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Technologiegespräche Alpbach Computer in der Schule: Tabletklassen reichen nicht.

Bei den Technologiegesprächen in Alpbach wurde über den Einsatz neuer Technologien in Schulen diskutiert.
Bei den Technologiegesprächen in Alpbach wurde über den Einsatz neuer Technologien in Schulen diskutiert. - Foto: Stephan BoroviczenyKURIER
Der Einsatz von neuen Technologien in der Schule sei zuwenig, Kindern müsse auch Medienkompetenz vermittelt werden, forderten Experten bei den Alpbacher Technologiegesprächen.

Die Nutzung digitaler Medien ist für die meisten Schüler selbstverständlich. Im Unterricht haben sie sich bislang aber kaum durchgesetzt. In Österreichs Schulen kommen Tablets und digitale Anwendungen allenfalls punktuell zum Einsatz. Bei den Technologiegesprächen in Alpbach wurde im Rahmen eines vom Bildungsministerium veranstalteten Arbeitskreises die Frage erörtert, ob der Einsatz neuer Technologien im Unterricht dabei helfen kann Ungleichheiten zwischen Schülern zu verringern.

Der Tenor der Experten: Das Potenzial dafür ist gegeben. Es braucht allerdings mehr als Tabletklassen und elektronische Lehrmaterialien. Die Aufmerksamkeit müsse auf das Medium selbst gerichtet werden, sagte Heidi Schelhowe, Informatikprofessorin an der Universität Bremen. Es gehe darum, zu begreifen, was die Technik mit uns mache. Dazu gehöre etwa auch das Wissen über die Funktionsweise digitaler Medien. "Es reicht nicht, die Technik einfach nur zu nutzen, die Schüler müssten auch etwas davon verstehen."

Spielend lernen

Der Spieleforscher Konstantin Mitgutsch untersuchte Einsatzmöglichkeiten von Computerspielen beim Lernen. Spiele würden ein enormes Lernpotenzial eröffnen, sagte Mitgutsch. Das reiche vom Simulieren von Problemstellungen über das Einnehmen von Rollen und Identitäten bis hin zur unmittelbaren Feedback-Option in vielen Games.

Es sei jedoch wichtig, die Erfahrungen in die Lebenswelt der Schüler zurückzuübersetzen und Bezüge zum Alltag herzustellen. "Was bringt es mir den Drachen zu töten, wenn mir niemand hilft, das auf meinen Alltag zu übertragen?"

Bei der Frage, ob Spiele auch Ungleichheiten beseitigen könnten, sei er skeptisch. "Spiele spiegeln auch die Gesellschaft wider", sagte Mitgutsch. Stereotype Frauenbilder und rassistische Darstellungen von Spielcharakteren seien keine Seltenheit.

Der Informatiklehrer Andreas Riepl, der mit der von ihm gegründeten Agentur GTN Solutions auch Apps für den Bildungsbereich und E-Learning-Konzepte entwickelt, skizzierte Möglichkeiten Schüler mit Hilfe elektronischer Lehrmedien individuell zu fördern. Gute Infrastruktur sei dafür ebenso notwendig wie die Arbeit mit geeigneten Tools, so Riepl.

Kreative Computernutzung

"Computer können Kinder zur Kreativität und zum Aktivwerden anregen", sagte der Volksschullehrer Harry Axmann. An der Ganztagesvolksschule in der  Dopschstraße in Wien Floridsdorf zeigt er seinen Schülern Animationsprogramme und  kindergerechte Programmiersprachen wie Scratch oder Logo und lässt sie dann einfach loslegen. Die Ergebnisse, darunter Animationen und Kurzfilme, zeugen von viel Spaß mit dem Gerät. Auch der Minicomputer Raspberry Pi oder die Makey-Makey-Platine kommen im Unterricht zum Einsatz.  "Die Kinder lernen durch das Tun", sagte Axmann: "Sie nehmen IT als Werkzeug für das Kreativwerden wahr."

Praxisnaher Einsatz

Auch am Gymnasium in Zell am See werden Computer seit mehr als zehn Jahren in den  Unterricht integriert. Die Schüler verwenden im fächerübergreifenden Projektunterricht etwa Google Maps, um die Schneebelastung des Schuldaches zu errechnen, oder erklären sich in Online-Videos gegenseitig Mathematik-Übungsaufgaben. Kinder hätten auf diese Art die Möglichkeit, alternativ zum Frontalunterricht, eigene Lernwege zu finden, erzählte die Lehrerin Gabriele Jauck. Durch die lebensnahe Verwendung von digitalen Medien sei es etwa gelungen, das Interesse der Mädchen an Mathematik und naturwissenschaftlichen Fächern zu erhöhen.

Solche Beispiele dürften an heimischen Schulen aber eher die Ausnahme sein. Viele Lehrer würden vor dem Einsatz neuer Technologien im Unterricht zurückschrecken, hieß es in den Diskussionen bei dem Arbeitskreis. Auch deshalb, weil ihnen die pädagogische Ausbildung dafür fehle.

Verpflichtende Medienbildung

Bei der Bedeutung, die Informationstechnologie für das 21. Jahrhundert habe, müsse dafür gesorgt werden, dass Medien- und Informatikbildung an Schulen verbindlich umgesetzt werde, forderte die Informatikerin Schelhowe. "Man kann das nicht dem Engagement einzelner Lehrer überlassen." Schelhowe sprach sich für ein verpflichtendes Fach "Medienbildung" in der Lehrerausbildung aus.

"Wir leben mittlerweile in einver völlig technologisierten Welt. Technik bestimmt unseren Alltag massiv", sagte Games-Experte Mitgutsch. "Es muss Aufgabe der Schule sein, die aktive Auseinandersetzung damit zu fördern."

(futurezone) Erstellt am 30.08.2015, 14:25

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