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Bericht
04/29/2012

Apple: Steuertricks sparen Milliarden Dollar

Der iPhone- und iPad-Hersteller fährt regelmäßig massive Umsätze und Gewinne ein. Doch wie die New York Times in einem großen Bericht recherchiert hat, würden diese Profite unter normalen Umständen gar nicht so hoch sein. Denn die Firma ist bei der Wahl seiner Sitze schlau vorgegangen und hat US-Bundesstaaten und Länder gewählt, die als Steueroasen gelten.

Nach einem Artikel über die Zustände in den Fabriken von Apple-Zulieferer Foxconn könnte ein neuer New-York-Times-Bericht wieder für Wirbel rund um Apple sorgen. Ihm zufolge soll die Firma mit Hauptsitz in Kalifornien gekonnt tricksen, wenn es um Steuerzahlungen geht. Apple bewegt sich im legalen Rahmen und spart dabei Miliarden Dollar.

Dem Bericht zufolge hat Apple mit Braeburn Capital (offensichtlich nach einer Apfelsorte benannt) eine Tochterfirma in Reno, Nevada. Der Grund? Die kalifornische Unternehmenssteuer beträgt 8,84 Prozent, jene in Nevada null. Auch im Ausland hat Apple seine Firmensitze schlau gewählt - in Irland, Luxemburg, den Niederlanden oder den British Virgin Islands sind die Steuerbedingungen günstig. In Luxemburg etwa sitzt die Apple-Tochter iTunes S.à r.l., die 2011 für mehr als eine Milliarde Dollar Umsatz sorgte - das sind etwa 20 Prozent der weltweiten iTunes-Umsätze.

Milliarden gespart
Die New York Times zitiert auch eine Studie (PDF) des US-Ökonomen Martin A. Sullivan, der zufolge Apple mit solchen Strategien im vergangenen Jahr 2,4 Milliarden Dollar gespart hat. Im weltweiten Schnitt zahlt Apple eine Steuerrate von 9,8 Prozent (3,3 Mrd. Dollar bei 34,2 Mrd. Dollar Profit 2011). Zum Vergleich: Der US-Konzern Walmart zahlt eine Steuerrate von etwa 24 Prozent.

Der New York Times zufolge ist Apple bei weitem nicht die einzige Hightech-Firma, die mit solchen Taktiken arbeitet. Generell sollen IT-Konzerne es leichter haben, sich in Niedrigsteuerländern anzusedeln, weil sie oft keine physischen Waren verkaufen, sondern mit digitalen Gütern, Software oder Patenten Geld machen. Dutzende IT-Firmen, darunter Cisco oder Microsoft, haben ebenfalls Büros in Nevada eingerichtet.

Kritik an Praktiken
Ein Apple-Sprecher rechtfertigte sich gegenüber der New York Times und sagte, dass seine Firma in der ersten Hälfte des Fiskaljahres 2012 etwa fünf Milliarden Dollar Steuern in den USA gezahlt hätte und diese den Behörden helfen würden.

Apple-Kritiker sehen die Sache anders. Während die Firma gemeinsam mit anderen IT-Konzernen in Kalifornien Steuererleichterungen für sich durchgeboxt haben, würde der Bundesstaat seit 2008 in einer Finanzkrise feststecken. Das De Anza College in Cupertino (unweit von Apples Firmenzentrale) etwa, auf dem Apple-Mitgründer Steve Wozniak Anfang der 1970er war, musste in den vergangenen zwei Jahren tausende Kurse und 8 Prozent der Personalstellen streichen.

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