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Peter Schwartz Zukunftsforscher: „Das Internet ist wie Leben im Dorf".

Peter Schwartz
Peter Schwartz - Foto: Privat
Die Vernetzung von Personen und Dingen im Internet läutet laut Zukunftsforscher Peter Schwartz das Ende der industriellen Ära und das Comeback lokaler Strukturen ein.

Der für seine Mitarbeit an Hollywood-Filmen wie Minority Report, Deep Impact, Sneakers und WarGames bekannte Zukunftsforscher Peter Schwartz sieht die Welt an einem Scheidepunkt wie zuletzt bei der industriellen Revolution. "Die Technologien und die Vernetzung durch das Web gibt dem Einzelnen viel von der wirtschaftlichen und kreativen Macht zurück, die während der industriellen Revolution verlorengegangen ist", so Schwartz in seiner Rede bei der Salesforce-Konferenz Dreamforce in San Francisco.

Während die industrielle Ära von der Macht zentralisierter Konzerne geprägt gewesen sei, stehe nun der Einzelne wieder im Fokus. "Jeder wird gehört, ob es nun um interne Kommunikation in sozialen Unternehmensnetzwerken, um Facebook oder Bewertungen auf Restaurant- und Produktplattformen geht." Wirtschaftlich sei es nicht zuletzt durch alternative Investitionsplattformen wie Kickstarter, aber auch durch die Agilität von Investoren ebenfalls leichter denn je, mit seiner eigenen Geschäftsidee schnell erfolgreich zu sein. Neue Services wie die Vermietungsplattform Airbnb oder die in den USA boomende Taxi-Alternative Uber würden zudem völlig neue Geschäftsmodelle für Privatpersonen ermöglichen.

Radikale Transparenz

„Wir erleben gerade eine unglaublich tolle Zeit, von der unsere Kinder in vielen Jahren noch reden werden", zeigt sich Schwartz überzeugt. Dass diese Transformation der Gesellschaft und der Machthierarchien auch ihren Preis habe, steht laut Schwartz aber ebenfalls außer Frage. „Der Preis ist die radikale Transparenz, der wir auf der ganzen Welt ausgesetzt sind. Durch die Vernetzung und das Internet sieht jeder alles und jeden. In Wahrheit ist es wie früher, als wir im Dorf gelebt haben und jeder wusste, was beim Nachbar gerade passiert“, so Schwartz.

Durch die zukünftige Vernetzung sämtlicher Gegenstände, vom Auto bis zum Pulsmesser, Bügeleisen und Küchenherd werde dieser Trend noch verstärkt werden. Wie man als Gesellschaft mit diesen veränderten Voraussetzungen umgeht, ist laut Schwartz die noch ungeklärte große Herausforderung. Der politisch falsche Weg sei es jedenfalls, das Netz über rigide Richtlinien und Sicherheits-Regularien einzuschränken. „Das Internet muss offen und für jeden zugänglich bleiben, damit die Gesellschaft die beschriebenen kreativen Potenziale ausschöpfen kann“, ist Schwartz überzeugt, der als Senior Vice President vom cloudbasierten Software-Anbieter Salesforce engagiert wurde.

Gute Bildung gefragt

Die Geschwindigkeit, mit der die zitierten technologischen und folglich auch gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Veränderungen vonstatten gehen, sei atemberaubend. Eine Trendumkehr sei zum derzeitigen Zeitpunkt nicht in Sicht. Für die Gesellschaft  bedeute dies, dass im Moment vor allem intellektuelle Fähigkeiten gefragt und auch wichtig seien. Um in dieser sich schnell verändernden Welt bestehen zu können, führe daher kein Weg an besserer Bildung vorbei.

(futurezone) Erstellt am 22.11.2013, 06:00

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