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Company of Glovers Start-up lässt User Handschuhe individuell gestalteten.

Auf companyofglovers.com können Lederhandschuhe individuell konfiguriert werden
Auf companyofglovers.com können Lederhandschuhe individuell konfiguriert werden - Foto: companyofglovers.com
Das Wiener Start-up Companyofglovers.com verkauft handgenähte Lederhandschuhe. Über den Online-Konfigurator sind sieben Millionen Varianten möglich.

Wenn es um individuelle Kleidung und Accessoires geht, ist die Auswahl eher bescheiden. Hat man nicht das nötige Geld für Maßanfertigungen, ist man meist auf bedruckte Textilien und Sportschuhe beschränkt.

Ein Wiener Start-up steigt in dieses Geschäft ein. Nicht mit T-Shirts mit „witzigen“ Sprüchen oder Tassen mit Tierfotos, sondern in eine Nische: Lederhandschuhe. Seit dem 1. Dezember können auf companyofglovers.com vier Grundmodelle individuell konfiguriert werden. Insgesamt sind über sieben Millionen Varianten möglich.

Der Joker

Die Idee für das Unternehmen lieferte ein Comic-Bösewicht. „Mein Bruder hat Handschuhe für ein Joker-Kostüm gesucht. Es ist relativ schwer ausgefallene Lederhandschuhe für Männer zu finden. Ich dachte, dass es sicher so etwas wie einen Konfigurator gibt und war überrascht, dass diese Art von Online-Store nicht in Europa existiert“, so Dominik Thor, Gründer von Company of Glovers. Also hat er selbst einen gemacht.

Thor war zuvor im Private Banking tätig und widmet sich jetzt komplett seinem Start-up. „Ich würde es nicht nebenbei machen wollen. Wenn man es nur nebenbei macht, leidet darunter die Glaubwürdigkeit bei Geschäftspartnern und Kunden“, sagt Thor. Unterstützt wird er von seinem Bruder, der eine kleine PR-Agentur leitet, die vorher ihren Vater gehört hat. Die meiste Arbeit macht Thor selbst: „Es ist etwas neues, es macht Spaß. Man kann mit Leuten ganz anders reden, wenn man ihnen die Idee näher bringt. Im Banking-Bereich sind Gespräche eher verhalten, weil man in Österreich nicht gerne über Geld spricht.“

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Foto: Screenshot

Konfigurator

Der Konfigurator auf der Website wurde von einem Innsbrucker Unternehmen erstellt. Durch Kundenfeedback wird er laufend weiter entwickelt. Da Company of Glovers erst am 1. Dezember gestartet ist, sind noch nicht alle Funktionen integriert. Hie und da gibt es noch kleine Bugs, im Test der futurezone war es aber problemlos möglich den Wunsch-Handschuh zu konfigurieren.

Derzeit gibt es vier Grundmodelle von Lederhandschuhen, sowohl für Frauen als auch Männer. Es stehen 30 Farben von Glattleder und drei Farben von Rauleder zur Auswahl. Handrücken, Handfläche, Daumenober- und Unterseite und das Zwischenstück der Finger, können nach Lust und Laune in diesen Farben konfiguriert werden.

Je nach Handschuhmodell stehen verschiedene Abschlüsse zur Auswahl, von geschlitzt bis zu Fell in Schwarz oder Weiß. Auf Wunsch wird die Handbekleidung mit Nieten oder Swarovski-Steinen verziert. Sollen die Handschuhe nicht nur modisch aussehen, sondern auch an kalten Tagen wärmen, sind vier Arten von Futter konfigurierbar. Die Spitze von Daumen und Zeigefinger kann aus leitendem Material geordert werden, damit Smartphone und Tablet auch mit Handschuhen bedient werden können. Den finalen Touch verleiht eine Monogramm-Prägung auf der Handfläche.

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Foto: Gregor Gruber

Handarbeit

Die Preise beginnen bei 84 Euro. Je nach Ausführung und Ausstattung kann ein paar Handschuhe bis zu 165 Euro kosten. Bis man das persönliche Paar nach der Bestellung erhält, dauert es etwa zwei bis drei Wochen. Die Handschuhe werden bei einem Unternehmen in Tschechien, das 20 Mitarbeiter hat, in Handarbeit gefertigt. „In Österreich ist es leider ein nahezu ausgestorbenes Gewerbe. Bei der Wirtschaftskammer bekam ich die Auskunft, dass der letzte Handschuhmacher-Geselle in den 80er Jahren ausgebildet wurde“, sagt Thor.

Für die Suche nach dem richtigen Partner hat er sich auch in Italien und Ungarn umgesehen. Oft scheiterte es an der Menge. „Viele produzieren erst ab Großmengen neue Designs. Andere machen zwar Einzelstücke, diese sind aber sehr teuer.“ Das Leder der Handschuhe ist Lamm-Nappa.

Testbestellung

Die futurezone hat zum Testen zwei Paar Handschuhe bestellt – einmal das klassische Modell „Master“ und fingerfreie Fahrer-Handschuhe. Die Qualität stimmt: Das Leder fühlt sich gut an, riecht angenehm und ist auch farblich ansprechend. Die leitenden Fingerspitzen funktionieren, auch wenn man etwas fester aufdrücken muss, als man es gewohnt ist.

Die Nähte sind nicht ganz so gleichmäßig, wie man es von Massenware gewohnt ist, was aber erst bei näherer Betrachtung auffällt. Auch sind die Nähte, je nach Modell und gewählten Farben des Leders, stärker sichtbar. Der Faden hat beim Modell Master die Farbe des oberen Leders, die Fadenfarbe kann derzeit nur beim Modell "Warden" gewählt werden. Macht man also einen Handschuh mit weißer Außen- und schwarzer Innenseite, wird der weiße Faden aufgrund des Kontrastes stärker sichtbar sein, als ein einfärbiges Modell.

Beim fingerfreien Fahrerhandschuh Modell "Handler" sind die Nähte nicht übermäßig sichtbar. Dafür sind die Abschlüsse der Finger nicht ganz gerade. "Handarbeit hat zwangsläufig eine gewisse Unregelmäßigkeit zur Folge. Das wird von manchen geschätzt, manchmal nicht. Grundsätzlich wird man bei viel teureren Marken wie Hermes oder Burberry ähnliche Unregelmäßigkeiten sehen können. Beim Weihnachtshoppen mache ich immer den Test und schaue mir die Konkurrenz sehr genau an", so Thor.

Das geprägte Wunsch-Monogramm ist zur Zeit auf drei Zeichen beschränkt. Laut Thor wären auch mehr möglich, die Maximallänge hängt vom gewählten Handschuhmodell und der Größe ab. Bei Sonderwünschen können sich Kunden gerne per Mail an ihn wenden.

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Foto: Markus Kessler

iPad-Vermessung

Thor betont, dass dies erst der Anfang von Company of Glovers ist. In den nächsten Wochen sollen etwa neue Zierelemente hinzukommen, die die Kombinationsmöglichkeiten von sieben auf zehn Millionen steigern. Das Gutschein-System ist noch rechtzeitig vor Weihnachten online gegangen. Die Gutscheine können per Post oder Mail verschickt werden.

Es wird an einer iPad-App gearbeitet, mit der das Vermessen der Handgröße möglich sein soll. Dies soll ein präziseres Anpassen der Größe erlauben: „Damit können wir nicht nur individuelle, sondern auch Maßhandschuhe anbieten“, sagt Thor. Derzeit werden die Handschuhe in den üblichen US-Größen bestellt, auf der Website kann ein Maßband zum Bestimmen der Größe ausgedruckt werden.

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Dominik Thor, Gründer des Start-ups Company of Glovers - Foto: companyofglovers.com

Virtueller Showroom

Thor plant auch einen virtuellen Showroom: „User können darin ihren kreierten Designs vorstellen. Kaufen andere User die Handschuhe, werden sie am Umsatz beteiligt.“ Dafür überprüft er derzeit die gesetzlichen Möglichkeiten. Sollte eine Barauszahlung nicht möglich sein, ist ein Bonuspunkte- oder Rabatt-System auf die nächste Bestellung als Alternative denkbar.

„Das Sortiment wird passend erweitert werden. Im Bereich Sport suchen wir zur Zeit passende Fasern für Reiterhandschuhe“, sagt Thor. Für ihn sind auch Kooperationen mit Herstellern anderer Produktgruppen eine Option.

(futurezone) Erstellt am 02.01.2015, 06:00

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