Zur mobilen Ansicht wechseln »

Forschung Open Science: Wiener Forscher wollen mehr Transparenz.

Forschungsdaten sollen künftig transparenter und einfacher digital erfassbar werden
Forschungsdaten sollen künftig transparenter und einfacher digital erfassbar werden - Foto: Stephan Boroviczeny
Ein in Wien tätiger Physiker will mit mehr Transparenz das Vertrauen in die Forschung stärken. Dazu veröffentlichte er seinen Förderantrag und die dazugehörigen Gutachten.

Mit "Open Access" sollen wissenschaftliche Publikationen frei zugänglich gemacht werden. Es geht aber noch weiter: Unter dem Stichwort "Open Science" gibt es den Trend, den gesamten wissenschaftlichen Arbeitsablauf, von der ersten Idee über Anträge und Gutachten bis zu den Forschungsdaten, zu veröffentlichen. Ein in Wien tätiger Physiker hat nun den Anfang gemacht.

Mehr Vertrauen in Forschung

Der aus Finnland stammende Physiker Toma Susi von der Universität Wien hat beim Wissenschaftsfonds FWF ein Forschungsprojekt beantragt, das positiv begutachtet wurde und gefördert wird. Nun hat er im Fachjournal "Research Ideas and Outcomes" (RIO) als erster Wissenschafter nicht nur seinen Antrag, sondern auch die Gutachten dazu veröffentlicht, teilte der Verlag Pensoft Publishers mit. Ziel des Fachblatts sei es, "die Wissenschaftskommunikation durch die Veröffentlichung von Ideen, Anträgen und Ergebnissen zu verändern, um Transparenz, Vertrauen und Effizienz des gesamten Ökosystems der Forschung zu erhöhen".

"Ich muss ehrlich sein: Es war beängstigend, einen Antrag zu veröffentlichen, auch wenn ich bereits eine Förderzusage hatte", wird Susi in der Verlags-Aussendung zitiert. Doch nach Abwägung der Vor- und Nachteile sei er zum Schluss gekommen, "dass die Ängste unbegründet sind und die Wissenschaft als Ganzes zweifellos profitieren würde, wenn dies gängige Praxis wird."

Verschiedene Kulturen

Den Antrag an den FWF zu publizieren sei kein Problem, das sei Susis geistiges Eigentum, sagte Falk Reckling vom FWF gegenüber der APA. Bei den Gutachtern sei dies nicht so einfach, noch dazu werde diesen Anonymität zugesichert. Deshalb habe man bei diesen nachgefragt und beide hätten einer Veröffentlichung zugestimmt, einer auch unter Aufhebung seiner Anonymität, so Reckling, der das Online-Journal des in Bulgarien ansässigen Verlags durchaus seriös einschätzt: "Das sind schon recht respektierliche Leute, die im Advisory Board sitzen und als Editor arbeiten."

Bei der Veröffentlichung wissenschaftlicher Arbeiten gibt es durchaus verschiedene Kulturen. In der Mathematik oder der Physik ist es üblich, Publikationen schon vor einer Begutachtung durch externe Experten ("Peer Review") als sogenannte Preprints zu veröffentlichen. In den Lebenswissenschaften dagegen werden Arbeiten nur publiziert, nachdem sie begutachtet wurden, auch wenn sich dieses Dogma schön langsam auflöst.

Offensichtlich hat man in der Physik nun nicht einmal Probleme damit, selbst Anträge zu publizieren. "Sie sind ja damit auch in einem Journal publiziert, haben die übliche Kennung (eine DOI-Nummer, Anm.) und müssen zitiert werden", sagte Reckling.

Frei und Digital

Das passt auch zum "massiven Trend, den gesamten wissenschaftlichen Workflow digital abzubilden", so Reckling. Große Verlage wie Springer oder Elsevier würden entsprechende Produkte etwa für die Datenerfassung anbieten. Während dies das Ziel hat, die Digitalisierung zu unterstützen, geht es bei "Open Science" darum, diese Daten auch frei zugänglich zu machen.

In diese Richtung zielt auch das neue FWF-Pilotprogramm "Offene Forschungsdaten" ab, das mit Unterstützung der Nationalstiftung für Forschung gestartet wird. Ab Mitte Jänner sind Konzeptanträge möglich. Mit bis zu 250.000 Euro werden Projekte gefördert, die die Analyse, Pflege oder Aktualisierung von Forschungsdaten zum Ziel haben. Die Forschungsdaten müssen dabei frei zugänglich, reproduzierbar, maschinenlesbar, zitierfähig und unter Verwendung möglichst offener Lizenzen zur uneingeschränkten Weiterverwendung in registrierten Repositorien publiziert werden.

Auch andere Förderorganisationen und die EU würden langsam in dieser Richtung gehen, etwa indem Datenmanagement-Pläne eingefordert werden, also wie werden die Daten abgelegt, sind sie reproduzierbar. Für Reckling ist es nicht nur ein ökonomisches Problem, dass jede Menge an Daten erhoben werden, die dann nicht mehr zu verwerten sind. "Es geht auch darum, dass man Daten auch reproduzieren können muss, sonst hält die Wissenschaft ihr eigenes Versprechen nicht."

(APA) Erstellt am 21.12.2015, 14:30

Kommentare ()

Einen neuen Kommentar hinzufügen

( Abmelden )

Ihr Kommentar

Antworten folgen
Melden Sie den Kommentar dem Seitenbetreiber. Sind Sie sicher, dass Sie diesen Kommentar als unangemessen melden möchten?
    Bitte Javascript aktivieren!