© APA/EPA/DAN HIMBRECHTS

Peace
09/19/2015

Moralische Bedenken: Adblocker-Entwickler zieht App zurück

Der Adblocker Peace dominierte zwei Tage lang die App-Charts, doch nun zieht ihr Entwickler sie zurück. Er wolle nicht darüber entscheiden, was Internet-Nutzer sehen können.

Die Veröffentlichung von iOS 9 hat für einen wahren Boom um Adblocker-Apps gesorgt. Der wohl beliebteste Adblocker für iOS ist Peace, das in kurzer Zeit an die Spitze der App-Charts geschossen ist. Doch nach nur zwei Tagen ist Schluss, der Entwickler Marco Arment hat die App zurückgezogen. Der Grund: Der Erfolg fühlt sich laut Arment nicht richtig an. „Adblocker kommen mit einem wichtigen „Sternchen“: Auch wenn sie vielen Menschen helfen, verletzen sie einige - viele davon verdienen das gar nicht.“

Notwendig, aber schwierig

Arment spricht damit die Diskussion um die Finanzierung von Internet-Plattformen an. Denn viele Webseiten bieten ihre Inhalte kostenlos im Internet an, finanzieren sich dafür aber mithilfe von Bannerwerbungen. Diese werden jedoch, neben dem Tracking vieler Werbenetzwerke, oftmals als unangenehm und verlangsamend empfunden. „Ich glaube nach wie vor, dass Adblocker notwendig sind. Aber in diesen letzten Tagen, die verrückt waren, habe ich gelernt, dass ich mich nicht wohl dabei fühle, wenn ich selbst einen mache und damit entscheide, was geblockt wird und was nicht“, erklärt Arment.

"Bittersüß"

Die App bleibt für jene verfügbar, die sie für 2,99 US-Dollar gekauft haben, werde aber nicht mehr weiterentwickelt. Arment erlaubt aber auch die Rückgabe der App, der Kaufpreis werde erstattet. Er empfiehlt nun neben Ghostery auch die ähnlich populären Apps Purify und Crystal. Kurioserweise zeigt der Entwickler von Crystal gegenüber Mashable ähnliche moralische Bedenken. Der Erfolg sei „bittersüß“, weil er das Internet liebe, zugleich aber auch Mobile Ads hasse.