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ITS Weltkongress Auto sucht sich seinen Parkplatz selbst.

Foto: Valeo
Der französische Autozulieferer Valeo sieht das Ende der lästigen Parkplatzsuche kommen und stellt am ITS Weltkongress eine vollautomatische Lösung vor. Bei Valet Park4U befiehlt man dem Auto per App, sich selbst einen Parkplatz zu suchen. Später kann man sich am Ausstiegsort wieder abholen lassen.

Das französische Zulieferunternehmen Valeo forscht seit Jahren daran, wie man Autofahrer von der Bürde des Einparkens befreit. Der bisher weiteste Fortschritt wird derzeit auf dem ITS Weltkongress in Wien präsentiert. Die Lösung nennt sich Valet Park4U und verspricht den denkbar einfachsten Parkvorgang: Der Fahrer steigt aus dem Auto aus und dieses sucht sich selbst einen Parkplatz.

Demonstriert wird Valet Park4U am Dach eines Parkhauses neben dem Messezentrum. In einem umgrenzten Bereich stehen zwei Fahrzeuge als Schrägparker, dazwischen ist eine Lücke frei. Ein weißer SUV dient als Testfahrzeug. Nachdem dessen Fahrer ausgestiegen ist, zückt er sein iPhone, öffnet eine App und gibt dem Auto per Fingerberührung den Befehl, sich selbst einzuparken.

Nach einer halben Runde um den Parkplatz schwenkt das Auto direkt in die Parklücke ein und stellt den Motor ab. Der Fahrer braucht sich um nichts mehr kümmern und kann seine Besorgungen erledigen. Nach vollbrachter Tat reicht ein weiterer App-Befehl und das Auto setzt sich wieder in Gang. Nach dem Ausparken fährt es an die Stelle zurück, an welcher der Fahrer zu Beginn ausgestiegen ist.

 

Jüngste Entwicklung jahrelanger Forschung

Einige Beobachter dieser Demonstration am Parkhausdach sehen bereits eine glückliche Zukunft vor sich, in der stundenlanges Parkplatzsuchen der Vergangenheit angehört. Die Valeo-Vertreter betonen aber, dass es sich momentan noch um einen frühen Prototypen handelt. Valet Park4U ist die Weiterentwicklung eines Einparksystems, an dem seit den 80er-Jahren getüftelt wird.

1991 brachte Valeo erstmals ein Parkdistanzsystem auf den Markt, bei dem Ultraschallsensoren den Abstand zu anderen Fahrzeugen messen - ein Verfahren, das heute in vielen Fahrzeugen zum Einsatz kommt. 2007 wurde der erste halbautomatische Einparkassistent - Park4U - eingeführt. Dabei übernimmt das Auto die Lenkung, während der Fahrer die Kontrolle über Kupplung, Gas und Bremse behält.

Im Vorjahre stellte Valeo Park4U Remote vor. Dabei kann der Fahrer aus dem Auto aussteigen, bevor sich dieses selbstständig in die Lücke manövriert. Valet Park4U stellt nun die bisher letzte Entwicklungsstufe dar. Der Fahrer befindet sich dabei potenziell weit entfernt von der Parklücke.

Lästige Parkplatzsuche
Für den Hersteller ist das System ein Fixbestandteil der Mobilität von morgen. So gut wie alle Autofahrer empfinden die Parkplatzsuche als lästig. Teilweise kommt man weit entfernt vom eigentlichen Zielort zu stehen. Man verschwendet jede Menge Zeit. Zusätzlich entfällt die Sorge vor zwielichtigen Tiefgaragen und Parkhäusern.

Stattdessen könnte man sich freilich Sorgen um fahrerlose Straßenrowdies machen. Sicherheit steht bei Valet Park4U aber klarerweise an erster Stelle. Zu den bewährten Ultraschallsensoren kommt beim neuen Prototyp ein Laserscanner an der Fahrzeugvorderseite. Künftige Versionen sollen auch mit Bilderkennung arbeiten. Mit allen Sensoren wird der Fahrbereich genau überwacht. Hindernisse werden umfahren, im Notfall wird das Auto angehalten.

Das automatische Parksystem ist tief in den Eingeweiden des Fahrzeugs integriert. Antrieb, Lenkung und Bremsen werden von Valet Park4U gesteuert. Die Nachrüstung eines Fahrzeuges kommt deshalb nicht in Frage. Die Verbindung mit den System-Servern und der Smartphone-App funktioniert momentan noch per WLAN. Ein engültiges Produkt würde aber per Mobilfunk ausgestattet sein, voraussichtlich über das LTE-Netz.

Markteinführung noch nicht absehbar
Die Frage, wo Valet Park4U überhaupt eingesetzt werden darf, muss noch rechtlich geklärt werden. Zu Beginn werden wohl nur eigens reservierte Zonen zum Einsatz kommen. Erweitert werden soll das Ganze auf Parkhäuser und Tiefgaragen. Im letzten Schritt soll das System auch im normalen Straßenverkehr verwendet werden können.

Laut Studien, die Valeo in mehreren Ländern (u.a. Deutschland, USA, China) durchführen ließ, sehen immer mehr Leute einen hohen Nutzen hinter Parkassistenzsystemen. Auch bei der Akzeptanz und Nachfrage von automatisierten Lösungen sei ein deutlicher Anstieg zu verzeichnen. Valet Park4U könnte demnach zu einer verbreiteten Methode werden. Wie lange es zu einer potentiellen Markteinführung dauert, lässt sich im derzeitigen Entwicklungsstadium aber noch nicht sagen.

Selbst ansehen
Wer das automatische Einparksystem in der Praxis sehen will, hat am Donnerstag, den 25. Oktober, noch Gelegenheit dazu. Am Publikumstag des ITS Weltkongresses gilt freier Eintritt für alle.

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Die futurezone ist offizieller Medienpartner des 19. ITS Weltkongresses.

(futurezone) Erstellt am 25.10.2012, 11:10
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