Zur mobilen Ansicht wechseln »

Manipulation Foto von totem Osama bin Laden gefälscht.

Foto: dapd
Das im Internet kursierende Foto von der Leiche des Terroristenführers Osama bin Laden erwies sich als Fälschung. Nicht zum ersten Mal wurden Fotos des al-Quaida-Führers manipuliert. Damit Bildmontagen als solche erkannt werden, nutzen moderne Kameras digitale Signaturen. Aber auch diese Methoden haben ihre Schwächen.

Nachdem der Tod des al-Quaida-Anführers Osama bin Laden bekannt wurde, dauerte es nicht lang bis erste vermeintliche Fotos des Leichnams auftauchten. Die Bilder kursierten nicht nur im Internet, der pakistanische TV-Sender Geo TV übernahm das Bild und verbreitete es im Fernsehen sowie im Internet. Bereits kurz danach mehrten sich die Berichte, dass es sich um eine Fälschung handle, was sich auch schnell bestätigte.

Experten vom MSNBC Photoblog waren die Ersten, die an der Echtheit der Bilder zweifelten. So fanden sie heraus, dass die neuen Fotos auf einem älteren Bild basieren könnten, die den al-Quaida-Anführer noch lebend zeigen. Später gestand auch der pakistanische TV-Sender den Fehler ein, die Montage kursierte demnach bereits seit 2009 im Netz.

"Ein Amateur würde das hinbekommen"
Auch ein von der futurezone befragter Experte identifizierte die Fotos schnell als Fälschung: "Das ist ziemlich offensichtlich eine Fotomanipulation, das Originalbild ist deutlich zu erkennen. Für so eine Montage braucht ein Profi vielleicht 20 Minuten und selbst ein Amateur würde das hinbekommen", so der Photoshop-Experte einer großen Wiener Agentur. Die Retusche sei nicht schlecht gemacht, könne aber eindeutig als Retusche entlarvt werden. Die Bausteine für das Bild - Porträt, Verletzungen, etc. - könne man wohl einfach über die Google-Bildersuche auftreiben.

Das gefälschte Foto in einem TV-Bericht - Foto: dapd

Überprüfen mit Software
Bildfälschungen können jedoch nicht nur durch geschulte Augen überführt werden. Es existieren auch elektronische Systeme, mit denen selbst Laien einfach kontrollieren können, ob ein Foto digitaler Bearbeitung unterzogen wurde. Sowohl Canon als auch Nikon haben entsprechende Software-Lösungen entwickelt, um die Echtheit von Fotos zu überprüfen. Doch diese Methoden haben ihre Schwächen: Die russische Software-Sicherheitsfirma Elcomsoft konnte beide Systeme knacken.

Canon-Verifikation geknackt
Bereits Ende 2010 veröffentlichte Elcomsoft eine Presseaussendung, in der zu lesen war, dass die Canon Original Data Security Software geknackt wurde. Mit dieser Software soll es laut Canon möglich sein, die Echtheit eines mit einem entsprechenden Kameramodell geschossenen Fotos zu verifizieren. Um dieses System zu nutzen benötigt der User einen entsprechende Speicherkarte sowie einen Kartenleser. Das Set wird von Canon um 839,99 Euro (unverbindliche Preisempfehlung) verkauft.

Elcomsoft hat den Schlüssel, mit dem Canons System die Fotos verifiziert werden, extrahiert und auf Fotos angewendet, die offensichtlich gefälscht sind. Canons System erkannte die Bilder anschließend trotzdem als authentisch.

Nikon-Verifikation geknackt
Auch von Nikon kommt ein ähnlicher Mechanismus. Die entsprechende Software nennt Nikon "Image Authentication Software". Um das System zu nutzen ist keine zusätzliche Hardware notwendig, allerdings müssen die Fotos mit entsprechenden Kameramodellen geschossen worden sein, die sich bei Nikon durchwegs im preislichen Spitzsegment finden. Kompatible Modelle sind etwa Nikons D3, D300S, D3S, D3X oder D700.

Diese Modelle versehen die Fotos ebenfalls mit einem Sicherheitsschlüssel, der die Echtheit der Bilder garantieren soll. Jener Schlüssel kann anschließend mit der Nikon-Software überprüft werden. Das System hat seinen Preis, die Software kostet 559 Euro (unverbindliche Preisempfehlung). Auch dieses System ist laut dem russischen Sicherheitsunternehmen geknackt. Als Beweis stellte Elcomsoft wieder offensichtlich gefälschte Fotos online, die mit Nikons System verifiziert waren.

Ob eine digitale Signatur die Verbreitung von dem gefälschten Foto von bin Laden gestoppt hätte, kann angezweifelt werden. Laut den Herstellern sind die Signaturen vorwiegend für den Einsatz bei Versicherungen oder vor Gericht gedacht.

Justiz setzt auf Textbeschreibungen
Österreichs Justiz etwa verzichtet bei der Tatortfotografie auf derartige Signaturen. Silvia Strasser, Sprecherin des Bundeskriminalamts, erklärt gegenüber der futurezone, dass auf bodenständigere Technik gesetzt wird: „Neben dem Bild werden unsere Fotos auch noch textlich beschrieben. Hier wird fix festgehalten, was und was nicht auf dem Bild zu sehen ist.“ Strasser berichtete auch von keinen Problemen bezüglich Manipulation: „Wir wurden mit derartigen Problemen noch nicht konfrontiert. Sollte es zu Problemen kommen, sind bei uns immer die Originale samt beschreibendem Bildtext gespeichert.“

(futurezone) Erstellt am 02.05.2011, 15:40

Kommentare ()

Ihr Kommentar Kommentare aktualisieren
Bitte Javascript aktivieren!