flüge automatisch erkannt werden. Cortana kann so den Benutzer warnen, wann er losgehen muss, um den Flug noch rechtzeitig zu erreichen. Mit Zugriff auf den persönlichen Termin-Kalender kann Cortana zudem auf bevorstehende Termine hinweisen und die benötigte Fahrtzeit kalkulieren. Zudem kann Cortana aktuelle Sport-Ergebnisse zur “Lieblingsmannschaft” heraussuchen, die Auswahl ist jedoch auf amerikanische Sport-Teams (Eishockey, Football, Baseball, Basketball) sowie englische Fußball-Teams (Premier League) beschränkt. All diese “Interessen” können auf einer eigenen Liste verwaltet werden, ohne die entsprechenden Berechtigungen kann Cortana aber nicht mehr als die herkömmliche Bing-Suche.

Nur in Englisch

Wenn man nicht gestört werden will, übernimmt Cortana die Verwaltung der ankommenden Anrufe und Nachrichten. Das bedeutet nicht, dass sie wie eine echte persönliche Assistentin Anrufe beantwortet, aber sie notiert sich, wer angerufen hat und präsentiert eine Zusammenfassung, wenn man wieder “verfügbar” ist. Diese Ruhestunden können auch automatisch eingestellt werden, beispielsweise täglich von 14 bis 16 Uhr. Anrufer können zudem per SMS-Nachricht informiert werden, dass man derzeit nicht verfügbar ist. Ausnahmen können für den “engsten Kreis” sowie Notfälle definiert werden.

Als sehr praktisch erwiesen sich Erinnerungen, die mit einem Ort verknüpft wurden. So kann Cortana beispielsweise den Benutzer daran erinnern, ein bestimmtes Buch zu kaufen, wenn man die Buchhandlung betritt oder die Schlüssel nicht zu vergessen, wenn man das Haus verlässt. Lediglich die Eingabe des Ortes war hin und wieder etwas mühsam, doch die Benachrichtigungen funktionierten tadellos. Erinnerungen können auch mit Kontakten verknüpft werden. So kann man sich beispielsweise erinnern lassen, das nächste Mal nach alten Fotos zu fragen, wenn die Schwester anruft. Im Test kam das deutlich seltener zum Einsatz, dennoch kann diese Funktion sowohl beruflich als auch privat praktisch sein.

Die Spracheingabe funktioniert hervorragend, Cortana gibt in der Textzeile eine Vorschau auf den erkannten Text. Sucheingaben und Befehle können aber auch mit Hilfe der Tastatur in die Textzeile eingetragen werden. Derzeit erkennt und spricht Cortana nur Englisch. Weitere Sprachen wurden zwar in Aussicht gestellt, einen Zeitrahmen gibt es dafür aber noch nicht. Einige Sätze werden von Jen Taylor, der offiziellen Synchronsprecherin von Cortana in den Halo-Videospielen, gesprochen. Der Wortschatz soll in Zukunft mit weiteren Aufnahmen von Taylor aufgefüllt werden, zur Zeit werden aber viele Antworten noch vom Computer generiert.

Microsoft hat das mitgelieferte Keyboard nun auch mit einer Swype-Funktion, mit der Wörter durch Wischen rasch eingegeben werden können, ausgestattet. Das funktionierte im Test überraschend gut, auch der deutsche Wortschatz ist recht umfangreich und konnte unter anderem mit „österreichischen“ Wörtern, wie etwa "Erdäpfel", aufwarten. Im Gegensatz zum beliebten Android-Keyboard SwiftKey zeigt die Microsoft-Tastatur jedoch ihre alternativen Vorschläge erst an, nachdem fertig „gewischt“ wurde. Beschleunigt wird das Tippen auch durch eine eigene Taste für Emoticons und Beistrich. Nutzt man die englische Tastatur, werden beim Tippen von einigen Wörtern, beispielsweise “Mouse”, “Airplane” oder “Apple” (tatsächlich die Frucht), die passenden Emojis angezeigt.

Die Kalender-App verfügt nun endlich über eine Wochen-Ansicht. Lange mussten Windows Phone-Nutzer darauf warten, das hat sich jedoch gelohnt. Die Wochen-Ansicht ist nun Standard-mäßig voreingestellt und füllt den Bildschirm mit vier mal zwei Kästchen, in denen die Termine des jeweiligen Wochentages angezeigt werden. Im achten Kästchen ist ein kleiner Monatskalender zu sehen, in der die angezeigte Woche farblich hervorgehoben wird.

Mehr Freiheit

Eine der am häufigsten genannten neuen Features von Windows Phone 8.1 ist rein kosmetischer Natur. Kacheln von Apps, deren Farbe zuvor durch die System-Farbe definiert wurde, können nun auch “transparent” dargestellt werden. Dazu wird ein Hintergrundbild definiert, die transparenten Kacheln zeigen dann jeweils einen Ausschnitt des Bildes. Das Feature ist nett und gibt etwas mehr Freiheiten bei der Gestaltung des Homescreens. Microsoft versprach auf der Entwicklerkonferenz BUILD unter anderem auch, dass Apps nun deutlich mehr Freiheiten bei der Gestaltung des Lock-Screens bekommen würden. Bislang konnten diese nur das Hintergrundbild verändern und einen Zähler für Benachrichtigungen anzeigen. Mit Windows Phone 8.1 sollen auch Animationen und andere Layouts für Text möglich sein. Bislang gibt es aber noch keine App, die diese Funktionen nutzt.

Mit Windows Phone 8.1 können nun alle Smartphones bis zu sechs kleine oder drei mittel-große Kacheln in der Breite anzeigen. Zuvor war das nur auf Smartphones, die über einen Bildschirm mit Full HD-Auflösung (letztendlich gibt es bislang ohnedies nur das Nokia Lumia 1520 und das Lumia Icon) verfügen, möglich. Leider konnte im Test nicht überprüft werden, wie das auf kleinen Bildschirmen aussieht, da ein Lumia 1320 verwendet wurde, das über einen 6 Zoll-Bildschirm verfügt. Auf kleinen Bildschirmen könnte recht rasch die Übersicht verloren gehen.

Im Schatten von Cortana machte Microsoft auf der BUILD eine weitere Ankündigung, die womöglich den immer noch akuten App-Mangel (es gibt zwar mittlerweile 200.000 Apps im Store, davon ist aber nur ein Bruchteil qualitativ hochwertig) in Zukunft ausmerzen könnte. "Universal Windows Apps" ermöglicht Entwicklern, Apps zu schreiben, die sowohl auf Windows Phone 8.1 als auch Windows 8.1 laufen können. Das bedeutet zwar nicht, dass Windows 8-Apps auf Knopfdruck auch für Windows Phone 8.1 verfügbar sind, dennoch ist es nun deutlich einfacher für Entwickler, ihre Apps zu portieren. Dabei hilft auch, dass einige Middleware, zum Beispiel die beliebte Spiele-Engine Unity, ebenfalls Universal Windows Apps unterstützt.

Entwickler können nun, wie bereits im App Store oder Play Store, direkt auf Bewertungen antworten. Die Bewertungen im Windows Phone Store sind zudem mit Windows Phone 8.1 deutlich übersichtlicher. Der Nutzer sieht auf einen Blick, wie sich Bewertungen verteilen und kann diese nach Nützlichkeit bewerten und sortieren. Lediglich die erforderlichen Berechtigungen kommen nach wie vor etwas zu kurz. Die Store-App gibt nur bei heiklen Berechtigungen, beispielsweise Standortzugriff, eine Benachrichtigung aus. Die erforderlichen Benachrichtigungen finden sich unter Details.
Nicht nur die Bewertungen im Store wurden überarbeitet, die gesamte Store-App ist fast nicht wiederzuerkennen. Dieser Schritt war auch bitter notwendig, denn der App Store war zuvor nicht sehr benutzerfreundlich, neue Apps ließen sich nur schwer entdecken. Neben den Kategorien gibt der Store auf der Basis der letzten App-Downloads Empfehlungen ab und es gibt nun von einer Redaktion aufbereitete Listen, in denen neue und gute Apps vorgestellt werden. Zudem gibt es nun eine Übersicht der bereits installierten Apps und der Store kann installierte Apps bei einer aktiven WLAN-Verbindung im Hintergrund updaten.

Seit es Nokia Camera als eigene App im Windows Phone Store gibt, gibt es eigentlich keinen Grund mehr, Microsofts offizielle Kamera-App zu verwenden. Für Windows Phone 8.1 wurde diese dennoch überarbeitet und kann sogar teilweise zur Nokia-App aufschließen. Der Benutzer kann nun bis zu fünf Quick Settings definieren, die auf der linken Seite angezeigt werden. Neben einer Verknüpfung zur Foto-App können so auch der ISO-Wert, Belichtungszeit, Weißabgleich oder die Auflösung schnell angepasst werden. Die Kamera-App kann nun auch mit einem Serienbild-Modus aufwarten, mit dem bis zu 15 Bilder geschossen werden können.

Eine Foto-Strecke wird als ein “Bild” in der Galerie abgelegt, durch Antippen wird ein Assistent geöffnet, mit dem das beste Bild ausgesucht werden kann. Der Benutzer kann aber auch mehrere Bilder aus der Strecke auswählen. Es ist zudem möglich ein “Ablaufdatum” für die Bilderstrecke zu definieren, nach der ungespeicherte Bilder automatisch gelöscht werden. Leider hat Microsoft es beibehalten, dass beim Fokussieren per Touch automatisch ein Bild gemacht wird. Die Geschwindigkeit der App wurde aber deutlich verbessert, sowohl beim Fotografieren als auch beim Wechseln zwischen verschiedenen Modi und Szenen.

Eine clevere Idee steht hinter Wi-Fi Sense, das das rasche Teilen von Login-Daten für WLANs ermöglicht. Diese werden nicht mit der breiten Öffentlichkeit geteilt, sondern lediglich mit Personen aus den eigenen Kontakten, die selbst auch Wi-Fi Sense nutzen. Dabei erfahren sie das Passwort nicht, die App übernimmt die Anmeldung. Die Rechte dafür können vom Nutzer aber jederzeit entzogen werden. Wie rasch das vonstatten geht, konnte im Test leider nicht überprüft werden. Microsoft nutzt die gesammelten Daten wohl auch, um WLAN-Hotspots in der Maps-App anzuzeigen. Dort waren im Test jedoch nur offene WLANs gelistet.

Die Akkulaufzeit unter Windows Phone 8 war stets sehr gut. Ein Analyse-Tool, mit dem, wie bei Android, der Akkuverbrauch nach App aufgeschlüsselt wird, fehlte aber bislang. Das wurde in Windows Phone 8.1 geändert, der Battery Saver liefert nun auch Informationen darüber und zeigt, wie viel Energie eine App im Hintergrund oder aktiv verbraucht hat und ermöglicht das Beschränken der Hintergrund-Daten. Sollte sich eine App plötzlich als Akkufresser erweisen, lässt sich das nun also auch überprüfen. Abgesehen von der neuen Funktion für den Battery Saver ließ sich im Test aber im Vergleich zu Windows Phone 8 keine Verbesserung der Akkulaufzeit feststellen.

Datenguthaben sparen

Während Battery Saver versucht, Akkuleistung zu sparen, soll Data Sense mobile Daten reduzieren und die Ladegeschwindigkeit von Webseiten beschleunigen. Opera-Nutzer dürften das Verfahren bereits kennen, unverschlüsselte Daten werden über einen Proxy-Server übertragen und komprimiert. Microsoft lässt die Wahl zwischen drei verschiedenen Komprimierungsstufen, auf Wunsch kann das Feature auch ganz abgeschaltet werden. Um Daten zu sparen, werden Bilder komprimiert, Werbung blockiert sowie, falls möglich, nur der sichtbare Bereich von Webseiten geladen.

Die Ladezeit wurde bei schneller Internetverbindung (WLAN oder LTE) nicht beeinflusst, bei niedrigen Download-Geschwindigkeiten machte sich jedoch durchaus eine Verbesserung spürbar. Zudem ist die Datenmenge deutlich geringer, wodurch in Flatrates oder beim Datenroaming im Ausland einiges gespart werden kann. Bei Bildern wurde die übertragene Datenmenge in der höchsten Komprimierungsstufe um nahezu die Hälfte reduziert.

Data Sense ist bereits in Microsofts neuem Internet Explorer 11 integriert, der ebenfalls kräftig aufgebohrt wurde. Microsoft spricht von bis zu 20 Prozent besserer JavaScript-Performance, im Test war jedoch keine große Verbesserung zu erkennen. Beim Scrollen auf großen Webseiten mit langer Startseite oder Endless-Scrolling kam es des öfteren zu Rucklern und Hängern. Definitiv verbessert hat sich jedoch das Zoomen, bei dem Text nun deutlich schneller an die neue Zoomstufe angepasst wird. Das unsinnige Tab-Limit von maximal sechs offenen Tabs wurde zudem aufgehoben, im Test konnten das Limit selbst nach zwei Dutzend offenen Tabs noch nicht erreicht werden. Wer sein Surfverhalten nicht protokollieren möchte, kann dank InPrivate-Browsing nun Inkognito-Tabs öffnen. Tabs können außerdem per Microsoft-Konto mit dem Internet Explorer 11 auf dem Desktop synchronisiert werden.

Sehr angenehm ist der neue Lese-Modus, der auf dafür angepassten Webseiten Artikel wie in Flipboard ohne Werbung und Formatierungen anzeigt. Die Tab-Übersicht kann nun direkt über eine Taste neben der URL-Leiste aktiviert werden, die “Neu laden”-Taste ist nun in der URL-Leiste zu finden. Vor und Zurück funktioniert per Wischgeste von Links oder Rechts. YouTube-Videos können nun endlich auch im Browser selbst wiedergegeben werden. Zuvor zwang der Internet Explorer dem Benutzer den Vollbildmodus auf. Webseiten, die als Live-Tile auf den Homescreen gelegt wurden, sind außerdem keine statischen Bilder mehr. Zuvor wurde lediglich ein Bild der Webseite angezeigt, nun holt es sich zudem aktuelle Schlagzeilen vom RSS-Feed der Webseite.

Der Task-Manager ist weiterhin über langes halten der Zurück-Taste zu erreichen, Apps können nun auch durch nach unten wischen beendet werden. Microsoft hat zudem eine kleine Veränderung am Speichermanagement vorgenommen, die vor allem für günstige Windows Phones eine große Wirkung haben dürfte. Apps können nun auch auf der microSD-Karte abgespeichert und bei Platzmangel hin und her verschoben werden.

Der Peoples Hub, in dem die komplette Kommunikation von Microsoft-, Twitter- und Facebook-Konten zusammenlief, funktioniert nun etwas anders. Zuvor musste sich der Benutzer extra dafür auf dem Windows Phone einloggen, jetzt wird das Log-In über die jeweilige App des Dienstes abgewickelt. Das bedeutet, wer bereits in der Facebook-App auf seinem Windows Phone eingeloggt ist, kann dem Peoples Hub darüber Zugriff auf sein Konto geben. Dasselbe gilt für Twitter und Skype. Das funktioniert recht gut, allerdings hat Microsoft damit auch den Zugriff auf Messenger-Dienste beschränkt. Bislang war es möglich, Facebook- und Skype-Nachrichten (zuvor auch Windows Messenger) über die Messaging-App zu verschicken, das ist nun Geschichte. Die Messaging-App kann nur mehr SMS und MMS verwalten.

Nicht nur die Nutzer dürfen sich über Veränderung freuen, auch die Hersteller genießen nun mehr Freiheiten. Bislang hatte Microsoft recht strenge Anforderungen, vor allem wenn es um Hardware-Tasten ging. Es musste eine dezidierte Kamera-Taste geben und die drei Tasten (Zurück, Home, Suchen) mussten als physische Soft-Keys vorhanden sein. Diese Voraussetzungen sind nun mit Windows Phone 8.1 gefallen, wie bei Android können die Tasten nun auch emuliert werden, eine dezidierte Kamera-Taste ist nicht mehr notwendig.

Dinge, die weiterhin fehlen

Derzeit kann nur ein PIN-Code zum Sichern des Geräts definiert werden. Zumindest eine Alternative mit Entsperr-Muster oder ähnlichem wäre wünschenswert. Das Feature von Windows 8.1, bei dem eigene Bilder mit versteckten Gesten zum Entsperren versehen werden können, würde sich anbieten.

Datei-Management ist weiterhin recht mühsam. Storage Sense gibt zwar einen netten Überblick darüber, was wie viel Speicher benötigt, einzelne Dateien können aber nicht verschoben oder gelöscht werden. Dazu muss man in die jeweils verknüpfte App wechseln, sei es die Foto-Galerie oder der Musik-Player. Um Dateien mit einer App verwalten zu können, muss man auf kostenpflichtige Alternativen, wie zum Beispiel den Pocket File Manager, ausweichen. Eine kostenlose Alternative mit simplen Funktionen stellt der Aerize Explorer dar, der bereits auf Windows Phone 8.1 optimiert wurde.

Windows Phone war immer schon ein sehr solides mobiles Betriebssystem, doch erst jetzt kann man es als wirkliche Konkurrenz zu iOS und Android betrachten. Nicht etwa, weil Microsoft bahnbrechende neue Funktionen implementiert hat, sondern weil die Version 8.1 endlich jene Funktionen bietet, die Android- und iOS-Nutzer bereits seit Jahren kennen. Das ist kein Garant für den Durchbruch, eine gute Basis für die Zukunft stellt es dennoch dar. Auch der Mangel an “großen” und qualitativ hochwertigen Apps könnte mit den “Universal Windows Apps” und Windows Phone 8.1 ein Ende finden.

Cortana dürfte die Bekanntheit von Windows Phone definitiv beflügeln, letztendlich muss Microsoft aber die Richtung für seinen Sprachassistenten vorgeben und zeigen, ob es nur eines von vielen Gadgets ist. Windows Phone 8.1 fühlt sich nicht wie ein vollständig neues Betriebssystem an, aber es ist definitiv der größte Sprung seit dem Übergang von Windows Phone 7.5 auf Windows Phone 8. Bei all den neuen Funktionen ist es jedoch bedauerlich, dass Microsoft die Messenger-Funktionen für Facebook und Skype entfernt hat. Während Apple und Google auf ein zentrales Nachrichten-Hub drängen, geht Microsoft eigenartigerweise den anderen Weg. Davon abgesehen hat Microsoft mit Windows Phone 8.1 ein nahezu makelloses Update abgeliefert, auf das man als Windows Phone-Nutzer nicht verzichten sollte.

tl;dr: Microsoft holt kräftig auf, ist mit Windows Phone 8.1 aber immer noch nicht dort, wo Android und iOS bereits stehen

Wer will Windows Phone 8.1?

Offiziell soll Windows Phone 8.1 in den “kommenden Wochen und Monaten” für alle Geräte ausgeliefert werden, die bereits auf Windows Phone 8 laufen. Wer allerdings nicht warten möchte, kann mit Hilfe des Windows Phone App Studio bereits jetzt Zugang zur Entwickler-Version von Windows Phone 8.1 erhalten. Dazu muss man sich lediglich mit dem Microsoft-Konto in das App Studio einloggen, mit der man sein Windows Phone verwendet. Hier muss auch auf die Ländereinstellung geachtet werden. Möchte man Cortana nutzen, muss das Konto auf ein englischsprachiges Land registriert sein. Auch die Systemsprache muss Englisch sein.

Ist man einmal als Entwickler registriert, muss lediglich die App “Preview for Developers” aus dem Windows Phone Store heruntergeladen werden. Einmal gestartet und schon sind alle Entwickler-Updates für das Windows Phone freigeschaltet. Sollte das Update nicht automatisch starten, muss man lediglich einen Blick in die Einstellungen unter “phone update” werfen. Die Entwickler-Version entspricht zum Großteil jener Version, die in den nächsten Wochen und Monaten auch von den Herstellern ausgeliefert wird. Man sollte jedoch nicht vergessen, dass ein Update nicht rückgängig gemacht werden kann. Ist Windows Phone 8.1 einmal installiert, gibt es kein Zurück zu Windows Phone 8 mehr.

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Michael Leitner

derfleck

Liebt Technik, die Möglichkeiten für mehr bietet - von Android bis zur Z-Achse des 3D-Druckers. Begeistert sich aber auch für Windows Phone, iOS, BlackBerry und Co. Immer auf der Suche nach "the next big thing". Lieblingsthemen: 3D-Druck, Programmieren, Smartphones, Tablets, Open Hardware, Videospiele

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