B2B
16.02.2013

Amazon nach TV-Doku unter Zugzwang

Der Chef der hessischen Arbeitsagenturen hat sich besorgt über die Arbeitsbedingungen von Saisonarbeitern beim Versandhändler Amazon gezeigt. Die rund 2.500 fix angestellten Beschäftigten im Amazon-Logistikzentrum Graben bei Augsburg haben zudem erstmals einen Betriebsrat gewählt.

Der Leiter der Regionaldirektion Hessen, Frank Martin, verlangte am Freitag von dem US-Unternehmen Amazon schnellstmögliche Aufklärung „derzeit nicht transparenter Sachverhalte“. In einer ARD-Fernsehreportage waren miserable Lebensbedingungen und die Ausbeutung von ausländischen Leiharbeitern am Amazon-Standort Bad Hersfeld gezeigt worden.

"Ansehen Deutschlands wird zutiefst beschädigt"
Die Menschen sollen von privaten Sicherheitsdiensten schikaniert worden sein.Die Vorwürfe stellten auch Aktivitäten infrage, im Ausland Arbeitnehmer anzuwerben und somit den Bedarf an Fachkräften für die deutsche Wirtschaft zu sichern, erklärte Martin in einer Mitteilung.

„Die in der Fernsehdokumentation geschilderten Lebens- und Arbeitsbedingungen der spanischen Saison-Arbeitskräfte beschädigen das Ansehen Deutschland zutiefst. Nicht erst seit der letzten OSZE-Studie wissen wir, dass Deutschland nicht zu den begehrten Einwandererländern gehört.“

Betriebsrat gewählt
Die rund 2.500 fix Beschäftigten im Amazon-Logistikzentrum Graben bei Augsburg haben zudem einen Betriebsrat gewählt. Der zuständige ver.di-Gewerkschaftssekretär Thomas Gürlebeck sagte am Freitag: „Das war mehr als überfällig und ist ein großer Schritt zu besseren Arbeitsbedingungen bei Amazon.“

Obwohl viele Beschäftigte den Druck ihrer Vorgesetzten fürchteten, sei eine Wahlbeteiligung von 60 Prozent erreicht worden. „Der Betriebsrat und wir werden Amazon beim Wort nehmen, um bei Verbesserungen der konkreten Arbeitssituation voran zu kommen“, sagte der Gewerkschafter.

Erster Verlag zieht sich von Amazon zurück
Mit Ch. Schroer kündigte zudem laut "Focus" der erste Verlag dem Online-Versandhändler Amazon. „Sie sind, waren es nie und werden es wohl auch zukünftig nicht werden: ein Unternehmen, das Menschen wie Menschen, das Verlage wie Partner, das Kunden wie Könige und Kaiser behandelt", heißt es in einem offenen Brief des Geschäftsführers Christopher Schroer. „Wir können daher nur die Konsequenzen ziehen und sagen ,Adieu!` Und eigentlich sind wir froh darüber, einen so schwierigen Geschäftspartner los zu sein."

Auf der deutschsprachigen Facebook-Seite des US-Unternehmens verkündeten zudem zahlreiche Internet-Nutzer ihren Ärger und drohten damit, nicht mehr beim Online-Händer kaufen zu wollen. Einige kritische Beiträge wurden laut Nutzer-Angaben umgehend gelöscht.

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