Zur mobilen Ansicht wechseln »

Handy-Börsel Mobiles Bezahlen: A1 startet NFC-Testprojekt.

Foto: Barbara Wimmer
Der Mobilfunkanbieter A1 hat am Dienstag in Zusammenarbeit mit der Paybox Bank ein Pilotprojekt auf NFC-Basis vorgestellt. In ausgewählten Wiener Filialen vom Merkur und McDonald's wird ab sofort bis zum Herbst von einem kleinen Kundenkreis die "neue Art des Bezahlens" getestet. Danach soll das mobile Bezahlen per NFC ausgeweitet werden.

Den Burger (bei McDonald`s) oder die Wurstsemmel (vom Merkur) per Handy bezahlen, während man zugleich telefoniert. Das ist ab sofort möglich und es soll weniger als eine Sekunde dauern. Das verspricht zumindest das neue Pilotprojekt von A1 und der Paybox Bank. Es ist bereits das zweite Mal, dass A1 ein Experiment mit Near Field Communication (NFC), also jener Technologie, die eine berührungslose Datenübertragung über kurze Distanzen und somit bargeldloses Bezahlen ermöglicht, startet. 2007 wurden Wiener Linien- und ÖBB-Fahrautomaten mit NFC-Chips versehen. Mit einem NFC-Chip ausgerüstet waren damals beispielsweise die Nokia 6131-Handys. Doch das Experiment blieb eines.

"Damals waren wir zu früh dran. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt gekommen. Die Technologie ist reif, damit das Handy zur virtuellen Geldbörse werden kann", erklärt der Generaldirektor von A1, Hannes Ametsreiter, bei der Präsentation von "Paybox NFC" am Dienstag. Vergangenen Herbst habe die GSMA mit den führenden Mobilfunkanbietern einen einheitlichen Standard erarbeitet, so Ametsreiter. Bis zum Jahresende werde es in Österreich zudem bis zu 200.000 NFC-fähige Endgeräte (Smartphones) geben, diese Zahl werde im nächsten Jahr exponentiell wachsen, fügte Alexander Sperl, Marketing-Vorstand von A1, hinzu.

Auch Sticker-Lösung möglich
Beim neu gestarteten Projekt "Paybox NFC" können Kunden künftig Beträge bis zu 25 Euro mit dem Handy bargeldlos und kontaktlos ohne die Eingabe eines PIN-Codes bezahlen. Das tägliche Transaktionslimit beträgt 50 Euro. Beim Einsatz von Handy-Modellen ohne NFC-Funktion - wie etwa dem iPhone 3, 3GS, 4 und 4S - kann das dafür notwendige Modul auch im Secure-Chip eines speziell entwickelten paybox NFC-Stickers installiert werden, der auf das Handy geklebt werden kann. "Man kann den Sticker jedoch auch getrennt vom Handy in der Geldbörse mitnehmen, wenn man ihn nicht aufs Gerät drauf kleben will", erzählt Bernd Hartweger, Vorstandsvorsitzender der paybox-Bank.

Pilotprojekt bis zum Herbst
"Paybox NFC" sei derzeit als Pilotprojekt konzipiert, heißt es. Als Partner konnten dafür McDonald`s und Merkur gewonnen werden. McDonald`s testet das kontaktlose Bezahlen per NFC in drei Wiener Filialen auf der Mariahilferstraße sowie am Westbahnhof. MERKUR hat seine zwei neuen Filialen am Westbahnhof sowie die Express-Kasse im Gerngroß, der Lugner City und im Stadion Center mit NFC-Terminals ausgestattet.

Bis Ende Mai soll nun eine "kleine, ausgewählte" Gruppe von 500 Menschen das Bezahlen per Handy testen. Danach wird das Projekt auf 5000 Teilnehmer ausgeweitet. Im Herbst wird das Projekt evaluiert - und danach soll es erweitert werden. Anmelden können sich "interessierte Testpersonen", die regelmäßig im 6. und 7. Wiener Gemeindebezirk einkaufen gehen, dafür direkt bei Paybox.

In Punkto Sicherheit, sei man sich sicher, dass durch das Tageslimit und Sicherheitsmaßnahmen ein großräumiger Betrug mit der Paybox-Lösung nicht möglich sei. Die Bezahlung werde sicher codiert (mit einer 1024 Bit End2End-Verschlüsselung) übertragen. Zudem bekomme der Kunde bei jeder Transaktion eine Bestätigungs-SMS aufs Handy geliefert. Bei Diebstahl und Verlust bestehe zudem die Möglichkeit einer sofortigen Sperre, heißt es seitens Paybox.

Weitere Pilotprojekte in Österreich
"Wir wollen das mobile Bezahlen am Markt etablieren und NFC in Folge auf verschiedene, andere Anwendungsbereiche und Akzeptanzstellen ausweiten", erklärte Sperl von A1. So sei etwa auch die Ausweitung auf virtualisierte Kundenkarte geplant. Doch hier schläft auch die Konkurrenz nicht: Der Mobilfunkanbieter T-Mobile hat dazu zusammen mit dem Schwesterunternehmen T-Systems, BIPA und dem NFC-Anbieter Kadona in Österreich im vergangenen Herbst ein Pilotprojekt gestartet, das die Kundenkarte auf NFC-gestützte Handys bringen soll. Auch hier arbeitet man neben NFC-fähigen Handys mit sogenannten "Stickern". Diese werden allerdings von Experten nur als "Übergangslösung" gesehen, bis es genug NFC-fähige Handys am Markt gibt.

Neben T-Mobile und A1 hat auch Orange erfolgreiche Pilotprojekte in Frankreich am Laufen. In Österreich ist auch die Raiffeisen Bank International (RBI) im Bereich NFC sehr aktiv. Die RBI hat neben der NFC-Kreditkarte auch eine mobile Lösung fürs iPhone im Angebot. Dabei wird das Gerät mit einer Art "Schutzhülle" versehen, die über eine Antenne und einen microSD-Kartenslot verfügt. Auch diese Schutzhüllen-Lösung gilt unter Experten als "Übergangslösung", bis das iPhone eines Tages mit NFC ausgestattet sein wird. Gezahlt werden kann damit bisher in ausgewählten Zielpunkt-Filialen.

Zukunftsprobleme
Bei A1 und Paybox nachgefragt, ob die NFC-Terminals der einzelnen Anbieter und Konkurrenten miteinander kompatibel sein werden, erfuhr man, dass dies zwar möglich, aber derzeit nicht geplant sei. Doch wenn sich die Technologie wirklich am Massenmarkt etablieren soll und man als A1-Kunde bei Merkur mit dem Handy zahlen können wird, beim Zielpunkt jedoch nicht, wird es schwierig mit der Akzeptanz.

Es bleibt auch vorerst fraglich, wie viel der Service des mobilen Bezahlens per Handy Kunden kosten wird. Solange die Pilotphasen noch laufen, will man dazu noch keine näheren Angaben machen. Fakt ist jedoch, dass immer mehr Player am Markt NFC-Testprojekte starten. Die Paybox Bank strebt in Österreich zudem eine Kooperation mit weiteren Mobilfunkanbietern an. "Paybox NFC" soll wie viele bisherige Paybox-Services interoperabel werden. Man sei derzeit in Gesprächen, könne dazu noch keine näheren Angaben machen, heißt es.

Mehr zum Thema

(futurezone) Erstellt am 17.04.2012, 13:30

Kommentare ()

Einen neuen Kommentar hinzufügen

( Abmelden )

Dein Kommentar

Antworten folgen
Melden Sie den Kommentar dem Seitenbetreiber. Sind Sie sicher, dass Sie diesen Kommentar als unangemessen melden möchten?
    Bitte Javascript aktivieren!