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Medientreff Ametsreiter: "Internet-Fernsehen ist TV-Zukunft".

Foto: Hans Peter Bader/reuters
A1 Telekom Austria-Chef Hannes Ametsreiter spricht vor österreichischen Zeitungsverlegern im Lungau über die rasanten Entwicklungen im Internet- und Fernseh-Bereich und die meistgenutzte Medienplattform der Zukunft. Apple wirft er Zensur vor.

Mit aktuellen Zeitungs- und Fernseh-Trends beschäftigt sich der Verband Österreichischer Zeitungen (VÖZ) derzeit bei seiner diesjährigen Klausur im Salzburger Lungau. A1 Telekom Austria-Chef Hannes Ametsreiter wies die versammelten Zeitungsverleger auf die rasanten Entwicklungen im Internet- und Fernseh-Bereich hin. „Das Fernsehen der Zukunft wird Internet-Fernsehen sein, und die Zukunft des Fernsehens ist non-lineares TV“, so Ametsreiter. Das zur Telekom gehörende aon.TV, das diese Form des zeitversetzten Fernsehens schon seit einiger Zeit ermöglicht, verkaufe derzeit bereits 300.000 Videos im Monat. Dies führe zu einer zunehmenden Individualisierung des Fernsehkonsums.

Sim-Karten in Autos
Meistbenutzte Medienplattform der Zukunft wird nach Meinung des A1-Chefs das Handy werden. Derzeit seien weltweit fünf Milliarden Sim-Karten im Einsatz, im Jahr 2020 sollen es nach Expertenschätzungen bereits 50 Milliarden sein. Bandbreiten würden weiter steigen und „irre Möglichkeiten“ bieten. „In Zukunft wird jedes Auto, jede Kamera, jedes Diktiergerät eine Sim-Karte haben“, glaubt Ametsreiter. Auch Apps würden weiter boomen. Schon jetzt herrsche ein harter Wettbewerb unter den verschiedenen App-Plattformen. Den Musikmarkt sieht Ametsreiter gelaufen. „Sie haben keine Chance gegen iTunes. Der nächste Battle-Markt sind Filme.“

Kritik an Apple
Kritik ließ der A1-Boss dabei an Apple anklingen. Der mit iPhone, iPad, iTunes und seinem App-Store erfolgreiche US-Konzern verlange seinen Vertragspartnern einiges ab, was unter normalen Umständen nur schwer zu akzeptieren wäre. „Apple zensuriert gnadenlos.“

Renate Köcher, Geschäftsführerin des angesehenen deutschen Institugs für Demoskopie Allensbach, forderte unterdessen „mehr Kampfgeist“ von den Zeitungsverlegern. „Derzeit verhalten sich manche Verlage wie die Kirche, die jedes Jahr eine Austrittswelle hinnimmt“, so Köcher. Die Tageszeitungen müssten Visionen entwickeln, um vor allem junge Leser wieder stärker zu gewinnen.

Die Demoskopin ortet einen steilen Rückgang bei der Tageszeitungslektüre Jugendlicher. „Vor allem junge Männer mit einfacher Schulbildung verabschieden sich zunehmend vom Lesen.“ Die junge Generation müsse deshalb wieder stärker an Zeitungslektüre gewöhnt werden.

Im Netz "Schlagzeilen-orientiert"
Untersuchungen zeigten eine „Verengung des Interessensspektrums bei jungen Männern in den letzten zehn Jahren, insbesondere bei den Themenfeldern Politik und Wirtschaft“. Im Internet würden Jüngere eher nur die Themen abholen, die ohnehin interessieren. Und: „Im Internet ist das Informationsverhalten eher Schlagzeilen- und Ereignis-orientiert, während Printmedien bei ihren Lesern ein breites Spektrum an Interessen fördern. Print generiert ein umfassendes Interessensspektrum.“

Beim Konsumverhalten zeige sich ein „Trend zur ereignisorientierten Mediennutzung“. Immer öfter erlebe man „ganz heftige kurze Aufregungszyklen, bei denen es große Aufmerksamkeit gibt und die Nutzer und Massen zusammenlaufen“. EHEC oder Fukushima nannte Köcher als Beispiele. In unaufgeregten Zeiten würde sich die Themennutzung dann wieder individualisieren.

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(apa, futurezone) Erstellt am 29.05.2011, 10:30

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