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Web-Business
03/24/2011

AngelList vernetzt Start-ups mit Geldgebern

Die Idee steht, aber wie kommt man jetzt ans Startkapital? Ein neuer Web-Dienst aus den USA will jungen Start-ups Zugang zu Business Angels verschaffen. AngelList konnte schon erste, kleine Erfolge erzielen, ist in Investorenkreisen aber nicht unumstritten.

von Jakob Steinschaden

“Boom goes the dynamite”: Bescheiden tritt der Web-Dienst AngelList, der derzeit für Furore im Silicon Valley sorgt, nicht unbedingt auf. Und das, obwohl die Webseite weder auf ein Millionenpublikum abzielt noch als das nächste Facebook gehandelt wird. Ihr Nutzerkreis ist viel zu eingeschränkt, ihre Funktion zu spezifisch: AngelList will als Online-Netzwerk für Menschen im Start-up-Geschäft dienen. Das Ziel: blutjunge Internetfirmen mit erfahrenen Geldgebern zu vernetzen und umgekehrt Investoren die Recherchen nach dem "next big thing" zu erleichtern.

Bis dato will AngelList 275 Start-ups zu einer Investmentrunde verholfen und 417 Investoren zum Geldausgeben bewogen haben - weshalb der renommierte US-Blogger Robert Scoble die Plattform bereits als “neue Hype-Maschine des Silicon Valleybezeichnet hat.

Schnelles Geld über Kontakte
Paradebeispiel für die erfolgreiche Vernetzung ist die Facebook-Anwendung BranchOut, die Mitglieder des Online-Netzwerks Jobs vermitteln will und derzeit bei mehr als 500.000 Nutzern hält. Die kleine Firma von Gründer Rick Marini konnte für seine 6-Millionen-Dollar-Runde neben Accel Partners (Facebook, Qriously, uvm.) via AngelList erfolgreich Kontakt zu den Geldgebern Ben Ling (Google, Facebook, YouTube), Othman Laraki (Twitter), Dave Morin (Facebook) und Naval Ravikant (VentureHacks) herstellen.

Letztgenannter ist übrigens auch gleichzeitig Mitgründer des Insider-Netzwerks, das er gemeinsam mit seinem VentureHacks-Partner Babak Nivi 2010 aus der Taufe hob. Ravikant - er selbst hat bei Twitter und Foursquare investiert - will mit AngelList jungen Start-ups das Leben leichter machen und ihnen helfen, schneller Kontakte zu Angel-Investoren zu knüpfen. Eigen ist der Webseite übrigens ihr Humor, der viel Punkte durchzieht: So kann man die gefragtesten Start-ups des Tages, des Monats und auch des Jahrhunderts abrufen.

Von Rang und Namen
Vertreten ist auf AngelList alles, was im Silicon Valley Rang und Namen hat. Wie eine Analyse von Techcrunch zeigt, haben sich bereits Vertreter von Accel, Andreessen Horowitz, Sequoia Capital, Index Ventures oder Google Ventures eingeloggt, einige Hundert Start-ups sind bereits bei ihnen vorstellig geworden.

Auch der österreichische Investor Christian Leeb, der an den heimischen Internet-Firmen Garmz, Jajah, Twingz und Bilbone beteiligt ist, ist bei AngelList als verifizierter Angel vertreten. Ihm gefalle gut, dass man "Start-ups und anderen Investoren folgen kann, wie man es von Twitter kennt." Daraus würden tages- wochen- und monatsaktuelle Bestenlisten errechnet, wer am meisten Follower hat und somit am interessantesten ist - ein wichtiges Indiz für künftige Beteiligungen.

Regelwerk mit Augenzwinkern
Mitmachen kann bei AngelList im Prinzip jeder. Als junges Start-up trägt man sich mit Namen (“If you include Inc, LCC, Corporation, Ltd. or .com we will kill you”) ein und beschreibt seine Funktionsweise in maximal 90 Zeichen. AngelList rät dabei, mögliche Investoren einen klaren Anhaltspunkt zu vergleichbaren Web-Diensten zu geben. So könne man YouTube etwa als “Flickr für Video” bezeichnen. Dann geht es ans Eingemachte: Junge Web-Firmen geben an, wie viel Geld sie brauchen und bei welcher Bewertung man derzeit hält. Daraus können Investoren errechnen, wie viel sie der Kauf von einigen Prozent des Start-ups kosten würde.

Wer indes als Investor bei AngelList auftreten möchte, muss eine Hürde überwinden können ("This disclaimer is to save our butts"). Drei andere bereits von AngelList akzeptierte Investoren müssen ihm entweder auf Twitter folgen oder per eMail der Aktivierung seines Accounts zustimmen. Indem die bestehende Community vertrauenswürdige Personen aufnimmt (“social proof”), will AngelList windige Geschäftemacher von der Webseite fernhalten.

Investoren unter Gruppenzwang
AngelList ist derweil nicht unumstritten: So löschte kürzlich der renommierte Investor Bryce Roberts (Bit.ly, Foursquare) sein Profil, wie er in einem Blog-Eintrag verriet. “Dieser `social proof´ verwandelt sich in eine Form von Gruppendruck, bei der sich Angels gezwungen fühlen zu investieren, um nicht das Boot zu verpassen, auf dem alle sitzen. Niemand will am Dock zurückbleiben, wenn das nächste Google den Hafen verlässt”, so Roberts.

Ob sich AngelList mittelfristig durchsetzen kann, bleibt abzuwarten. Im Februar 2008 startete etwa der Web-Dienst YouNoodle aus San Francisco, der die künftigen Bewertungen von Internet-Ideen mit seinem “Startup predictor”  vorhersagen wollte und damit ein Werkzeug für Investoren sein hätte sollen. Bis auf den Hype rund um sich selbst schlug YouNoodle aber keine weiteren Wellen.

Als Angel Investor oder “Business Angel” werden Personen bezeichnet, die sich in einer sehr frühen Phase an einem Unternehmen beteiligen und außerdem mit Geschäftskontakten und Know-How aushelfen. Typisch sind Summen zwischen 50.000 und 500.000 Dollar, für die ein Start-up zwischen ein und zehn Prozent der Firmenanteile abgibt.

Davon unterscheiden sich Venture Capitalists (VCs, Risikokapitalgeber): Sie steigen bei Start-ups meist erst dann ein, wenn bereits Geld gemacht wird, dann aber mit sehr viel höheren Summen. Zu den wichtigsten VCs im Silicon Valley zählen Accel Partners, Sequioa Capital oder Benchmark Capital.

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