Zur mobilen Ansicht wechseln »

Robotik Erleichterung für Astronauten-Hände.

Foto: NASA, GM
Schwer bewegliche Handschuhe, Ermüdung, Blasen, abfallende Fingernägel - damit soll bald Schluss sein. Die NASA und General Motors haben einen Roboter-Handschuh entwickelt, der sowohl Auto-Monteuren als auch Astronauten bei langen Außenbord-Einsätzen helfen soll.

Kaum jemand weiß, worunter Astronauten bei Außenbord-Einsätzen eigentlich am meisten leiden. Nicht etwa Temperaturschwankungen, Atembeschwerden oder Klaustrophobie sind das größte Problem, sondern schmerzende Hände. Auf der Erde fühlen sich Astronauten-Handschuhe in etwa wie dickere Gartenhandschuhe an, schreibt National Geographic. "Wenn der Handschuh unter Druck gesetzt ist, wird die flexible Oberfläche steif, wie wenn man Luft in einen Fahrradreifen pumpt," meint Peter Homer vom Raumanzug-Hersteller Flagsuit LLC zur plötzlichen Veränderung der Umstände.

Diese harten Umstände führen einerseits dazu, dass die Arbeit mit Handschuhen extrem anstrengend wird - was mit intensivem Hand-Training ausgeglichen wird. Außenbord-Einsätze können allerdings lang dauern - 8 Stunden Montage-Arbeit sind keine Seltenheit. Daneben tauchen ständig Reibungspunkte auf, die zu Blasen, Abschürfungen und im schlimmsten Fall sogar abfallenden Fingernägeln führen. Um zu veranschaulichen, wie viele Astronauten von einem solch gravierenden Problem betroffen sind, hier eine Statistik: Von 232 NASA-Astronauten mit vollständiger Krankenakte, berichten 22 von zumindest einem Fall von "Fingernagel-Delamination".

Robo-Glove von NASA und GM.
Kraftvoll zupacken mit dem Robo-Glove. - Foto: NASA, GM

Robo-Glove statt Kraftaufwand

Die NASA und General Motors haben nun einen neuartigen Handschuh präsentiert, der den geschundenen Astronauten-Händen Erleichterung bringen soll. Der "K-Glove" oder "Robo-Glove" soll vor allem die Kraftanwendung beim Halten von Werkzeug und damit einhergehende Belastungen wie Ermüdung oder Druckstellen reduzieren.

General Motors hat ein Interesse an der Entwicklung, weil zukünftig auch ähnlich strapazierte Automonteure davon profitieren könnten. Robo-Glove soll die Kraftanstrengung beim Zupacken auf 25 bis 50 Prozent des ursprünglichen Aufwands verringern. Bisher durchgeführte Test haben laut NASA und General Motors gezeigt, dass Träger eines Robo-Glove einen Griff länger und komfortabler halten konnten.

WieckRussian cosmonaut Oleg Skripochka, Expedition 26 flight engineer, poses with Robonaut 2, the dexterous humanoid astronaut helper, in the Destiny laboratory of the International Space Station.
Robonaut 2 mit Kosmonaut Oleg Skripochka auf der ISS. - Foto: Wieck

Robonaut 2 als Vorlage

Seinen Ausgangspunkt nahm die Entwicklung des Robo-Glove mit dem All-Roboter Robonaut 2, der zur Zeit auf der Internationalen Raumstation (ISS) getestet wird. Die Arme des Roboters sind ähnlich wie menschliche Arme gebaut. Die Motoren sind im Unterarm verborgen, während sehenartige Kabel die Finger bewegen. Beim Robo-Glove sind die Motoren ebenfalls höher am Arm untergebracht. Aktiviert werden sie, sobald Sensoren an den Fingerkuppen einen erhöhten Druck registrieren.

Der erste Prototyp des Robo-Glove wurde im März 2011 fertiggestellt. In seiner derzeitigen Entwicklungsstufe wiegt ein Handschuh allein etwa 900 Gramm und enthält Motoren, Elektronik, Batterien und ein Display zur Programmierung und Diagnostik. Die dritte Generation des Roboter-Handschuhs, welche kurz vor der Fertigstellung steht, soll kompakter und leichter werden.

(futurezone) Erstellt am 17.03.2012, 06:10

Kommentare ()

Ihr Kommentar Kommentare aktualisieren
Bitte Javascript aktivieren!