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Smartphone-Test Yotaphone 2: E-Ink-Display als rückseitiger Hingucker.

Yotaphone 2
Yotaphone 2 - Foto: Gregor Gruber
Das Yotaphone 2 hat an der Rückseite ein 4,7-Zoll-E-Ink-Display. Im Test hat sich gezeigt, dass das Konzept mehr als bloß ein Gag, aber noch verbesserungswürdig ist.

Wofür braucht man ein Smartphone mit zwei Displays? Um Akku zu sparen, wenn es nach Yota Devices geht. Das Unternehmen entspringt dem russischen Internetanbieter Yota, sieht sich laut Jens-Uwe Theumer, Geschäftsführer von Yota Devices EMEA, aber seit der Ausgliederung als internationaler Konzern: „Die Hardware-Entwicklung findet in Finnland statt, die Software wird in Russland und den USA gemacht und das Marketing in Deutschland.“ Wahrscheinlich schadet es derzeit auch nicht gerade, den internationalen Aspekt zu betonen, da das seit kurzem erhältliche Yotaphone 2 bereits von einigen Medien, wenig schmeichelhaft, als „Russenphone“ bezeichnet wird und Russland seit der Ukraine-Krise international ohnehin kein gutes Standing genießt.

Die futurezone hat das Yotaphone 2 getestet, das vorne ein 5-Zoll-AMOLED- und hinten ein 4,7 Zoll großes, E-Ink-Display hat.

Unauffällige Front

Ein Russen-Klischee erfüllt das Yotaphone 2 schon mal nicht: Es protzt nicht. Das Design ist zurückhaltend und unauffällig. Die simple Front mit den starken Rundungen oben und unten erinnert an das Nexus S. Durch die starken Rundungen, den Verzicht auf Front-Logos, den dezenten Lautsprecher oben und der blanken Unterseite (keine kapazitiven Tasten, kein Home-Button), wirkt das Display-Rahmen-Verhältnis etwas unausgeglichen. Tatsächlich ist das Yotaphone 2 auch um 2,9 mm höher als Samsungs Galaxy S5, das ein 5,1-Zoll-Display hat.

Das optische und technische Highlight des Yotaphone 2 ist die Rückseite. Hier befindet sich ein zu den Rändern leicht gebogenes E-Ink-Display mit 4,7 Zoll, umgeben von einem dunkelgrauen Rand. Darüber liegt ein gewölbtes mattes Gorillaglas. Laut Theumer wurde dies eigens für das Yotaphone 2 entwickelt.

Da das E-Ink-Display immer etwas anzeigt, kann man sich im Grunde die Rückseite selbst gestalten. Im YotaHub können Hintergrundbilder eingestellt werden, auf Wunsch auch mehrere die alternieren oder per Fingertipper gewechselt werden. Da das E-Ink-Display nur Graustufen darstellt und keine Beleuchtung hat, sollten bevorzugt kontraststarke, helle Bilder gewählt werden. Wenn das Motiv passt, sieht die Darstellung sehr beeindruckend aus - die Rückseite des Yotaphone 2 wird dadurch zum echten Hingucker.

Handhabung

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Foto: Gregor Gruber
Nutzt man das normale Display, liegt das Yotaphone 2 aufgrund der abgerundeten und gewölbten Rückseite gut in der Hand. Außerdem hat das Gorillaglas des E-Ink-Displays eine feine Textur, die sich fast samtig anfühlt. Das ergibt zwar ein angenehmes Haltegefühl, allerdings ist die Rückseite weniger rutschhemmend als die von anderen Smartphones, die auf Plastik mit Struktur setzen.

Die Standby- und Lautstärke-Tasten sind an der rechten Seite. Ungewöhnlich ist, dass die Standby-Taste unter den Lautstärke-Tasten ist. Beide Tasten sind sehr flach ausgefallen. Die Standby-Taste ist zwar noch gut zu drücken, aber schwer zu erfühlen. Die Lautstärke-Tasten sind schwer zu erfühlen und etwas zu schwer zu drücken. Das hängt wohl mit dem ungewöhnlichen Mechanismus zusammen: Die Lautstärke-Tasten sind gleichzeitig die Abdeckung für den Nano-SIM-Slot, die mit einem SIM-Karten-Tool geöffnet wird.

Benutzt man das E-Ink-Display, ist die Handhabung nicht ganz so bequem, da die Kanten der Vorderseite schärfer als die der Rückseite sind. Das ist nicht allzu schlimm, da man das Yotaphone 2 bei der Nutzung des E-Ink-Displays weniger fest halten muss. Das normale Display-Glas ist nämlich in der Hand rutschhemmender als das Glas des E-Ink-Displays.

Unbeabsichtigte Eingaben auf dem falschen Display sind kaum möglich. Dreht man das Smartphone um und entsperrt das E-Ink-Display, wird automatisch das Frontdisplay abgeschaltet. Dreht man das Handy wieder auf die AMOLED-Seite, erkennt dies der Lagesensor und das Drücken der Standby-Taste entsperrt das Front-Display. Hat man Eine Pin- oder Mustersperre eingestellt, gilt diese natürlich für beide Displays.

Die Displays

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Foto: Gregor Gruber
Das Frontdisplay misst fünf Zoll und hat die FullHD-Auflösung. Es ist zwar ein AMOLED-Display, kann aber nicht mit der Qualität von Samsungs aktuellen Super-AMOLED-Displays mithalten. Es ist dünkler und Weiß hat einen Gelbstich. Die Farben sind sehr kräftig und deshalb auch etwas übersättigt. Bei Games und dem Surfen im Web sieht das durchaus gut aus und wirkt nicht störend.

Das 4,7-Zoll-E-Ink-Display hat 16 Graustufen und eine Auflösung von 960 x 540 Pixel. Das ist auch seine größte Schwäche. Bei Bildern sieht man Pixel und Treppchen-Bildung. Bei kleineren Schriften, etwa auf einer Website, sind die Buchstaben leicht ausgefranst. Das sieht vielleicht nicht ganz so schön aus, wie man es von einem hochauflösenden Farbdisplay gewohnt ist, schränkt aber die Lesbarkeit nicht ein. Im Gegenteil: Im prallen Sonnenlicht ist das E-Ink-Display besser ablesbar als jedes LC- und AMOLED-Display.

Das Lesen längerer Texte ist am E-Ink-Display angenehmer als am normalen Display. Und wenn man die Schriftgröße erhöht, wie es Yota etwa bei der für das E-Ink-Display angepassten E-Mail-App automatisch macht, fallen auch die ausgefransten Buchstaben kaum noch störend auf.

Monochromer Alleskönner

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Foto: Gregor Gruber
Wer bei E-Ink-Displays an die Limitationen der frühen E-Reader denkt, wird vom Yotaphone 2 positiv überrascht werden. Das E-Ink-Display kann alles, was der AMOLED-Bildschirm kann – nur eben in monochrom und etwas langsamer. Yota gibt die Refresh-Rate mit 0,12 Sekunden an, bei AMOLED-Displays ist diese üblicherweise unter einer Millisekunde.

Das E-Ink-Display ist ein kapazitiver Touchscreen, wird also so bedient, so wie man es von einem normalen Smartphone-Bildschirm gewohnt ist. Auch Multitouch-Gesten sind möglich. Die Verzögerung in der Refresh-Rate kann man am ehesten als Ruckeln beim Scrollen, bzw. etwas längere Verzögerung beim Öffnen einer App oder eines Menüs empfinden. Im Vergleich zu älteren E-Readern ist das Display aber deutlich schneller, was auch für die Touch-Bedienung gilt.

Spiegeln

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Foto: Gregor Gruber
Neben den angepassten Apps und Widgets kann auch einfach der komplette Inhalt des Front-Displays auf das E-Ink-Displays gespiegelt werden. Auch wenn es nicht allzu viel Sinn macht, kann man sogar Videos am E-Ink-Display ansehen – überraschenderweise stört hier das Ruckeln weniger, als man glauben möchte. Das Tippen von Mails und SMS ist ebenfalls möglich. Die virtuellen Tastenanschläge werden korrekt erkannt, auch wenn man schnell tippt. Nur das Display hinkt aufgrund der Refresh-Rate etwas hinterher.

Strategie- und Puzzle-Games, sowie Klassiker wie Schach oder Dame, sind problemlos am E-Ink-Display spielbar. Selbst Angry Birds kann relativ gut gespielt werden, man muss nur eine viertel bis halbe Sekunde voraus denken, damit man rechtzeitig den Bombenvogel zündet oder den blauen Vogel aufsplittet. Durch das Spiegeln kann die Hauptkamera für Selfies verwendet werden. Auch hierbei empfindet man die Refresh-Rate nicht als störend.

Welche Apps gut nutzbar sind und welche nicht, hängt von zwei Faktoren ab: Licht und Kontrast. Bei Games mit dunklen Farben ist das Display schwerer abzulesen, so etwa bei Ingress. Google Maps, dass einen hellen statt dunklen Hintergrund verwendet, funktioniert hingegen gut. Da das E-Ink-Display möglichst energiesparend sein soll, hat es keine Hintergrundbeleuchtung. Im Dunkeln oder bei wenig Licht wird das normale Display verwendet.

Always on

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Foto: Gregor Gruber
Abgesehen von der besseren Lesbarkeit bei strahlender Sonne und der Möglichkeit die Rückseite des Smartphones per Fingerdruck neu zu gestalten, ist das Hauptargument für das E-Ink-Display der geringe Akkuverbrauch.

Ein E-Ink-Display verbraucht nur dann Energie, wenn es aktualisiert wird und selbst dann ist der Energieaufwand dafür gering. Daher eignet sich E-Ink sehr gut als Always-On-Display. In der App Yotahub werden die Always-On-Funktionen konfiguriert. Yotacover zeigt die Hintergrundbilder und auf Wunsch auch Benachrichtigungen als Vorschau oder Icons. Tippt man auf die Icons für Anrufe, SMS, Mail oder andere Benachrichtigungen (eine Glockensymbol), wird die für das E-Ink-Display angepasste App geöffnet.

Die Idee dabei ist, dass man das Yotaphone 2 mit der Rückseite nach oben auf dem Tisch liegen lässt und so jederzeit sieht, ob Anrufe, Nachrichten oder Mails eingetroffen sind – ohne, dass man ständig das AMOLED-Display dafür einschalten muss. Das spart Energie und schont die Nerven einiger User, die in ständiger Angst leben etwas zu verpassen und deshalb im Minutentakt überprüfen, ob sie eine neue Nachricht oder Mail erhalten haben.

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Foto: Gregor Gruber
Yota hat so viel Vertrauen in die Always-On-Funktionen, dass auf eine LED-Benachrichtigungsleuchte an der Front verzichtet wird. Benachrichtigungen, wie etwa Facebook-Nachrichten oder neue Google-Now-Panele, werden im Yotacover als Vorschau angezeigt und dem Glocken-Icon zugeordnet. Leider werden für neue Hangouts-Nachrichten keinerlei Benachrichtigungen am E-Ink-Display angezeigt.

Ist die Benachrichtigung von einer App gekommen, die nicht für das Yotaphone 2 optimiert ist, wird man aufgefordert die Nachricht am AMOLED-Display zu lesen, wenn man die Notification antippt. Alternativ kann man auch einfach das Front-Display spiegeln und so die App nutzen, ohne das Smartphone wenden zu müssen.

YotaPanel

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Foto: Gregor Gruber
Durch das Berühren des Icons unter den vier Benachrichtigungs-Symbolen wird zum YotaPanel gewechselt. Lässt man das Icon gedrückt, kann man den normalen Homescreen spiegeln – dasselbe gilt für die Home-Taste, wenn man das AMOLED-Display verwendet.

Sind mehrere Yotapanels eingerichtet, werden sie mit Wischbewegungen gewechselt. Bis zu vier Panels können angelegt werden. Die Panels sind Raster die mit speziellen Widgets belegt werden. Dazu gehören etwa Uhren, Wetter, Akkulaufzeit, Benachrichtigungs-Icons, Shortcuts zu Apps und Kontakten, ein E-Book-Reader und Twitter.

Verkehrt telefonieren

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Foto: Gregor Gruber
Wird ein App-Shortcut angetippt, wird die App gleich am E-Ink-Display gestartet, ohne dass das Smartphone umgedreht oder das Front-Display manuell gespiegelt werden muss.

Dasselbe gilt für Shortcuts zu Kontakten. Tippt man darauf, wird der Anruf gestartet. Auch hierfür muss das Yotaphone 2 nicht auf die Seite des AMOLED-Displays gedreht werden. Auch wenn es seltsam aussieht, kann man so problemlos telefonieren. Der Gesprächspartner ist gut zu hören und Außenstehende können nicht mehr mitlauschen als sonst auch. Dafür erntet man vielleicht ein paar verdutzte Blicke, wenn man das Smartphone verkehrt ans Ohr hält.

Leistung

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Foto: Gregor Gruber
Die Komponenten des Yotaphone 2 sind auf dem Stand eines Spitzenmodells von Anfang 2014. Angesichts des UVP von 699 Euro wäre ein Snapdragon 805 statt dem verbauten 801 und 3 statt 2 GB RAM angebracht gewesen. Schnell genug ist das Yotaphone 2 trotzdem und da Android 4.4 nahezu unverändert am Yotaphone 2 ist, gibt es auch keine gröberen Verzögerungen oder Ruckler durch die Software. Das Umschalten zwischen Front- und E-Ink-Display geht ebenfalls flott. Das Update auf Android 5.0 soll laut Yotaphone Anfang des zweiten Quartals erfolgen.

Die Benchmarks liefern folgende Ergebnisse:
AnTuTu: 38171
Geekbench 3 Multi-Core: 2482
Quadrant Standard Edition: 18465
3D Mark Ice Storm Extreme: 14848
Vellamo Metal: 1555
Vellamo Multicore: 1402

Der Akku hat 2.500 mAh. Das E-Ink-Display verlängert tatsächlich die Akku-Laufzeit, wenn man es statt dem normalen Display nutzt. Bei normaler Nutzung sind knapp drei Tage möglich. Benachrichtigungen, Mails, Google Now und einige Spiele wurden am E-Ink-Display genutzt, ebenso wie Hangouts und SMS. Für Instagram und zum Fotografieren wurde das AMOLED-Display verwendet. Wird das Yotaphone 2 wie ein normales Smartphone genutzt, also ohne E-Ink-Display, hält der Akku einen Tag.

Ist der Akku leer, wird der letzte aufgenommene Screenshot am E-Ink-Display angezeigt. So kann man etwa den QR-Code für das Check-In am Flughafen immer noch nutzen, auch wenn der Akku des Yotaphone 2 komplett leer ist.

Kamera

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Foto: Gregor Gruber
Die Hauptkamera hat acht Megapixel. Trotz der Standard-Android-App sind die Bilder durchaus in Ordnung. Zwar ist in der 100-Prozent-Ansicht auch bei gutem Licht ein leichtes Bildrauschen zu sehen, dafür gibt es aber keine allzu großen Komprimierungs-Artefakte.

Die Detailzeichnung ist in Ordnung, die Farben neigen eher dazu blass auszufallen. Bei Nachtaufnahmen gibt es Bildrauschen und Farbverfälschungen, für Schnappschüsse ist die Qualität ausreichend.

Fazit

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Foto: Gregor Gruber
Das E-Ink-Display macht das Yotaphone 2 zu einem echten Hingucker. Zudem macht es Spaß damit zu experimentieren, das Lesen von Nachrichten ist angenehm und es kann tatsächlich helfen die Akkulaufzeit zu verlängern. Bei starkem Tageslicht ist das E-Ink-Display auch das am besten lesbare Display aller derzeit verfügbaren Smartphones.

Dem Gegenüber steht der hohe Preis von 699 Euro, Komponenten die nicht eines aktuellen Spitzenmodells würdig sind und die etwas zu niedrige Auflösung des E-Ink-Displays. Damit ist das Yotaphone 2 vorerst ein Liebhaber-Stück, mit dem man auf jeden Fall aus der Masse der Android-User hervorsticht.

Erwägt man einen Kauf, sollte man erst auf den Mobile World Congress abwarten, der Anfang März stattfindet. Hier wird möglicherweise ein Nachfolger oder verbessertes Modell des Yotaphone 2 angekündigt. Welche Geräte Yota Devices als nächstes vorstellt, ist noch offen. Laut Theumer wolle man erst das Yotaphone 2 etablieren, es gäbe aber nichts, worüber man nicht nachdenke. Ob das jetzt ein Modell mit Farb-E-Ink-Display ist oder ein Yotatablet ist, ließ der Geschäftsführer von Yota Devices EMEA offen.

Technische Daten

Modell:
Yota Devices Yotaphone 2
Betriebssystem:
Android 4.4
Maße und Gewicht:
144,9 mm x 69,4 mm x 8,95 mm, 145 Gramm
Chipsatz, CPU:
Qualcomm Snapdragon 801, 2,2 GHz Quad-Core
RAM:
2 GB
Bildschirme:
5 Zoll AMOLED, 1.920 x 1.080 Pixel (442 ppi)
4,7 Zoll E-Ink, 960 x 540 Pixel (235 ppi)
Speicher:
32 GB
Kamera:
8 Megapixel Haupt, 2 Megapixel Front
Akku:
2.500 mAh
Sonstiges:
802.11 a/b/g/n/ac, Bluetooth 4.0, Micro-USB 2.0, A-GPS, NFC, Wireless Charging
Preis:
699 Euro (UVP)

Technische Daten auf der Website des Herstellers

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(futurezone) Erstellt am 04.02.2015, 06:00

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