B2B 18.11.2012

AKG: Österreichischer Spitzen-Sound seit 1947

65 Jahre alt ist heuer eine der wenigen heimischen Hightech-Marken geworden. Die einstige „Akustische und Kino-Geräte GmbH“, die heute als AKG Acoustics unterwegs ist, hat die Welt des Sounds in den vergangenen Jahrzehnten mitgeprägt und die Entwicklung mit Patenten vorangetrieben. Grund genug für einen Rückblick.

Eine Geschichte, die mit Schweinefleisch und Zigaretten beginnt und  einige Kapitel später im Weltraum landet, gibt es nicht alle Tage. Wenn sie dann noch das patriotische Österreicherherz höherschlagen lassen kann, dann muss man sie einfach erzählen.

Der rote Faden durch Schweinefleisch und Weltraumausflug heißt AKG – oder anfangs eigentlich „Akustische und Kino-Geräte GmbH“. In den Trümmern des Nachkriegs-Wien 1947 von Rudolf Görike und Ernst Pless gegründet, widmete sie sich in weiser Voraussicht der bald auch hierzulande boomenden Unterhaltungsindustrie. AKG produzierte Lautsprecher und Filmprojektoren für die Kinos der damaligen Zeit – und weil Geld damals Mangelware war, wurde die Rechnung eben anders berappt: mit Schweinefleisch, Butter oder Zigaretten.

Wiener AKG-Zentrale
Am heutigen Standort in 1230 Wien arbeiten etwa 180 Mitarbeiter © Bild: AKG

Weltmarke
Heute, 65 Jahre später, ist AKG weltbekannt. Wer auch immer gedenkt, sich einen qualitativen Kopfhörer zuzulegen, der wird sich zumindest im Shop einmal einen von AKG über die Ohren gestülpt haben. Dass das Geschäft heute gut läuft, zeigen so auch die Zahlen des abgelaufenen Fiskaljahres, in dem AKG den Umsatz um 30 Prozent und den Gewinn um 300 Prozent steigern konnte.

Doch bis zum Aufstieg zur Weltmarke war für die anfangs kleine österreichische Klangfirma harte Arbeit notwendig. In den Jahren nach der Gründung experimentierte man mit kuriosen Produkten wie Autohupen, Torsprechanlagen, Telefonen oder Kissenlautsprechern – AKG sollte überall drin sein, wo Ton herauskommt. Der einstige Wildwuchs wurde nach und nach zurechtgestutzt, heute hat die Firma ausschließlich Kopfhörer und Mikrofone im Portfolio.

1 / 10
©AKG

Rudolf Görike und Ernst Pless von AKG

©AKG

AKG

©AKG

D12 AKG

©AKG

K141 AKG

©AKG

K1000 AKG

©AKG

Technical Grammy Award für AKG

©AKG

AKG HQ in Wien

©AKG

AKG

©AKG

AKG

©AKG

AKG

Legendäre Produkte
Kopfhörer und Mikrofone waren es schließlich auch, womit AKG den weltweiten Durchbruch schaffte. Das „D12“, das erste dynamische Mikrofon der Welt, eroberte in den 1950ern Radio- und Fernsehstationen. In den 1960ern war der Kopfhörer „K141“ in renommierten Tonstudios weit verbreitet, und der „K1000“ (siehe Bild unten) aus dem Jahr 1989 gilt heute als begehrtes Sammlerstück.

Der Aufstieg von AKG zur renommierten Audio-Marke blieb auch der Musikwelt nicht lange verborgen. 1955 ließ sich Herbert von Karajan für die ersten Salzburger Festspiele nach dem Zweiten Weltkrieg ein eigenes Mikrofon von AKG kreieren. Auch Größen wie Frank Sinatra, Peter Gabriel, Eric Clapton, die Rolling Stones, Falco oder der Rapper Kayne West arbeiteten mit AKG-Produkten. Musiker-Legende Quincy Jones lieh der Firma gar seinen Namen für eine eigene Kopfhörer-Linie.

Der vorläufige Höhepunkt: AKG wurde 2010 mit dem Technical Grammy Award für herausragende Audiotechnologie ausgezeichnet und stellte das Unternehmen damit in dieselbe Reihe mit Größen wie Apple, Sony und JBL.

Technical Grammy Award für AKG
AKG wird 2010 mit dem Technical Grammy Award ausgezeichnet © Bild: AKG

Schwierige Zeiten
Für die Österreicher verlief die Geschichte aber nicht immer glatt. Brachten die 1970er noch einen erfolgreichen Börsengang und die Anmeldung des 1000. Patents, schlug sich die wirtschaftliche Rezession anfangs der 1990er als erste negative Bilanz der Firmengeschichte nieder. Der Harman-Konzern aus den USA, dem auch Marken wie JBL, Becker oder Infinity gehören, schluckte in den Folgejahren 100 Prozent des einstigen Familienbetriebs.

Dass man trotzdem österreichisch ist, darauf besteht man bei AKG aber weiterhin. Am Wiener Standort erfolgt auch heute noch die gesamte Produktentwicklung sowie die Fertigung sensibler Produkte.

Mehr zum Thema

  • "Stimme ist das ultimative Musikinstrument"
  • Mit AKG und Carl Craig an der Spree
  • Bose OE2i: Nicht ganz weiß, aber sauberer Sound
  • Geräuschunterdrückende Kopfhörer im Test
  • Harman: Lauschangriff im Soundlabor
( futurezone ) Erstellt am 18.11.2012