B2B
04.03.2017

Digitalisierung im Handwerk: Viele zögern noch

Digitalisierung wird meist mit Dienstleistungsberufen oder der Industrie in Verbindung gebracht. Aber auch im Handwerk gibt es Berufe, die ohne nicht mehr denkbar sind.

Wenn der Maler pinselt und der Dachdecker Ziegel verlegt, ist das „Handwerk“ bildlich greifbar. Doch längst hat die Digitalisierung Einzug ins Handwerk gehalten - wenn auch noch nicht in dem Maße, wie sich das die Verbandsspitzen wünschen. „ Digitalisierung steckt mittlerweile in einem Großteil der Leistungen des Handwerks“, berichtet der Generalsekretär des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), Holger Schwannecke, räumt aber ein: „Was uns noch fehlt ist, das in die Breite der Betriebe zu bekommen.“

Ob Kundenanbahnung via Homepage, Verwaltung, Konfektionierung, Lagerhaltung oder Visualisierung von Kundenwünschen: In vielen Bereichen werden bereits Computerprogramme oder Apps eingesetzt. „Es gibt ganz andere Möglichkeiten mit Digitalisierung“, betont Schwannecke kurz vor Beginn der Internationalen Handwerksmesse in München. „Aber es machen noch nicht genug.“

Denn viele Betriebe haben das Thema bislang vernachlässigt - oft auch aufgrund mangelnder Kompetenzen. „Das verändert die Arbeitsprozesse und stellt ganz andere Anforderungen an die Qualifikation der Mitarbeiter“, erläutert Schwannecke. Deshalb kümmere sich der Verband aktuell verstärkt darum, rasch digitale Kompetenzen in den Lehrplänen für Aus-, Fort- und Weiterbildungen zu verankern.

Herausforderung

Eine in dieser Woche vom IT-Branchenverband Bitkom in Zusammenarbeit mit dem ZDH veröffentlichte Studie besagt, dass ein Viertel der Handwerksbetriebe moderne digitale Technologien wie Sensortechniken zur Wartung, 3-D-Drucker oder Internet-Clouds zur Datenspeicherung nutzt. Mehr als die Hälfte setzt demnach auch spezielle Software ein, um etwa Kundendaten und Abwesenheiten von Mitarbeitern zu verwalten. „Handwerksbetriebe, die konsequent digitale Technologien einsetzen, gewinnen Zeit für ihre eigentliche Aufgabe: das Handwerk“, kommentierte Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder die Ergebnisse.

Allerdings sagt auch mehr als die Hälfte der Befragten, dass die Digitalisierung für ihren Betrieb eine große Herausforderung darstelle. Rund ein Viertel gibt sogar an, dass sie die Existenz ihres Betriebes dadurch gefährdet sieht.

ZDH-Generalsekretär Schwannecke betont in dem Zusammenhang eine auch in Deutschland nur vermeintlich selbstverständliche Voraussetzung für eine erfolgreiche Digitalisierung: schnelles Internet. „Es kann nicht sein, dass ein Metallbauer den Entwurf eines Architekten nicht bearbeiten kann und erstmal 50 Kilometer fahren muss, weil er die nötige Bandbreite nicht hat!“