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USA Intelligente Stromzähler als Krebsauslöser.

Foto: AP
Im US-Bundesstaat Kalifornien häufen sich die Proteste gegen intelligente Stromzähler, die dort laufend eingeführt werden. Neben Straßenblockaden haben bereits Bezirke beschlossen, dass die Installation vorübergehend auf Eis gelegt werden soll, bis man mehr über die potenziellen Gesundheitsrisiken weiß. Eine neue Studie belegt eine übermäßige Strahlenbelastung durch die neuen Zähler.

Ein kleiner Landkreis nördlich von San Franicsco hat kürzlich in einer Verfügung beschlossen, die Einführung der intelligenten Zähler (auch "Smart Meter" genannt) ein ganzes Jahr lang zu stoppen. Die Verfügung betrifft etwa 70.000 von insgesamt 260.000 Einwohnern von Marin County. Als Begründung für die Aktion wird ein potentielles Gesundheitsrisiko genannt, das von den neuen, elektronischen Zählern ausgehen soll. Herz-Rhythmus- und Schlafstörungen, Tinnitus, Krebs sowie Angstzustände werden immer wieder als mögliche Folgen von einer zu hohen Strahlenbelastung genannt.

Strahlungsmenge stark erhöht

Eine Studie der Consulting-Firma Sage Reports aus Kalifornien, die im Jänner 2011 vorgestellt wurde, will jetzt genau diese übermäßige Strahlenbelastung belegt haben. Die drahtlosen Geräte, die von der Firma Pacific Gas & Electric Co (PG&E) in Kalifornien installiert werden, würden gegen die Sicherheitslimits der Federal Communications Commission (FCC) verstoßen, heißt es darin. Wohnungen, Häuser und Geschäfte, bei denen sogenannte "Collector Meter" angebracht werden, würden dieselbe Strahlungsmenge abkriegen, wie wenn sie sich direkt 60 Meter neben großen Sendemasten von Mobilfunkern befinden würden, heißt es in dem Bericht.

Die "Collector Meter", die Teil eines MESH-Netzwerks sind, sammeln dabei die Daten von bis zu 5.000 intelligenten Stromzählern aus der Gegend drahtlos über bestimmte Frequenzbereiche ein und verteilen sie weiter. Im Gegensatz zu normalen Zählern haben sie dazu drei statt zwei eingebaute Antennen. Bei Strommessungen liegen die Frequenzen laut Angaben von PG&E bei 902 bis 928 MHz, für Gasmessungen bei 450 bis 470 MHz. Die Strahlungsbelastung sei dabei um ein Vielfaches höher als bei normalen Smart Metern, heißt es in der Studie.

"Gefahr besteht auch hierzulande"

"In Österreich wird eine derartige Wireless-Technologie in diesem Frequenzbereich nicht eingesetzt", erzählt Sicherheitsexperte Paul Karrer, Vorstand der Arrow ECS Internet Security AG, der FUTUREZONE. Zudem werden die Geräte nicht an den Außenhauswänden montiert, wie es in den USA der Fall ist. Doch auch hierzulande "besteht eine Gefahr", meint Karrer. Es wird auch in Österreich Funk eingesetzt.

So können etwa die Daten von Strom-, Gas- und Wasserzählern über einen sogenannten Meter Bus erfasst und drahtlos ausgetauscht werden. "Das funktioniert nur im Nahbereich, es wird dabei quer durchs Haus gefunkt, und befindet sich in einem ähnlichen Frequenzbereich", fügt Karrer hinzu. Bei drei Geräten mag dies noch keine gravierenden Auswirkungen auf die Gesundheit haben, "aber beispielsweise in einem Gemeindebau kann da auch etwas zusammenkommen", meint Karrer. Studien dazu gibt es allerdings noch keine. Die neuen Zähler werden in Österreich zur Zeit lediglich in Pilotversuchen getestet.

Keine Opt-Out-Möglichkeit in Kalifornien

In Kalifornien sollen insgesamt zehn Millionen der elektronischen Zähler installiert werden. Besonders schlimm dabei ist, dass man es sich dort nicht aussuchen kann, ob ein normaler Smart Meter oder ein derartiger "Collector Meter", dessen Strahlenbelastung um ein Vielfaches höher ist, an der Außenhauswand seines Heims montiert wird. "Es gibt derzeit keinen Weg, im Vorhinein festzustellen, was für ein Gerät ein Haus- oder Gebäudebesitzer montiert bekommt", heißt es in der Studie. Auch ein "Opt-Out", also einen Verzicht auf die Installation eines Smart Meters, gibt es seitens PG&E generell nicht.

Bei der für Smart Metering zuständigen Behörde California Public Utilities Commission (CPUC) gingen bereits mehr als 2000 Beschwerden wegen Gesundheitsproblemen ein, schreibt Joshua Hart im Indybay. Die immer größer werdende Protestbewegung gegen Smart Meter in Kalifornien nützt diese Studie zudem, um den Gouverneur Brown dazu aufzufordern, die bereits installierten Geräte wieder entfernen zu lassen.

Proteste häufen sich

Der Bezirk Marin County ist mittlerweile der zweite in Kalifornien, der eine Verfügung gegen Smart Meter ausgesprochen hat. 24 weitere Bezirke aus Kalifornien, darunter Santa Cruz und San Francisco, planen ähnliche Aktionen in naher Zukunft. Die Bürger von Marin County fühlen sich von der zuständigen Behörde CPUC im Stich gelassen und zu wenig über die tatsächlichen Probleme, die im Zusammenhang mit Smart Metern auftreten können, aufgeklärt.

So gäbe es in Kalifornien etwa zahlreiche Fälle, bei denen nach der Umstellung auf Smart Metering die Stromrechung aufgrund von fehlerhafter Hardware nahezu explodiert sei. Dies wurde auch von PG&E, die für die Installation von Smart Meter-Systemen in Kalifornien verantwortlich sind, bestätigt, heißt es in der Zusammenfassung des Moratoriums von Marin County. Zudem könnten durch die verwendeten Frequenzbereiche auch das Netz für Amateur-Funkverbindungen, das in Kalifornien und den Nachbarstaaten existiert, gestört werden.

Datenschutz-Bedenken bisher ignoriert

Es gibt allerdings auch weitere Bedenken der Bürger in Kalifornien, die auch in Europa bekannt sind. Prinzipiell ist es mit den neuen Geräten nämlich möglich, dass der Stromverbrauch eines Haushalts exakt aufgezeichnet wird. Dadurch lassen sich genaue Profile erstellen und Muster ablesen - etwa wann jemand schläft, duscht, kocht oder der Flat-TV in Betrieb ist. Was mit derartigen personenbezogenen Daten passieren darf, steht in Österreich im Datenschutzgesetz. In Kalifornien hat die Behörde, die für die Umsetzung von Smart Metering zuständig ist, noch keine wirksamen Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz dieser Daten eingerichtet.

PG&E hat zudem bekannt gegeben, dass der Verfügung von Marin County nicht nachgekommen werde. Die Geräte werden weiterhin installiert, heißt es. Nur die Behörde CPUC hätte das Befugnis dafür, die Installation von Smart Metern in Kalifornien zu stoppen. Doch diese muss sich gegen eine Protestbewegung, die immer mehr Zuspruch gewinnt, durchsetzen. So blockierte etwa eine junge Mutter letzte Woche die Straße nach San Francisco, als zwei Lastwagen zur Installation von Smart Metern aufgebrochen waren. Bei Smart Metern sei die Strahlenbelastung höher als bei Handys, argumentiert die überzeugte Gegnerin. "Bei Handys kann man noch immer selbst entscheiden, ob man sich eines zulegt und wie lange man es am Tag in Betrieb hat. Smart Meter lassen sich jedoch nicht einfach abschalten, sie sind ständig in Betrieb."

Mehr zum Thema:

"Stromverbrauch interessiert viele gar nicht"
- "Stromnetze werden angreifbarer"

(Barbara Wimmer)

Gesetzesnovelle in Österreich

In Österreich müssen bis 2020 80 Prozent der Haushalte mit intelligenten Stromzählern, sogenannten "Smart Metern", ausgestattet sein. Das schreibt eine Energieeffizienzrichtlinie der EU vor. Um diese in Österreich umzusetzen, musste das Elektrizitätswirtschafts- und -organisationsgesetzes (ElWOG)
novelliert werden. Diese Novellierung wurde im November 2010 mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit im Parlament beschlossen.

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(futurezone) Erstellt am 10.01.2011, 14:10

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