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Fahrerlos Auto der Zukunft entscheidet über Leben und Tod.

Neben Google liefern sich sämtliche etablierte Hersteller, aber auch Herausforderer wie Tesla ein Rennen um das Fahrzeug der Zukunft.
Neben Google liefern sich sämtliche etablierte Hersteller, aber auch Herausforderer wie Tesla ein Rennen um das Fahrzeug der Zukunft. - Foto: AP/Eric Risberg
Am selbstfahrenden Auto führt kein Weg vorbei. Immer öfter rücken allerdings ethische Fragen in den Mittelpunkt. Wie entscheidet das Auto, wenn ein Unfall unvermeidbar ist?

Der Stein, der Google mit seinem fahrerlosen Auto-Prototypen ins Rollen brachte, hat längst die etablierten Hersteller mitgerissen. Vor wenigen Tagen reihte sich nun auch der bislang zurückhaltende amerikanische Autobauer Ford ein und kündigte eine eigene Forschungsabteilung an. Bis 2020 sollen alle  Ford-Modelle mit Fahr-Assistenzprogrammen  sowie Fußgänger-Erkennung ausgerüstet werden.

Schwierige ethische Fragen

Beim deutschen Konkurrenten Audi ist man schon einen Schritt weiter und macht sich bereits Gedanken über übermorgen. „In zehn bis fünfzehn Jahren werden Autos extrem schwierige Entscheidungen treffen müssen. Fährt das Auto in einer unvermeidlichen Unfallsituation in ein Kind, das auf die Straße rennt oder kracht es in ein anderes Auto?“, sinnierte Audi-Manager Andreas Reich kürzlich beim Huawei Innovation Day in München. Der chinesische Technologieanbieter stattet unter anderem Audi-Fahrzeuge mit entsprechenden Netzwerkkomponenten und Cloud-Lösungen aus.

Abgesehen von der ethisch problematischen Frage, ob das Leben eines Kindes mehr wert ist als die Gefährdung mehrerer anderer Personen oder gar des Fahrers selbst, müssen noch viele technische Hürden geklärt werden. Sensoren und Bildverarbeitungssysteme müssen verbessert werden, damit Objekte wie Personen oder andere Fahrzeuge sicher erkannt werden.  Um in Bruchteilen einer Sekunde eine Entscheidung zu fällen, muss die Auswertung der gesammelten Daten in Echtzeit erfolgen. Dafür sind  Computerchips mit enormer Rechenleistung notwendig, die im Auto verbaut werden.

Goehring of the AutoNOMOS research team of the Art
Computerwissenschaftler Daniel Göhring - Foto: REUTERS/FABRIZIO BENSCH
„Falls die technischen Hürden gelöst werden, müssen für solche Situationen rechtliche Grundlagen geschaffen werden. Dass eine Software eigenhändig ein Ausweichmanöver startet, das noch dazu ebenfalls zu einem Unfall führen würde, halte ich allerdings für riskant“, sagt Daniel Göhring, der an der Freien Universität Berlin zum Thema forscht, im Gespräch mit der futurezone.

Künstliche Intelligenz

Die  Forschung gehe derzeit eher in Richtung Assistenzsysteme für Notbremsungen. Doch auch bei diesen Systemen spielt Computerintelligenz eine Rolle. „Wenn sich unmittelbar hinter dem Auto ein weiteres Fahrzeug  befindet, muss der Bremsvorgang möglicherweise anders gestaltet sein, als wenn die Straße leer ist. Auch ist es ein Unterschied, ob ein Vogel in die Scheibe zu fliegen droht oder ein Unfall mit einem anderen Verkehrsteilnehmer vermieden werden soll“, meint Göhring.

Auf dem Weg zur fahrerlosen Zukunft werden zunächst aber ohnehin weniger brisante Themen abgearbeitet. Branchenexperten rechnen, dass Autos bereits in ein bis zwei Jahren selbstständig im Stau agieren werden. Auch das Fahren mit Geschwindigkeiten bis 130 km/h auf geraden Autobahnstrecken könnte in fünf Jahren marktreif sein.

Intelligente Parkplatzsuche

Dass Autos das Aus- und Einparken problemlos schaffen, haben sie längst bewiesen. In Zukunft könnten sie beim Parkplatzsuchen aber auch anderen Autos mittels Datenübertragung mitteilen, wo weitere freie Plätze zu finden sind. "Für flüssigere Verkehrsströme werden Autos künftig Grünphasen von Ampeln berücksichtigen und entsprechend ihre Geschwindigkeit anpassen. Nachfolgende Fahrzeuge werden automatisch gewarnt werden, wenn Wetterkapriolen, wie ein Platzregen oder Eis, auf der Fahrbahn auftreten", ist Audi-Manager Reich überzeugt.

Dass Autos im Stadtverkehr bald völlig lenkerlos unterwegs sein können, wie es Google mit seinem Lenkrad-losen Fahrzeug-Prototypen suggeriert, bezweifelt Computerwissenschaftler Göhring jedoch:  „Die Stadt-Umgebung  mit den vielen dynamischen Verkehrsteilnehmern ist für bestehende Systeme einfach noch zu komplex. Die Datenmengen, die allein für die genaue Erfassung der Umgebung anfallen, sind kaum bewältigbar.“

(futurezone) Erstellt am 26.06.2015, 06:00

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