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Städte der Zukunft Smart Cities: "Technik ist nicht die Antwort auf alles".

Die smarte Stadt von morgen muss nicht zwingend voller Technik sein.
Die smarte Stadt von morgen muss nicht zwingend voller Technik sein. - Foto: 3M
Schlaue Städte sollen sich künftig wieder auf jahrzehntelange Traditionen zurückbesinnen anstatt alles mit neuen, teuren Technologien lösen zu wollen, so Smart-City-Experten.

Die Zukunft von Städten hängt laut Experten von vielen verschiedenen Faktoren ab. Aufgabenbereiche wie Wasser, Mobilität, Infrastruktur, Kommunikation, Gesundheitswesen, Energie oder Bildung müssen unter einen Hut gebracht werden. „Alle Städte müssen schlau planen, wenn sie weiter attraktiv und nachhaltig sein wollen“, erklärt Martin Walker, Zukunftsforscher und Senior Director des Global Business Councils, bei einem Pressegespräch in Wien.

Es geht auch ohne Klimaanlage

Ein wichtiger Bereich ist dabei etwa das Klima in Städten. „Europäische Städte wie Wien sind im Sommer wahre Hitzeinseln. Aber anstatt auf Klimaanlagen zu setzen, sollte man sich Strategien überlegen, wie man die Hitze auf natürlichem Wege aus den Städten rausbringen könnte – etwa mit Begrünungsstrategien, hellen Fassaden, Beschattung oder baulichen Lösungen“, sagt Theresia Vogel, Geschäftsführerin des Klima- und Energiefonds in Österreich.  Man sei viel zu sehr in Richtung ausschließlich technische Lösungen abgedriftet, so Vogel. Dieser Ansicht stimmt auch Walker zu: „Strom ist nicht die Antwort auf alles. Es gibt viel schlauere Lösungen, über die wir nachdenken könnten.“

Auch nachhaltiges Bauen kann einer dieser Aspekte sein. „Wir müssen viel weiter zurückschauen und uns zurückbesinnen, wie Menschen das früher gemacht haben, statt allzu viel Technik einzusetzen“, fügt Vogel hinzu. „Es gibt tausend Jahre alte Städte ohne Klimaanlage, die so gebaut wurden, dass in der Stadt ein permanenter Luftzug herrscht.“ Zudem gebe es aber auch neue Entwicklungen, die keinen Strom brauchen, um zu kühlen. „Es wird an Fensterscheiben gearbeitet, die sich selbst verdunkeln. Solche Entwicklungen werden mehr werden, wir müssen sie künftig mitdenken“ sagt Vogel.

Kreativwirtschaft statt Zombie-Städte

Genau um derartige Entwicklungen zu fördern, brauche es in Städten die Förderung der Kreativwirtschaft, sagt Walker. „Nicht alle Städte sind am Wachsen. Florenz oder Venedig werden beispielsweise zu reinen Museumsstädten, zu Zombie-Städten mit lebenden Toten. Das Bevölkerungswachstum geht immer weiter zurück, die Städte werden nur noch durch den Tourismus am Leben erhalten“, erklärt Walker. Damit dieses Schicksaal nicht in ganz Europa und auch in Wien um sich schlägt, müsse man Impulse setzen, in dem man jungen Menschen eine Zukunftsperspektive biete, so Walker.

 „Viele Jobs werden in den nächsten Jahren automatisiert. Gerade deshalb müssen Städte in Innovation und Kreativität investieren. In Zukunft wird vor allem die wirtschaftliche Entwicklung von Städten viel stärker davon abhängig werden, wie kreativ deren Bewohner sind. Das wird zum wichtigsten Kapital“, sagt Walker. Genau um neue Beschäftigungsfelder zu erfinden, benötige man kreative Ideen. Neue Jobs werde es vor allem in den Bereichen Gesundheit, Bildung, Energie und Handel geben, glaubt Walker.

Infrastruktur nicht vergessen

Florian Haslauer, Leiter des Global Energy Teams von A.T. Kearney, ist der Überzeugung, dass reine Industriebetriebe, die sehr „energiehungrig“ sind, künftig aus den Städten abwandern und sich dort ansiedeln, wo es (noch) eine zentrale Energieerzeugung gibt. Denn mit der zunehmenden Dezentralisierung und der Zunahme von erneuerbaren Energien steht eines fest: In den Städten selbst gibt kaum Möglichkeiten für eine ausreichende Energieproduktion. „In der Stadt bläst selten ein starker Wind“, so Haslauer. Smart Cities würden daher zusätzliche Infrastruktur benötigen.

„Ohne dem Ausbau einer ausreichenden Infrastruktur droht eine Verschlechterung der Versorgungssicherheit“, warnt der Experte. Dass das nicht immer problemfrei ablaufe, sehe man an Beispielen aus Deutschland, wo es massive Bürgerproteste gegen Hochspannungsleitungen gebe, erklärt Haslauer. „Smartes Energiemanagement und Energieeffizienz werden zur Überlebensfrage. Der Energieverbrauch muss deutlich reduziert werden“, sagt der Energieexperte.

Urban Future Konferenz

Doch wie sieht die geeignete Strategie hierfür aus? Mit diesen und ähnlichen Fragen und damit, wie die Zukunft von Städten aussieht machen sich von 18. bis 19. November 2014 in Graz bei der „Urban Future Global Conference“ neben Haslauer, Vogel und Walker mehr als 1000 weitere internationale Experten Gedanken. Darunter auch der Londoner Ex-Bürgermeister Ken Livingstone, Bestsellerautor Jeremy Rifkin und der Nachhaltigkeitsvisionär Alex Steffen.

Die Konferenz, die in Zusammenarbeit mit den Vereinten Nationen und über 40 internationalen Partnerorganisationen stattfindet, bringt Delegierte aus über 50 Ländern zusammen. Die Konferenz, die dieses Jahr zum ersten Mal stattfindet, soll zu einer der international bedeutendsten Treffpunkte für Entscheider aus Städten, Gemeinden, Regionen, Infrastrukturmanager und Regierungsvertreter werden. „Nachhaltige Stadtentwicklung ist weit mehr als eine Utopie. Gerade kleinere und mittelgroße Städte können von dem Erfahrungsaustausch und den konkreten Fallstudien, die präsentiert werden, enorm profitieren“, so Gerald Sutter, Programmdirektor der Urban Future Global Conference.

(futurezone) Erstellt am 17.10.2014, 06:00

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