B2B
11.08.2014

Amazon nimmt im Preisstreit auch Disney ins Visier

Erst das Verlagshaus Hachette und Time Warner, nun wohl auch Walt Disney: Der Versandriese Amazon weitet seine harte Verhandlungstaktik um niedrigere Preise aus.

Kurz vor den Verkaufsstarts der DVDs und Blu-rays „Captain America“ und „Die dunkle Fee“ von Disney hat Amazon die Funktion für Vorbestellungen in seinem Marktplatz deaktiviert. Wie zuerst das Fachblatt „Home Media Magazine“ bemerkte, galt dies für nahezu alle neuen Disney-Titel.

Die Situation erinnert an Konflikte zwischen Amazon und Time Warner sowie dem Verlag Hachette. In beiden Fällen baute das Versandportal auf diese Weise Druck bei den Verhandlungen um neue Vertriebs-Deals auf. Warner-Filme waren deshalb von Mitte Mai bis Ende Juni nicht vorbestellbar. Ob sich zwischen Walt Disney und Amazon ähnliches anbahnt, ließ sich zunächst nicht aufklären. Die Unternehmen halten sich bislang bedeckt.

Protestschreiben

Mehr als 900 Schriftsteller, darunter berühmte Autoren wie Stephen King oder John Grisham, hatten das Vorgehen von Amazon im Streit um E-Book-Preise zuvor in einem ganzseitigen Inserat in der „New York Timesscharf verurteilt. „Weder Leser noch Autoren profitieren davon, dass Bücher als Geiseln genommen werden“, schrieben sie in einem offenen Brief.

Amazon konterte den Vorstoß der Schriftsteller mit einem eigenen offenen Brief. Darin heißt es unter anderem, Literatur müsse günstiger werden, da sie mit vielen anderen Medien im Wettbewerb stehe. „Bücher konkurrieren mit mobilen Spielen, Fernsehen, Filmen, Facebook, Blogs, kostenlosen Nachrichten-Websites und mehr.“

Das Unternehmen verwies auch erneut auf frühere Berechnungen, wonach mit niedrigeren E-Book-Preisen wie 9,99 Dollar viel mehr Bücher verkauft würden als etwa bei 14,99 Dollar, so dass Schriftsteller und Verlage am Ende sogar mehr verdienen würden.

Missglückter Vergleich

Im einem Versuch, historische Parallelen zu ziehen, schrieb Amazon auch, einst habe der berühmte Autor George Orwell („1984“) dazu aufgerufen, Taschenbücher zu verbieten. Allerdings wird aus dem Kontext des Zitats eher klar, dass Orwell ganz im Gegenteil auf die Preisvorteile der damals neuen Taschenbücher des Penguin-Verlags hingewiesen hatte: Sie böten so viel Wert für ihr Geld, dass andere Verlage sich eigentlich dagegen verbünden müssten.

Amazon hatte früh auf digitale Bücher gesetzt und mit Preisen bei 9,99 Dollar das Geschäft in den USA zunächst dominiert. US-Verlage nutzten den Start von Apples E-Book-Store auf dem iPad-Tablet, um ein Modell nach dem Muster der in Europa verbreiteten Buchpreisbindung durchzusetzen, bei dem sie selbst und nicht der Händler den Preis bestimmen können.

Nach Einschreiten von US-Behörden wurde dieses Verfahren jedoch gekippt, und Amazon kann wieder die Bücher bei Verlagen zum Großhandelspreis beziehen. Hachette stemmt sich in Verhandlungen über einen neuen E-Book-Deal gegen den von Amazon geforderten niedrigeren Preis bei 9,99 Dollar.

Streit auch in Deutschland

Einen ähnlichen Streit um die Preise für E-Books gibt es in Deutschland. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels beschwerte sich beim Bundeskartellamt über den Online-Händler. Amazon wies den Vorwurf zurück, im Zuge von Verhandlungen die Auslieferung gedruckter Bücher aus der Verlagsgruppe Bonnier (Ullstein, Piper, Carlsen) zu verzögern.