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Überwachung Studie zeigt, was Metadaten über Menschen verraten.

Metadaten können einiges über eine Person verraten, das diese lieber für sich behalten möchte
Metadaten können einiges über eine Person verraten, das diese lieber für sich behalten möchte - Foto: APA/EPA/BRITTA PEDERSEN
Forscher der Universität Stanford konnten eine Cannabis-Zucht, einen Abtreibungswunsch oder eine schwere Erkrankung alleine anhand von Telefon-Metadaten erkennen.

Telefon-Metadaten können tiefgreifende Einblicke in das Privatleben von Personen ermöglichen. Zu diesem Schluss kommt eine neue Studie, die an der Stanford University durchgeführt wurde, berichtet der Guardian. Anlass dafür war die Behauptung der US-Regierung, der Geheimdienst NSA sehe sich keine Inhalte derjenigen Telefonate an, deren Eckdaten jährlich millionenfach gesammelt werden.

Sobald man die angerufene Nummer und die Länge eines Telefonats kennt, kann man allerdings hochsensible Fakten über eine Person herausfinden, zeigten Jonathan Mayer und Patrick Mutchler in ihrer Studie. Diese wurde mit Hilfe von 546 Freiwilligen durchgeführt, die dafür die App MetaPhone auf ihrem Android-Smartphone installieren mussten.

Cannabis und Multiple Sklerose

Einer der Teilnehmer "kommunizierte mit mehreren lokalen Neurologie-Instituten, einer spezialisierten Apotheke und einer Hotline für ein Pharmazeutikum, das nur zur Rückfall-Behandlung bei Multipler Sklerose eingesetzt wird", schildern die Forscher.

Eine Teilnehmerin führte eines Tages ein langes Telefonat mit ihrer Schwester. Zwei Tage später rief sie mehrfach ein Geburtenkontroll-Institut an. Zwei Wochen später gab es mit der selben Stelle weitere kurze Telefonate. Ein letzter Anruf erfolgte ein Monat danach.

Ein dritter Teilnehmer kontaktierte im Rahmen von drei Wochen Handwerker-Läden, Schlosser, einen Hydrokultur-Händler und einen Headshop.

Kombination mit Facebook

Wenn man die Telefon-Metadaten mit öffentlichen Facebook-Profilen vergleicht, erhält man laut den Forschern noch mehr Aufschlüsse über eine Person. Acht Prozent der Untersuchungsteilnehmer kontaktierten etwa religiöse Institutionen. Bei einem Vergleich mit Angaben auf Facebook fanden die Forscher eine Korrelation von 75 Prozent, was die Glaubensrichtung der Personen bestätigt.

Die Resultate zeigen auf anschauliche Weise, wie sensibel die Angaben in den Datenbanken von NSA und Telekommunikations-Unternehmen sein können, meint Jonathan Mayer. Selbst bei einmaligen Anrufen werden oft vertrauliche Details über Personen enthüllt: "Teilnehmer riefen die Anonymen Alkoholiker, Waffengeschäfte, Gewerkschaften, Scheidungsanwälte, Kliniken für sexuell übertragbare Krankheiten, Strip-Clubs und so weiter an."

Die Forscher merken an, dass die untersuchte Gruppe nicht repräsentativ für die US-Gesamtbevölkerung steht, da nur Besitzer von Android-Smartphones und Facebook-Profilen als Teilnehmer zugelassen waren.

In Österreich werden Telefon-Metadaten im Rahmen der gesetzlich vorgeschriebenen Vorratsdatenspeicherung von Telekommunikations-Unternehmen für ein halbes Jahr gespeichert. Diese Regelung ist seit 1. April 2012 in Kraft.

(futurezone) Erstellt am 14.03.2014, 13:56

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