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03.08.2017

Auf dem Weg zur vollautomatisierten Buchhaltung

© Bild: Stadtratte/Fotolia

Stephen Kelly, Chef des Buchhaltungssoftware-Anbieters Sage, über Automatisierung im Büro, künstliche Intelligenz und Chancen für Start-ups.

"In den nächsten Jahren werden administrative Tätigkeiten in Unternehmen weitgehend automatisiert", sagte Stephen Kelly, Chef des weltweit drittgrößten Anbieters von Buchhaltungs- und Personalmanagement-Software Sage, am Donnerstag in Wien. Technologien wie künstliche Intelligenz, maschinelles Lernen, Blockchain und Big Data würden dazu beitragen, das Verwaltungsaufgaben von Maschinen erledigt werden könnten. Buchhaltung werde von selbstlernenden Technologien, die sich laufend verbessern, übernommen, meint der Chef des britischen Software-Unternehmens, das weltweit 14.000 Mitarbeiter beschäftigt und unter den ersten Anbietern war, die Chatbots in Unternehmen zum Einsatz brachten.

Zusammenarbeit mit Start-ups

Kelly besichtigte am Donnerstag die Baustelle im WeXelerate-Zentrum im Nouvel Tower am Donaukanal. Dort soll im September eines der größten Start-up-Hubs Europas eröffnen. Sage wird die rund hundert Start-ups, die jährlich in das Zentrum einziehen sollen, mit technischen Lösungen unterstützen. "Auch Start-ups haben Stundenlisten und Reisekostenabrechnungen", sagt Kelly. Ob es darüber hinaus zu einer Zusammenarbeit mit den jungen Unternehmen kommen werde, werde sich zeigen.

© Bild: Sage
Durch die Automatisierung würden zwar in manchen Bereichen Arbeitsplätze wegfallen, in anderen würden aber neue entstehen. "In den USA haben vor hundert Jahren 40 Prozent der Bevölkerung in der Landwirtschaft gearbeitet, heute sind es zwei Prozent und dennoch gibt es fast Vollbeschäftigung", sagt Kelly: "Vor allem für Start-ups ergeben sich durch die Automatisierung viele Gelegenheiten."

"Österreichischer Markt interessant"

Der österreichische Markt mit rund 300.000 kleinen und mittleren Unternehmen sei für Sage sehr interessant. Viele Firmen hätten den Sprung in die Digitalisierung noch vor sich. "Es gibt immer noch Stechuhren in Unternehmen", sagte Sage-Österreich-Chef Johannes Kreiner: "Junge Leute wollen in einem solchem Umfeld nicht arbeiten."

Buchhaltung und Personalmanagement würden über kurz oder lang in die Cloud ausgelagert, wo auch kleine Unternehmen Datenanalysen, künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen für sich nutzen könnten. Das Vertrauen in solche Lösungen werde steigen, sagt Kelly, dessen Unternehmen im vergangenen Jahr Opfer eines Datenlecks wurde, bei dem Daten von rund 300 britischen Firmen an die Öffentlichkeit gelangten. Angriffe werde es immer geben. Bei Sage habe man aus dem Vorfall gelernt und sei heute "superwachsam". Kelly: "Wir können mit einer solchen Situation umgehen."

Verantwortungsvoller Umgang

Kelly sprach sich für eine breite gesellschaftliche Diskussion über künstlicher Intelligenz aus. Sage selbst hat dazu die Initiative "The Ethics of Code" gestartet. Es gehe darum, künstliche Intelligenz verantwortungsvoll zu einzusetzen, sagt Kelly: "Wir brauchen eine ernsthafte Debatte darüber, wie künstliche Intelligenz eingesetzt werden soll und welche Auswirkungen sie auf das menschliche Verhalten hat."