B2B
13.07.2014

Carlos Slim deutete KPN-Rückzug in Holland an

Der Telekom-Austria-Großaktionär Carlos Slim deutete in einem seiner seltenen Interviews einen Rückzug aus dem niederländischen Telekomkonzern KPN an.

Ein Verkauf des Anteils sei denkbar, wenn der Preis stimme, sagte er zu Reuters. Bevor Slim sich mit einem Syndikatsvertrag die Kontrolle über die teilstaatliche Telekom Austria sicherte, scheiterte er in Holland mit seinem Übernahmeversuch.

Slim machte nun in dem Interview eine klare Abgrenzung zwischen KPN und der Telekom Austria. Während die Telekom Austria ein langfristiges strategisches Asset sei, bei dem sein Telekomkonzern America Movil mitrede, sei KPN ein "Investment", erklärte der laut "Forbes" mit über 78 Mrd. Dollar (57,4 Mrd. Euro) zweitreichste Mann der Welt. An der Telekom Austria hält Slim aktuell 27,2 Prozent, könnte aber schon bald den bisher größten Aktionär, die Staatsholding ÖIAG, überholen. Ein Übernahmeangebot an die Kleinanleger ist vergangene Woche ausgelaufen, das Ergebnis wird für die nächsten Tage erwartet.

Expansion in Osteuropa

Slim bekräftige, über die Telekom Austria gemeinsam mit der ÖIAG, die 28,4 Prozent der Telekom-Aktien hält, in Osteuropa expandieren zu wollen. Der Region bescheinigte er großes Potenzial. Dass die Telekom in Bulgarien gerade 400 Mio. Euro abschreiben muss, kam in dem Reuters-Interview nicht zur Sprache, dürfte für Slim aber auch kein großes Problem sein.

Der mexikanische Telekom-Tycoon hat derzeit andere Sorgen. America Movil muss sich am bisher gewinnträchtigen Heimatmarkt auf einen härteren Wettbewerb einstellen. Neue Gesetze zwingen den Quasi-Monopolisten zum Verkauf von Teilen seines Konzerns. Slim kontrolliert in Mexiko 70 Prozent des Mobilfunk- und 80 Prozent des Festnetzgeschäfts. Wegen ihrer marktbeherrschenden Stellung wären die Firmen des Milliardärs künftig strengen Regulierungen unterworfen.

Telmex-Anteile reduzieren

Durch den Verkauf von Aktivposten wie beispielsweise Sendemasten und Netzinfrastruktur soll der Marktanteil des Telefonunternehmens Telmex und des Mobilfunkanbieters Telcel in Mexiko auf unter 50 Prozent gedrückt werden, teilte America Movil am Dienstag mit.

Wie groß der Brocken sein wird, den Slim an die Konkurrenz verkaufen will, ließ der Multimilliardär gegenüber Reuters offen. Er werde aber groß genug sein, um einem Mitbewerber "Raum im gesamten Land" zu geben. Auf einen Preis wollte sich Slim nicht festlegen. Der Deal könnte aber schon in den nächsten Monaten spruchreif werden. Der US-Telekomriese AT&T, bis vor kurzem an America Movil beteiligt, gilt als potenzieller Käufer und würde damit vom Verbündeten zum Rivalen in Mexiko werden.