Riesenandrang beim Börsendebüt

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Internet-Händler
09/20/2014

Alibaba nach Börsengang 231 Milliarden Dollar wert

Der chinesische Internethändler Alibaba hat am ersten Tag einen fulminanten Kurssprung von 36 Prozent auf 92,70 Dollar hingelegt. Es ist der größte Börsengang aller Zeiten.

Alibaba hat die Wall Street mit dem weltgrößten Börsengang aller Zeiten in Euphorie versetzt. Mit dem Schlusskurs ist der chinesische Internet-Händler Alibaba am Freitag rund 231 Mrd. US-Dollar (179,46 Mrd. Euro) wert, mehr als alteingesessene US-Konzerne wie Walt Disney und Coca- Cola und noch einmal 62 Mrd. US-Dollar mehr als zum Ausgabepreis. Mit einem Kurssprung zum Start um 36 Prozent auf 92,70 US-Dollar (72,02 Euro) legte Alibaba am Freitag ein furioses Debüt hin. Wenig später kostete das begehrte Papier sogar 99,70 Dollar, bevor der Kurs zum Handelsschluss wieder auf rund 93,89 Dollar nachgab und mit einem Plus von 38,07 Prozent aus dem Handel ging.

Stundenlange Verspätung

Es dauerte angesichts einer Flut von Kaufaufträgen fast zweieinhalb Stunden, ehe die New Yorker Börse überhaupt einen ersten Kurs nennen konnte. Viele Anleger, die bei der Zuteilung leer ausgegangen waren, wollten die Titel offenbar zu fast jedem Preis in ihren Depots haben. „Das ist der größte Börsengang, den die Welt je gesehen hat, deshalb herrscht Feierstimmung auf dem Parkett - ob man will oder nicht“, sagte Händler Benedict Willis von Sunrise Securities.

Dabei waren die Papiere schon zum Höchstpreis von 68 US-Dollar ausgegeben worden. Die Investoren rissen dem Unternehmen, das vor 15 Jahren von dem Englischlehrer Jack Ma gegründet worden war, die Aktien aus den Händen. Alibaba verkaufte Papiere für 25 Mrd. US-Dollar, zwei Drittel des Geldes gehen an die bisherigen Investoren wie den US-Internetkonzern Yahoo, der mit dem Verkauf von Alibaba-Aktien allein acht Mrd. Dollar kassierte. Den bisherigen Rekord hatte seit 2010 die chinesische AgBank mit 22,1 Mrd. US-Dollar gehalten, in New York wurde der Kreditkartenanbieter Visa als Rekordhalter abgelöst.

Selbst Experten überrascht

Experten hatten im Vorfeld nur mit einem Kurssprung von zehn bis 15 Prozent gerechnet. Die New Yorker Börse Nyse hatte sich für den Ansturm gewappnet: Sie ließ ihre Systeme gleich in zwei Probeläufen auf Herz und Nieren testen, um keine Pleite zu erleben wie die US-Technologiebörse Nasdaq vor zwei Jahren bei der Erstnotiz von Facebook. Damals war der Handel unter der Flut von Aufträgen schier zusammengebrochen. Die Kurse waren um Stunden verspätet, viele Anleger verloren Geld. Daher hatte sich Alibaba für die Nyse als Börsenplatz entschieden. In den USA erhofft sich das Unternehmen Zugang zu einer deutlich größeren Zahl von Investoren.

Nach Angaben des führenden US-Aktienhändlers TD Ameritrade erreichte das Ordervolumen für Alibaba am Freitag noch vor dem ersten Kurs gut zwei Drittel der Kaufaufträge am ersten Handelstag von Facebook - und das Dreifache des Volumens bei Twitter. Viele Investoren waren bei der Zuteilung von Alibaba-Aktien leer ausgegangen oder enttäuscht worden. Ein Anleger berichtete, er habe 200.000 Papiere für 13,6 Mio. US-Dollar bestellt, aber nur 1.000 erhalten. 35 bis 40 Investoren, unter ihnen der Fondsriese Blackrock, hatten jeweils für mehr als eine Milliarde Dollar Alibaba-Papiere geordert, wie es in Finanzkreisen hieß.

Größer als Amazon und eBay

15 Jahre nach der Gründung in Mas Ein-Zimmer-Wohnung wickelt Alibaba mehr Geschäfte ab als Amazon und eBay zusammen. Rund 80 Prozent der Online-Umsätze in China, der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt, gehen auf das Konto von Alibaba. Von April bis Juni schossen die Umsätze um 46 Prozent nach oben, und anders als viele Internetfirmen schreibt das Unternehmen Gewinn: 1,99 Mrd. US-Dollar waren es in diesen drei Monaten.