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Smart City Seestadt Aspern erforscht intelligente Nutzer.

Noch ist in der Seestadt Aspern eine Riesenbaustelle - doch die ersten Mieter ziehen bald ein, der Kindergarten startet im Herbst 2015.
Noch ist in der Seestadt Aspern eine Riesenbaustelle - doch die ersten Mieter ziehen bald ein, der Kindergarten startet im Herbst 2015. - Foto: Barbara Wimmer
In Wien startet im Smart-City-Viertel Aspern das erste Forschungsprojekt mit Mietern, Kindergarten und Schule. Man erhofft sich durch Forschung mit realen Daten viel davon.

Noch wird fleißig gebaut in der Seestadt Aspern. Es ist eines der größten Stadtentwicklungsprojekte Europas. Doch schon bald sollen die ersten Mieter einziehen und es wird auch das größte Smart-City-Demoprojekt Österreichs starten, das vom Klima- und Energiefonds mit 3,7 Millionen Euro gefördert wird. Am Baufeld D12 entstehen derzeit 213 Mietwohnungen, deren Bewohner Teil eines „lebenden Labors“ werden. Wenn die ersten im Frühjahr 2015 einziehen, bekommen sie eine technologisch hochwertige Ausstattung zur Raumregelung, wie Bernd Richter, Bereichsleiter für Infrastruktur der Aspern Smart City Research GmbH (ASCR), bei der Besichtigung der Baustelle vor Ort der futurezone erzählt.

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Foto: Barbara Wimmer

Heimautomation für Nutzer

Neben einem intelligenten Stromzähler (Smart Meter) werden die Haushalte mit einem intelligenten Heimregelungssystem  (Home Automation) ausgestattet. Dazu zählt etwa ein CO2-Fühler, der die Luftqualität misst sowie eine eigene Lüftungsanalage, die automatisch gesteuert werden kann. Durch einen sogenannten „Eco-Button“ lassen sich zudem vorher definierte Steckdosen abschalten, an denen etwa Verbraucher hängen, die nicht permanent Strom brauchen (etwa TV-Gerät, Radio, Stereoanlage). Mit dem System soll auch die Beleuchtung oder die Heizung zu Hause per Smartphone gesteuert werden können. „Da es sich dabei um ein programmierbares Bus-System handelt, kann man auch wärmeseitig etwas regulieren“, erklärt Richter.

Die Daten der Zimmertemperatur, der Raumluftqualität und die exakten, in 15 Minuten Intervallen ermittelten, Stromdaten werden von den Mietern im Gegenzug für die smarte Ausstattung ihres Heims für Forschungszwecke zur Verfügung gestellt. „Es nehmen nur jene Haushalte teil, die ausdrücklich damit einverstanden sind, dass ihre Daten für diese Zwecke verwendet werden dürfen“, erklärt Reinhard Brehmer, Geschäftsführer der ASCR. Das System sei an alle datenschutzrechtlichen Anforderungen angepasst worden, so Brehmer. Zudem gibt es ein eigenes Team für IT-Sicherheit und die Daten werden auf einem lokalen Server und nicht etwa in der Cloud gespeichert.

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Foto: ASCR

Kommunikation mit Mietern

„Ohne Daten gibt es keine Erkenntnisse“, sagt auch Richter. Silke Mader, die beim Projekt für die Kommunikation mit den zukünftigen Mietern verantwortlich ist, schätzt, dass anfangs rund 100 Personen mitmachen werden. Die erste Kontaktaufnahme ist für Herbst anvisiert. Geplant sind zudem jährliche „Open House“-Veranstaltungen, bei denen Nutzer ihre eigenen Themen einbringen können. Ansonsten setze man vor allem auf „Transparenz und Kommunikation auf Augenhöhe“, wie Mader sagt. Die Mieter bekämen klare Ansprechpartner für ihre Anliegen und bei einem zentralen Problem, das alle betrifft, würden Änderungen sofort durchgeführt werden, so die Projektverantwortliche.

Aus den gewonnenen Daten sollen unterschiedliche Lebensstiltypen im Bezug auf die Energienutzung, sogenannte „Energietypen“, untersucht werden. Es werden zudem verschiedene „Anreizsysteme“ für die jeweiligen Energietypen zum Energiesparen erprobt. Nutzern sollen künftig auch zielgenaue dynamische Tarifmodelle angeboten werden. Wenn der Stromtarif dann zu bestimmten Zeiten billiger ist, könnten Nutzer automatisch ihre Geräte (Smartphones, Tablets, E-Bikes, etc.) kostengünstiger aufladen. Ergebnisse in diesem Bereich sind vor allem für die beiden Industriepartner des Demoprojekts, Wien Energie und Wiener Netze, interessant.

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Foto: ASCR

Gebäudemanagement

Neben Mietern werden auch eine künftige Schule sowie ein Kindergarten in das Demoprojekt eingebunden. Dabei geht es vor allem um die Erprobung eines intelligenten Gebäudemanagements. Am Baufeld D18 entstehen derzeit die Räumlichkeiten für Schule und Kindergarten direkt nebeneinander. Die ersten Kinder werden ab Herbst 2015 „einziehen“. „Der Schwerpunkt des Projekts in dem Bereich liegt auf der Wärmeversorgung. Es wird keinen Fernwärmeanschluss geben, sondern eine Gebäudelösung mit Wärmepumpen“, erzählt Richter.

Zusätzlich wird noch ein Studentenheim am Projekt beteiligt, auf dessen Dach eine Photovoltaik-Anlage mit 250 kWp (Kilowatt-Peak) installiert ist. Das Gebäude ist damit nicht mehr „nur“ Energieverbraucher, sondern auch Energieproduzent. Mit Hilfe der realen Daten soll erforscht werden, wie Gebäude Stromreserven, die aktuell nicht benötigt werden, am Strommarkt gewinnbringend anbieten können. Dazu benötigt wird wiederum ein „Building Energy Management System“ (BEMS) im Gebäude, das mit einem sogenannten „Energiepool-Manager“, der eine Schnittstelle zwischen Gebäude und Strommarkt ist,  kommuniziert. „Mit dem Energiemanagement-System lässt sich auch das Netz umfassend betrachten“, sagt Oliver Juli vom ASCR.

Das gesamte Budget fürs ASCR für die kommenden Jahre beträgt laut Brehmer 38,5 Millionen Euro. Zehn Millionen Euro sind dabei für die Infrastrukturkosten für die smarten Systeme eingeplant, 14 Millionen Euro als Forschungsaufwendungen. „Unsere Forschungsergebnisse werden nicht nur in der Seestadt Aspern einsetzbar sein können, sondern können in vielen anderen Regionen die Entwicklung von Smart Cities unterstützen“, sagt Brehmer. Das Demo-Projekt, das auf drei Jahre angelegt ist, wird mit 3,7 Millionen Euro vom Klima- und Energiefonds gefördert.

(futurezone) Erstellt am 20.08.2014, 06:00

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