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Skeptiker-Preis Goldenes Brett geht an Xavier Naidoo.

Xavier Naidoo ist so mancher Verschwörungstheorie verfallen. Dafür wurde er nun mit dem "Goldenen Brett" ausgezeichnet.
Xavier Naidoo ist so mancher Verschwörungstheorie verfallen. Dafür wurde er nun mit dem "Goldenen Brett" ausgezeichnet. - Foto: Franz Gruber,epa
Die Skeptiker vergeben den Preis für den größten Unfug des Jahres an den deutschen Sänger für seine bemerkenswerte Affinität zu abstrusen Verschwörungstheorien.

Bereits zum vierten Mal wurde am Mittwoch das „Goldene Brett“ von der Wiener GWUP (Gesellschaft zur Wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften) und der Gesellschaft für kritisches Denken (GkD), vergeben. Der ironische Negativ-Preis wird jährlich an Personen oder Institutionen verliehen, die mit wissenschaftlich widerlegten Behauptungen Medienpräsenz anstreben, Angst machen oder Geld verdienen wollen.

Verschwörungstheorie

Dieses Jahr gewann die Auszeichnung der deutsche Sänger Xavier Naidoo. Er hat sich mehrfach öffentlich für eine Verschwörungstheorie der „Reichsbürgerbewegung“ ausgesprochen, die behauptet, dass es die Bundesrepublik Deutschland gar nicht gibt – stattdessen bestehe das Deutsche Reich in Wirklichkeit bis heute.

Würde Xavier Naidoo auf diese Weise bloß seine mangelnde politische Bildung unter Beweis stellen, wäre das harmlos, heißt es seitens der Veranstalter des „Goldenen Bretts vorm Kopf“ in einer Aussendung. Doch Naidoo werde mit seinem Engagement zur Einstiegsdroge in ein ganzes Geflecht an abstrusen Verschwörungstheorien, die sehr gefährlich werden können.

Von Anfang an Favorit

Neben Xavier Naidoo hatten es auch Barbara Steffens (Gesundheitsministerin von Nordrhein-Westfalen mit Vorliebe für Alternativmedizin) und der Impfgegner-Verein „Netzwerk Impfentscheid“ auf die diesjährige Shortlist geschafft. Bereits in der Nominierungsphase gehörte Xavier Naidoo jedoch zu den Kandidaten, die von der Online-Community am häufigsten vorgeschlagen wurden.

Er machte nicht nur mit seiner Nähe zur Reichsbürgerbewegung auf sich aufmerksam, sondern auch mit Aussagen über die Terroranschläge von 9/11, von Madrid und London. Damit hat sich Xavier Naidoo in die Gedankenwelt der sogenannten „Truther-Szene“ begeben, die im Internet eine große Verbreitung findet, an Weltverschwörungen glaubt und sich als äußerst resistent gegen rationale Gegenargumente erweist.

Xavier Naidoo steht zwar nicht für klassische Pseudowissenschaft (wie etwa Wünschelrutengeher oder Wunderheiler, mit denen sich die Skeptikerbewegung sonst so oft beschäftigt), doch die Gefährlichkeit von Verschwörungstheorien ist mindestens ebenso so groß – daher wurde ihm der diesjährige Preis zugesprochen.

Auszeichnung für Kopp Verlag

Das Goldene Brett fürs Lebenswerk ging unterdessen an Jochen Kopp und den Kopp-Verlag, der mit seiner Bücherpalette praktisch das gesamte Spektrum an wissenschaftlich höchst fragwürdigen Esoterik-Theorien abdeckt, von freier Energie und dem Perpetuum Mobile bis zu Wunderheilungs-Ratgeberliteratur.

Jeder, der sich mit esoterischen und antiwissenschaftlichen Theorien auseinandersetzt, stößt ganz zwangsläufig irgendwann auf den Kopp-Verlag. Egal ob Ufos oder Alternativmedizin, ob Pseudo-Physik oder Chemtrails: Der Kopp-Verlag ist praktisch in jedem Bereich des Paranormalen und Esoterischen ganz vorne mit dabei. „Bücher, die Ihnen die Augen öffnen“, verspricht der Kopp-Verlag. Die Skeptiker sind hingegen der Meinung, dass diese Bücher den Blick auf die Welt blockieren. Wer seine Nase in ein solches Buch steckt, bekommt schon ganz automatisch ein Brett vor den Kopf gesetzt, somit war es aus Sicht der Jury höchst passend, Jochen Kopp und seinem Verlag das „Goldene Brett fürs Lebenswerk“ zuzusprechen.

(futurezone) Erstellt am 26.11.2014, 21:30

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