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Start-up-Geschichten
05/04/2012

Archify: Wiener Start-up zieht nach Berlin

Nicht jeder sieht Wien als fruchtbaren Start-up-Boden: Der von Gerald Bäck und Max Kossatz gegründete Web-Dienst Archify wird künftig von der deutschen Hauptstadt aus operieren. Außerdem ist es gelungen, mit Balderton Capital einen Londoner Investor an Bord zu holen, der einem Branchen-Insider zufolge eine siebenstellige Summe in das Start-up pumpte.

von Jakob Steinschaden

Nach

(Ex-Garmz) und
zieht es das nächste Wiener Start-up ins Ausland: In Wien wird der Web-DienstArchify(gestartet als “EgoArchive”) seine Zelte (fast komplett) abbrechen sein Lager in Berlin aufschlagen. Gleichzeitig ließ Gründer Gerald Bäck (Bild Mitte) bei einem  Gespräch mit der futurezone im Rahmen der Konferenzre:publicawissen, dass seine junge Firma einen Londoner Investor an Bord geholt hat:Balderton Capitalhat einem Branchen-Insider zufolge, der nicht genannt werden will, einen kleinen siebenstelligen Betrag investiert und dafür 20 Prozent Firmenanteile bekommen. Der Risikokapitalgeber hat auch beim Facebook-Spiele-AnbieterWooga, dem Location-DienstSCVNGR, dem Online-SpielHabbound dem AirBnB-KonkurrentenHousetripinvestiert.

“In Wien gibt es zu wenige Talente, in Berlin gibt es viel mehr Leute, die für einen Job in Frage kommen”, sagt Gerald Bäck zur futurezone. Ein weiterer Grund, Wien den Rücken zu kehren: “Unser Markt ist eigentlich die USA, und die Internet-Branche dort schaut derzeit stärker auf Berlin als nach London.” Außerdem seien die Immobilienpreise in der britischen Hauptstadt “jenseits von Gut und Böse”, weswegen sehr bald die Entscheidung auf Berlin gefallen sei. “Dass wir nicht in Wien bleiben, war uns schon seit Kopenhagen klar, wo wir an einem Start-up Bootcamp teilgenommen haben”, so Bäck.

Das derzeit fünfköpfige Team wird aber nicht komplett nach Berlin wechseln. Bäck etwa will zwischen Wien und der deutschen Start-up-Hochburg pendeln.

Ausbau zur persönlichen Suchmaschine
Derzeit hält Archify bei 5000 registrierten Nutzern, 3000 davon sind aktiv, wiederum 80 Prozent von diesen nutzen Archify täglich. Das große Ziel des Start-ups: “Google ergänzen”. Archify bietet ein Browser-Plugin, mit dem automatisch alle Webseiten, die man besucht, für einen späteren Zeitpunkt in einem eigenen Account gesichert werden. Außerdem kann man Archify mit seinen Konten bei Facebook, Twitter und LinkedIn verknüpfen - dort von Kontakten gepostete Inhalte werden ebenfalls automatisch bei Archify abgespeichert, damit man sie später durchsuchen kann. Demnächst wird auch eine Integration von Gmail angeboten.

Google ist super, wenn man nach Dingen sucht, die man noch nicht weiß”, sagt Bäck. Mit Archify hätte man aber die Möglichkeit, seine eigenen sozialen Netzwerke und Surf-History zu durchsuchen. Im Unterschied zu Tools wie Evernote oder Delicious könne man mit Archify seine Internet-Nutzung automatisch erfassen und müsse Daten nicht mehr aktiv eingeben. Als direkte Konkurrenten sieht Bäck die Start-ups CloudMagic und Greplin, denen man aber voraus hätte, auch die Browsing-History mitzuspeichern. Im September will man in die Open-Beta-Phase wechseln und außerdem Apps für iOS und Android auf den Markt bringen - das hätten erst die neuen Investmentgelder möglich gemacht, so Bäck.

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