B2B
25.08.2012

Apple jubelt, Samsung fürchtet höhere Preise

Apple-Chef Tim Cook zeigte sich in einer E-Mail an seine Mitarbeiter sehr erfreut über das Urteil im Patentprozess gegen den südkoreanischen Rivalen Samsung, der zu einer Strafzahlung von mehr als einer Milliarde Dollar verdonnert wurde. Samsung sieht darin eine Gefahr für die Innovation, Branchenkenner fürchten negative Auswirkungen auf Produktvielfalt und weitere Prozesse.

Das Urteil im Patentprozess "Apple gegen Samsung" (der südkoreanische Hersteller muss dem iPhone-Hersteller 1,05 Milliarden Dollar zahlen, die

) hat bereits erste (logische) Folgen: Die Apple-Aktie erreichte nachbörslich einen neuen Höchststand bei rund 675 Dollar. Auch Apple-Chef Tim Cook drückte sogleich seine Freude über das Ergebnis aus. Er bedankte sich bei den Geschworenen für eine „klare Botschaft, dass Diebstahl nicht rechtens ist“.

„Der Berg an Beweismaterial zeigte in dem Prozess, dass das Kopieren durch Samsung noch tiefer ging als selbst uns bekannt war“, hieß es in einer E-Mail von Cook an die Apple-Mitarbeiter, aus der auch Sätze als offizielle Erklärung verbreitet wurden. Bei den Klagen zwischen Apple und Samsung sei es um viel mehr als Patente oder Geld gegangen: „Es ging um Werte“, wie etwa Originalität und Innovation. Apple habe nur widerwillig zu den Klagen gegriffen und Samsung zuvor immer wieder gewarnt.

Verlierer könnten die Konsumenten sein
Samsung sprach in einer ersten Reaktion von einer Niederlage für die amerikanischen Verbraucher: „Das wird zu weniger Auswahl, weniger Innovation und potenziell höheren Preisen führen.“ Es sei bedauerlich, dass das Patentsystem einem Unternehmen ein Monopol über Rechtecke mit abgerundeten Ecken geben könne, hieß es in Anspielung auf Apples Designmuster. „Das ist nicht das letzte Wort in diesem Fall oder in den Schlachten, die vor Gerichten rund um die Welt geführt werden.“ Einige dieser Gerichte hätten viele Vorwürfe von Apple bereits zurückgewiesen.

"Firmen müssen in Zukunft genau abschätzen, wie sehr sie ihre Produkte wie jene der Konkurrenz aussehen lassen und ob die Icons ähnlich aussehen sollen", sagte der US-Patent-Experte Robert W. Dickerson Jr. gegenüber der New York Times. Er wie andere fürchten, dass das Urteil erhebliche Auswirkungen auf die Produktvielfalt haben könnte.

Gar nicht so schlecht für Samsung
Eine interessante Meinung vertritt der Tech-Blogger Robert Scoble. Er meint, dass das Urteil eigentlich ein Gewinn für Samsung sei. So hätte es dem Unternehmen nur eine Milliarde Dollar gekostet, zur profitabelsten Mobile-Firma hinter Apple zu werden und HTC und RIM am US-Markt hinter sich zu lassen.

Die vom US-Gericht festgelegte Schadenersatz-Summe von etwa einer Milliarde Dollar muss außerdem in Beziehung gesetzt werden zu den 21 Milliarden Dollar, die der weltgrößte Elektronik-Konzern auf der Hand hat. Die Summe macht zudem gerade 1,5 Prozent von Samsungs jährlichem Umsatz in der Telekom-Sparte aus. Samsungs Nettogewinn allein im Quartal von April bis Juni betrug 4,5 Milliarden Dollar.

Auch ein etwaiges Verkaufsverbot für gewisse Samsung-Produkte wäre ein begrenztes Problem. Die Koreaner gelten als „fast executioners“ - sie dürften in der Lage sein, schnell angepasste Produkte auf den Markt zu bringen, sollte ein Verbot tatsächlich greifen. In früheren Fällen hatte Samsung bereits neue Versionen fertig, bevor die Gerichtsverfahren abgeschlossen waren.

„Die Auswirkungen auf Samsung werden sehr begrenzt sein“, sagt daher auch der Patentanwalt D.J. Jung von SU Intellectual Property. Die betroffenen Modelle seien meist älter und bei den neuen Varianten sei das Design schon verändert worden.

Schaden für Samsung-Image
„Trotzdem, es ist eine umfassende Niederlage im wichtigsten Markt. Es ist unvermeidlich, dass Samsungs Marke in Mitleidenschaft gezogen wird“, sagt Jung. Samsung werde nun als Nachahmer gesehen. Dagegen steht, dass dieser und ähnliche Prozesse Samsungs Bekanntheit deutlich erhöht haben. In einer Umfrage zum Branding im asiatisch-pazifischen Raum lag Samsung jüngst an erster Stelle, vor Apple.

Rechnet man die Schadensersatz-Summe auf einzelne Geräte um, verlangt Apple von Samsung etwa zehn Dollar je Mobiltelefon. Sollten die Amerikaner ähnliche Klagen gegen andere Hersteller von Android-Handys anstreben, könnten deren Gewinnmargen angesichts des laufenden Preiskampfes empfindlich getroffen werden. Samsung könnte als einer der wenigen Konzerne diese Kosten auffangen - und damit seine Vormachtstellung sichern.

Neue Prozesse stehen an
Auf Grundlage der Geschworenen-Entscheidung will Apple jetzt Verkaufsverbote für die Samsung-Geräte beantragen. Die Anhörung dazu ist für den 20. September angesetzt. Die meisten Geräte spielen inzwischen aber kaum noch eine Rolle am Markt, da die Klage aus dem Frühjahr 2011 stammt.

Der südkoreanische Technologiekonzern Samsung will das Urteil im Patentstreit mit dem US-Konkurrenten Apple anfechten. Wie das Unternehmen am Samstag in Seoul mitteilte, will es zunächst vor dem Gericht im kalifornischen San José gegen die am Freitag verhängte Strafzahlung von mehr als einer Milliarde Euro (knapp 800 Millionen Euro) vorgehen. Sollte dies nicht zum Erfolg führen, werde ein US-Berufungsgericht eingeschaltet.

Branchenkenner rechnen außerdem damit, dass Apple nun direkt gegen seinen Hauptkonkurrenten Google vorgehen könnte, dessen mobiles Betriebssystem Android die iOS-Geräte marktanteilsmäßig überholt haben. So warf schon Steve Jobs Google immer wieder vor, mit Android das iOS-Betriebssystem kopiert zu haben. Die Klage gegen Samsung galt vielen als Stellvertreter-Prozess gegen den eigentlichen Feind Google.

Außerdem könnte Apple nun weiter gegen Motorola und HTC, zwei seiner wichtigsten Konkurrenten am US-Markt vorgehen, analysiert der britische Guardian. Auch wird mit neuen Gegenangriffen gerechnet - denn Google kann das Patentportfolio seiner Tochterfirma Motorola Mobility weiter gegen Apple ins Feld führen, um Android zu verteidigen.

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