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Cloud
10/19/2012

Alle gegen Google: Fünfkampf um das Internet

Noch verteilt sich unsere Internet-Nutzung auf die Online-Dienste und Geräte von verschiedenen Konzernen. Doch Apple, Google, Facebook, Amazon und Microsoft wäre es am liebsten, wenn man seine Internet-Aktivitäten ausschließlich über ihre Hardware und Software abwickeln würde.

von Jakob Steinschaden

Amazon ist ein Online-Shop, Apple der iPhone-Macher, Google die Internet-Suche, Facebook das Online-Netzwerk und Microsoft die Betriebssystem-Firma - oder? Sieht man sich die Entwicklungen der jüngeren Zeit an, dann drängen die fünf großen IT-Konzerne alle auf das selbe Ziel hin: die Internet-Cloud und die Geräte, mit denen man auf die Cloud zugreift (a.k.a. Smartphones und Tablets).

Die künftigen Alleinunterhalter
Von Software über Games, Bücher, Filme bis zur Musik - Google, Apple, Amazon, Facebook und Microsoft wollen zu Vollversorgern und Alleinunterhaltern werden - also Firmen, die dem Nutzer alles aus einer Hand bieten können. Parallel dazu wollen die fünf IT-Konzerne auch die passende Hardware, mit der man von überall auf den Content zugreifen kann, verkaufen. Apple, Amazon und Microsoft haben solche Geräte bereits am Markt bzw. vorgestellt, Google hat sich Motorola eingekauft, und Facebook dürfte zumindest mit dem Gedanken gespielt haben, ein eigenes Smartphone zu bauen.

Die Dominanz der Fünf über immer größere Teile des Internet hat Konsequenzen für die Netzfreiheit. Die Hausregeln der Konzerne bestimmen, was online bleibt und was offline gehen muss - in der jüngeren Vergangenheit gab es immer wieder Vorfälle von Löschungen. Amazon kann Bücher aus der Ferne von Kindle-Geräten entfernen, Apple Anwendungen aus dem App Store werfen, Facebook Fotos und Profile sperren. Umso wichtiger ist es, den derzeitigen Fünfkampf um das Internet genau im Auge zu behalten.

Amazon: Auf dem Weg zum Alles-Anbieter

Warum manche Menschen Amazon noch als Online-Buchhändler betrachten, ist eigentlich rätselhaft. Denn Jeff Bezos lässt seine Firma mittlerweile auf ziemlich vielen Hochzeiten tanzen, was die Cloud angeht. Amazon macht Apples iTunes Match Konkurrenz, verkauft mehr E-Books als Bücher, hat angeblich ein Smartphone in Planung und außerdem die halbe Web-2.0-Welt auf seinen Servern laufen.

Das Kindle-Fire-Tablet fungiert als Tür zum reichhaltigen Bezahl-Angebot. Günstig in der Anschaffung soll es in Folge viele Dollar aus den Börsen der Nutzer locken - denn hat man einmal seinen Amazon-Account mit dem Tablet verknüpft, sind Filme, Musik, E-Books und Apps nur wenige Klicks entfernt.

Die große Herausforderung für Amazon ist derzeit, sein Cloud-Angebot auch außerhalb der USA anbieten zu können - da spielen die Lizenzinhaber derzeit offensichtlich nur in wenigen Märkten, etwa Großbritannien Deutschland, mit. Außerdem kann Amazon noch nicht alleine: Für den Kindle Fire braucht man noch Googles Android-Betriebssystem als Fundament, und auch der App Store basiert auf Google. Dass sich Amazon von Google aber mittelfristig loslösen will, zeigt unter anderem, dass man an einem Google-Maps-Ersatz bastelt.

Apple: Das gar nicht so leichte Online-Geschäft

Apple ist, wie man in den USA so schön sagt, der "800-Pfund-Gorilla" der Branche, an dem es keinen Weg vorbei gibt. Ende August war die Firma gar mehr wert als Facebook, Amazon, Google und Microsoft zusammen - vor allem dank Cashcow iPhone, das grob für 50 Prozent der Einnahmen sorgt. Das ist nicht ganz unproblematisch: Während die Smartphone-Konkurrenz mit immer neuen Features und Geräten zumindest technisch davonzieht, konnte das fade iPhone 5 nicht unbedingt jeden verzaubern.

Beim Internet-Geschäft tut sich Apple derweil noch schwer. Die iCloud versucht man, iPhone- und iPad-Nutzern mit ständigen Pop-ups am Screen ("not enough Storage für Back-up") anzudrehen, und der Start der hauseigenen Karten als Google-Maps-Ersatz war derart desaströs, dass sich Tim Cook offiziell dafür entschuldigte. Die iCloud selbst kann mit Googles Angeboten längst nicht mithalten. Auch mit dem Start eines eigenen Streaming-Dienstes à la Spotify hatte man bis dato kein Glück - offenbar machte Sony Music einen Strich durch die Rechnung. Mit dem iTunes Store im Rücken ist Apple bei der Distribution von digitalem Content aber eine Macht.

Einmal abgesehen von den App-Anbietern geht es für Apple derzeit aber nicht ohne Partner: Die Deals mit Facebook und Twitter sichern, dass das mobile Betriebssystem "social" und somit einen direkten Draht zu den beiden führenden Online-Netzwerken hat - denn eigene Social-Media-Dienste sind auch nicht unbedingt Apples Sache, siehe Ping.

Facebook: Suchmaschine und Smartphone im Visier

Seit dem Börsengang von Facebook wird man das Gefühl nicht los, dass die Marketing-Abteilung den "product people" das Ruder aus der Hand gerissen hat. Die Entwickler-Konferenz, die eigentlich jährlich neue Features (z.B. Open Graph) bereithält, wurde 2012 abgesagt - stattdessen werden immer neue Werbeformen auf die Nutzerschaft losgelassen, die für die notwendige Monetarisierung sorgen sollen.

Im Hintergrund sitzt Zuckerbergs Produktabteilung aber sicher nicht still. Der Facebook-Chef macht kein Geheimnis daraus, dass man an einer eigenen Suchmaschine arbeitet, die Google den Rang ablaufen soll - schon heute sollen pro Tag eine Milliarde Anfragen in das Suchfeld oben auf der Facebook-Seite getippt werden. Und auch die Smartphone-Gerüchte kehren alle paar Monate zurück. Viele Insider glauben zu wissen, dass Facebook ein mobiles Betriebssystem entwickelt.

Bis es soweit ist, ist Facebook auf Partnerschaften angewiesen: Die mobilen Betriebssystem iOS (Apple) und Windows Phone (Microsoft) haben das Online-Netzwerk tief integriert, und Microsoft (ein Facebook-Investor) liefert Facebook seine Bing Maps zu. Zusätzlich muss Facebook darauf achten, dass andere Web-Firmen die nötige Unterhaltung zuliefern - etwa Musik von Spotify oder Games von Zynga.

Google: Umzingelt von der Konkurrenz

Als nach wie vor führender Internet-Konzern hat man es in Mountain View nicht leicht - immerhin wollen unzählige andere Firmen am Online-Kuchen mitnaschen. Google kämpft an vielen Fronten und muss seine Cloud (die größte der Welt) verteidigen. Dropbox und Co. etwa musste man mit dem Start des Online-Speichers Google Drive Einhalt gebieten.

Google hat aber auch die Kraft, den vier anderen Hightech-Giganten Paroli zu bieten. Mit dem mobilen Betriebssystem konnte man Apples iOS in Sachen Marktanteilen überholen, Google+ gegen Facebook launchen, das Nexus-7-Tablet gegen Amazons Kindle Fire und Apples iPad auf den Markt werfen und mit dem Browser Chrome, dem Betriebssystem ChromeOS und den kostenlosen Online-Büroprogrammen eine ganze Palette an Produkten gegen Microsoft abfeuern. Dass nicht alles aus dem noblen Motiv passiert, sämtliches Wissen der Welt zugänglich zu machen, wird aus internen Dokumenten klar: So wollte Google mit den Buch-Scans Amazon die Schneid` abkaufen.

Und Partnerschaften mit den anderen großen IT-Konzernen? Die braucht Google, einmal abgesehen von den App-Anbietern im Play Store und den Herstellern von mobilen Geräten, offensichtlich nicht.

Microsoft: Ein Riese gerät ins Hintertreffen

Einst die größte IT-Firma der Welt, musste sich Microsoft in der jüngeren Vergangenheit zuerst von Apple und dann zeitweise von Google in Sachen Börsenwert überholen lassen. Kampflos will man den Rivalen die neuen Milliardenmärkte "Mobile" und "Cloud" aber natürlich nicht überlassen - weswegen der Branche ein interessanter Herbst 2012 bevorsteht.

Mit Windows 8 setzt Microsoft nicht nur auf die Symbiose von herkömmlichem Desktop und moderner Mobilität, sondern auch auf eine Verzahnung mit der eigenen SkyDrive-Cloud. Mit Office365 schießt man gegen Googles Gratis-Cloud, mit Xbox Music gegen alle anderen Anbieter von Online-Musik. Und: CEO Steve Ballmer legt plötzlich großen Wert darauf, eigene Hardware zu produzieren, die in Gestalt der Surface-Tablets Ende Oktober das Licht der Welt erblicken und sich gerüchtehalber als hauseigenes Smartphone 2013 manifestieren wird. Außerdem kann Microsoft seine Spiel-Konsole Xbox360 weiter als Entertainment-Maschine in den Wohnzimmern gegen Apple, Google und Amazon ausbauen.

Microsoft kann aber auch nicht ohne Partner: Als Facebook-Investor hat man das Online-Netzwerk in die Bing-Suche integriert, um sich von Google abheben zu können. Im Hintergrund wird derweil zumindest versucht, Facebook und Google+ etwas entgegensetzen zu können - siehe So.cl.

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Dieser Artikel beinhaltet Auszüge aus dem neuen Sachbuch "Digitaler Frühling - Wer das Netz hat, hat die Macht?" von futurezone-Redakteur Jakob Steinschaden. Es behandelt neue Phänomene wie die Arabischen Revolutionen, Occupy, WikiLeaks, Anonymous und Piratenparteien und zeigt auf, wie diese und andere Netzbewegungen zusammenhängen. "Digitaler Frühling ist bei Ueberreuter  erschienen und kostet 16,95 Euro.

Mitarbeiter: 65.000+
Umsatz Q2 2012: 12,83 Mrd. Dollar
Gewinn Q2 2012: 7 Mio. Dollar
CEO: Jeff Bezos
Börsenwert: 111 Mrd. Dollar
Gründung: 1995

Mitarbeiter: 70.000+
Umsatz Q3 2012: 35 Mrd. Dollar
Gewinn Q3 2012: 8,8 Mrd. Dollar
CEO: Tim Cook
Börsenwert: 604 Mrd. Dollar
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Mitarbeiter: 4000+
Umsatz Q2 2012: 1,18 Mrd. Dollar
Gewinn Q2 2012: -157 Mio. Dollar
CEO: Mark Zuckerberg
Börsenwert: 43 Mrd. Dollar
Gründung: 2004

Mitarbeiter: 30.000+
Umsatz Q3 2012: 14,1 Mrd. Dollar
Gewinn Q3 2012: 2,2 Mrd. Dollar
CEO: Larry Page
Börsenwert: 225 Mrd. Dollar
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Mitarbeiter: 94.000+
Umsatz Q1 2013: 16,0 Mrd. Dollar
Gewinn Q1 2013: 4,5 Mrd. Dollar
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Börsenwert: 247 Mrd. Dollar
Gründung: 1975