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07.08.2014

Smartphone-App warnt vor Aluminium in Kosmetikprodukten

Inhaltsstoffe von Kosmetikprodukten haben schon mehrmals für Schlagzeilen gesorgt. Der Online-Dienst Codecheck.info warnt per App vor gesundheitsschädlichen Inhaltsstoffen.

Nachdem Mikroplastik vor einiger Zeit für Aufregung sorgte, steht jetzt ein weiterer gesundheitsschädlicher Stoff, der in Kosmetikprodukten enthalten ist, auf der Warnliste. Diesmal handelt es sich um Aluminium, welches im Verdacht steht, Brustkrebs, Alzheimer und auch Allergien auszulösen. Codecheck.info ist ein Gratis-Service, der sowohl online als auch über iOS- und Android-App Informationen zu Produkten und deren Inhaltsstoffen liefert. Mithilfe dieser App sollen sich Benutzer vor Aluminium-haltigen Deos und anderen Inhaltsstoffen schützen können.

Anhand von Strichcodes analysiert der Service die Inhaltsstoffe von Lebensmitteln und Kosmetikprodukten und gleicht diese mit einer Datenbank ab. Neben umfangreichen Informationen über die einzelnen Inhaltsstoffe und Kommentare zu den Produkten liefert die App auch Einstufungen in Ampelfarben.

Smartphone-App warnt vor Aluminium

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Barcoo Girl

App erkennt Aluminiumsalze

Die App des Online-Dienstes Codecheck.info meint bei der Vermeidung von Aluminiumhaltigen Produkten helfen zu können. Neben unabhängigen und detaillierten Beschreibungen und Kommentaren zu allen Inhaltsstoffen, werden auch Aluminium und Aluminiumsalze angezeigt.

Nach einer Ankündigung, dass die App Aluminiumsalze erkennt, waren die Erwartungen im Test relativ hoch. Diese wurden allerdings nur teilweise erfüllt. Anstatt explizit auf bestimmte Gefahrenstoffe hinzuweisen, listet die App alle Inhaltstoffe auf und unterteilt diese in Kategorien. Aluminiumsalze werden dabei als „weniger empfehlenswert“ (orange) eingestuft, also nicht einmal auf der höchsten Stufe. Sie werden nicht speziell hervorgehoben.

Informationen und Verständlichkeit

Die unabhängigen Berichte und Einstufungen , die sowohl App als auch Website anbieten, basieren auf Expertenmeinungen und kommen unter anderem von den Organisationen Ökotest, Greenpeace, Stiftung Warentest, WWF, Foodwatch und der Arbeiterkammer Wien. Für die Erkennung der Produkte mittels Scan des Barcodes wird auf die GS1-Datenbank zurückgegriffen, welche der internationale Standard für die Vergabe von Lebensmittelcodes ist.

Informationen und Beschreibungen über einzelne Inhaltsstoffe sind leider oft sehr chemisch und komplex und daher schwer zu verstehen. Wenn man als Benutzer nicht genau weiß, wonach man in Produkten sucht, ist es möglicherweise problematisch die entsprechenden Informationen zu filtern.

Sollten Produkte oder Informationen in der Datenbank fehlen, hat der User die Möglichkeit, diese zu ergänzen bzw. eigene Produkte in die Datenbank hinzuzufügen. Kleiner Wermutstropfen: Das Ergänzen von Informationen ist nur über die Website möglich, die absolut nicht für mobile Geräte geeignet ist.

Mengenangaben bleiben ungeklärt

Aufgrund von fehlenden Informationen von Seiten der Hersteller ist es Codecheck.info nicht möglich, die Mengen von Aluminium, die in einzelnen Produkten enthalten sind anzuzeigen. „Man kann die Hersteller zu nichts zwingen. Würden die Mengenangaben der Inhaltstoffe bekannt gegeben, so würde das die Rezeptur der Hersteller verraten“, meint Antje Babbe, Pressesprecherin von Codecheck.info, im Gespräch mit der futurezone. Alternativ kann man sich jedoch darauf verlassen, dass die Inhaltsstoffe auf der Verpackung nach Menge geordnet sind. Jene Inhaltsstoffe, die als erstes aufgelistet sind, sind am meisten enthalten. Aluminiumsalze stehen dabei meist an dritter Stelle.

Work in Progress – Updates sind zu erwarten

Laut Babbe sind in Zukunft Updates der Website zu erwarten. Gearbeitet wird vor allem am Design der Website allerdings wird auch die App etwas an die neue Website angepasst werden.

Alternative: barcoo.com

Eine Alternative zur eben vorgestellten App ist der Service barcoo.com. Die funktionsweise ist sehr ähnlich der von Codecheck.info. Anhand von Barcodes werden Produkte in einer Datenbank gefunden und die App liefert Informationen und Einstufungen über die Inhaltsstoffe. Auf barcoo.com gibt es auch die Möglichkeit, User Bewertungen zu lesen und Bewertungen abzugeben – abgesehen von gesundheitlichen Informationen. Des Weiteren bietet der Service in einigen Fällen eine Beurteilung der sozialen Verantwortung des Herstellers von Produkten an. Diese Bewertungen basieren auf dem Online-Dienst WeGreen.

Beide Apps bieten außerdem einen Preisvergleich an, mit dem sich lokale sowie Online Anbieter finden lassen und Preise vergleichen. Sowohl barcoo als auch Codecheck.info legen großen Wert auf Unabhängigkeit von Herstellern. Die Finanzierung erfolgt größtenteils durch Werbeeinschaltungen in der App sowie Investoren und Partner.

Fazit

Insgesamt liefern die beiden Apps codecheck.info und barcoo sehr ähnliche Informationen. Codecheck.info legt dabei weniger wert auf Design, sondern mehr darauf, die Informationen schnell zugänglich zu machen. Es bleibt abzuwarten, wie die neue App und Website von Codecheck.info, die für Herbst angekündigt wurden, aufgebaut sein werden. Neben den grundlegenden Informationen über Inhaltsstoffe gibt barcoo noch einige zusätzliche Informationen wie Hersteller und Bewertung von Produkten an, was in manchen Fällen interessant sein kann.

Wer sich also schnell und einfach über die Inhaltsstoffe von Produkten informieren will, ist wohl mit Codecheck.info sehr gut bedient. Für detailliertere Informationen und Bewertungen ist es dann wohl doch besser auf barcoo zurückzugreifen.

Aluminium – ein Stoff mit vielseitigen Wirkungen

Aluminium ist aufgrund der stark schweißhemmenden Wirkung sehr beliebt bei Herstellern von Deos. Enthalten ist es sowohl in Sprüh- als auch in Rollerdeos in verschiedenen Formen. Auf die Dauer können Aluminiumsalze aufgrund der Eigenschaft, dass sie Hautporen schließen, die Haut austrocknen.

Allgemein ist Aluminium ein natürlicher Stoff, der in vielen Lebensmitteln und sogar in Trinkwasser enthalten ist. Die Wirkung von Aluminium bei der Aufnahme durch die Nahrung ist gut untersucht und bis zu einer gewissen Menge von der europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) zugelassen. Laut EFSA ist eine Aufnahmemenge von einem Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht wöchentlich tolerierbar. Diese Werte beziehen sich allerdings nur auf die Aufnahme über Nahrungsmittel. Laut Berechnung des deutschen Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) liegt die tägliche Aufnahmedosis aus Antitranspiranten deutlich über dem von der EFSA festgelegten Toleranzwert.

Auch die Arbeiterkammer (AK) Oberösterreich hat bereits vor aluminiumhaltigen Antitranspiranten gewarnt. Besonders bei Verletzungen der Achselhöhlen durch beispielsweise Rasieren kann es zu noch höheren Aufnahmemengen kommen, was fatale Auswirkungen haben kann. Beispielsweise wird Brustkrebs am häufigsten neben den Achseln diagnostiziert: genau dort wo die aluminiumhaltigen Deos wirken. Außerdem hat Aluminium in Tierversuchen Demenz hervorgerufen, weshalb auch der Verdacht besteht, dass der Stoff Alzheimer auslösen könnte.

Einen wissenschaftlichen Beweis für die tatsächlich negativen Wirkungen von Aluminium in Antitranspiranten gibt es bis heute noch nicht. Trotzdem gilt: Besser vorsichtig als nachsichtig und Kosmetikprodukte mit Aluminiumgehalt bestmöglich vermeiden. Dieser Meinung schließt sich auch das Bundesministerium für Gesundheit (bmg) in einer Aussendung an.