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Mobilfunk
08/16/2012

A1 zu Drei: "Gratis-Internet ist absurd"

Wenig Freude am Gratis-Internet-Angebot von Drei zeigte A1-Chef Hannes Ametsreiter beim Verkünden der Halbjahresbilanz. Kein Wunder: Der Umsatz ging im ersten Halbjahr um sechs Prozent zurück, am Kauf der Billigmarke Yesss im Rahmen des Orange-Drei-Deals will A1 aber festhalten.

Die Kunden freut’s, die Aktionäre weniger: Mit Kampftarifen wie schon lange nicht mehr buhlen die heimischen Mobilfunk-Anbieter derzeit um Breitband-Kunden. Orange etwa unterbietet mit 7,50 Euro pro Monat für 1000 Gesprächsminuten und 1 GB Datenvolumen sogar die A1-Diskontmarke bob. Vergangene Woche legte Hutchison („3“) nach und verteilt nun Gratis-SIM-Karten mit 20 MB Datenvolumen pro Tag. Das reicht immerhin zum E-Mail abrufen und verschicken.

Beim Preisdumping nicht mitmachen
Telekom-Chef Hannes Ametsreiter ist ob der neuen  Kampfpreise am Markt erzürnt: „Gratis-Internet ist eine Absurdität in einem Markt, wo die Preise ohnehin schon so niedrig sind“, schäumt er. A1 werde beim Preisdumping nicht mitmachen, sondern „ordentliche Angebote machen“.

Zunehmender Preisdruck, aber auch regulatorische Maßnahmen wie etwa beim Roaming, setzten der Telekom im ersten Halbjahr gehörig zu. Der Österreich-Umsatz schrumpfte um 6,1 Prozent auf 1,38 Mrd. Euro. Damit fiel das Minus doppelt so hoch aus wie beim zweitgrößten Anbieter T-Mobile. „3“ konnte im ersten Halbjahr um 9 Prozent zulegen.

Auch beim operativen Ergebnis (EBITDA) musste A1 ein Minus hinnehmen. Dank geringerer Restrukturierungskosten  gab es unterm Strich aber einen  Nettogewinn von 80,9 Mio. Euro. Für das Gesamtjahr senkte der Vorstand die bisherigen Umsatz- und Ergebnis-Prognosen leicht. Grund seien die schwache Konjunktur,  verschärfter Wettbewerb sowie Währungsrisiken. An der Dividende von 38 Cent je Aktie wird festgehalten. Der Kurs brach am Donnerstag dennoch um 5,6 Prozent ein.

Slim-Investments 
Zuversichtlich zeigt sich Ametsreiter, dass der Einstieg des mexikanischen Milliardärs Carlos Slim (America Movil) rasch genehmigt wird – „es gibt positive Signale“ – und längerfristig angelegt ist: „Das kürzeste Investment des Konzerns dauerte 23 Jahre.“ Wann und wie viel Slim  investieren werde, sei noch unklar. Wien sei für den Milliardär aber „eine gute Basis“ für  weitere Expansionen.

Offen ließ Ametsreiter, wie eine mögliche Osteuropa-Holding gemeinsam mit America Movil aussehen könnte. Konkrete Zukäufe seien bei der Telekom derzeit kein Thema, sehr wohl halte man aber Ausschau: „Glasfaser- oder Kabelunternehmen wären für uns interessant“, so Ametsreiter.