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Studie Digitalisierung in Österreich: Der Fluch des Mittelmaßes.

Karl Aiginger, Margarete Schramböck, Michael Peneder (v. l. n. r.)
Karl Aiginger, Margarete Schramböck, Michael Peneder (v. l. n. r.) - Foto: futurezone
Eine von A1 bezahlte Studie des Instituts für Wirtschaftsforschung kommt zum Ergebnis, dass Österreich bei der Digitalisierung Nachholbedarf hat.

Der Telekomanbieter A1 hat beim Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung (WiFo) eine Studie zur Digitalisierung in Auftrag gegeben. Diese wurde am Montag bei einer Pressekonferenz in Wien präsentiert. Das Ergebnis ist - wenig überraschend - dass Digitalisierung wichtig ist und vor allem die Infrastruktur, will heißen das Geschäftsfeld von A1, eine wichtige Rolle dabei spielt, Länder fit für die Zukunft zu machen. Vor allem die "Automatisierung intelligenten Verhaltens", also das was unter Schlagwörtern wie "Internet der Dinge" oder "Industrie 4.0" diskutiert wird, wird laut der Studie große Auswirkungen auf die Gesellschaft der Zukunft haben. Die Kosten für IT-Angebote sinken, während die Leistung gleichzeitig steigt, wodurch die Anwendungen ständig neue Bereiche erobern. Das führt sowohl zu Ängsten als auch zu Euphoriegefühlen. "Wobei die Ängste oft überwiegen, weil sie leichter darzustellen sind", sagt Studienautor Michael Peneder.

Was die Angst um Arbeitsplätze aufgrund der voranschreitenden Digitalisierung angeht, gibt das WiFo für Österreich noch Entwarnung. Die Polarisierungshypothese, also die Annahme dass nach den gering Qualifizierten auch immer mehr Beschäftigte mit mittlerer Qualifikation - etwa Routinearbeiten in Büros - durch Maschinen ersetzt werden, treffe in Österreich noch nicht zu. Bei Jobs mit geringen Qualifikationsansprüchen nimmt der Automatisierungstrend hingegen auch hierzulande zu. Die WiFo-Forscher halten Prognosen aus den USA und anderen Ländern, die von automatisierungsbedingten Jobverlusten von bis zu 50 Prozent ausgehen, für alarmistisch. "Der Wandel ist stetig und daher auch gestaltbar. Es werden auch neue Jobs entstehen", sagt Peneder. Welche das genau sein werden, kann aber auch der Wirtschaftsforscher nicht sagen.

Österreich abgeschlagen

Die Infrastruktur wird in der Studie als "Rückgrat der Digitalisierung" bezeichnet. Eine gute Netzinfrastruktur hat laut den Forschern, die mehrere Studien zitieren, einen deutlich positiven EInfluss auf das Wirtschaftswachstum und den Wohlstand eines Landes. "Ein Rückstand hier ist also gleichbedeutend mit einer Wachstumsbremse", sagt Peneder. Investitionen in die Infrastruktur in Höhe von einer Milliarde Euro könnten laut der Forschern in Österreich bis zu 1,2 Milliarden an Wertschöpfung erzeugen und 14.700 neue Jobs schafffen. Hier soll mit der Breitbandmilliarde jetzt auch wirklich investiert werden. "Jetzt ist tatsächlich ausgeschrieben worden, wir hoffen auf erste Projekte im Herbst", sagt A1-Chefin Margarete Schramböck.

Derzeit ist Österreichs Position was den Digitalisierungsgrad angeht nicht berauschend. Laut dem aktuellen Digital Economy and Society Index (DESI) der EU-Kommission liegt Österreich hier unter den EU-28 und Norwegen an 13. Stelle. Innerhalb der alten EU-15 belegt Österreich den mageren 10. Platz. "Ähnlich wie bei Forschung, Bildung und anderen Themen leidet Österreich bei der Digitalisierung am Fluch des gehobenen Mittelmaßes", sagt WiFo-Chef Karl Aiginger. Gerade gemessen am BIP pro Kopf ist das Abschneiden Österreichs nicht sehr gut. Der Anteil an schnellen Breitbandverbindungen, hier definiert als über 30 Mbps, ist im Vergleich gering. Hier belegt Österreich Platz 20 von 29 und Platz 12 von 15. Dementsprechend ist auch die Nutzung datenintensiver Dienste relativ gering. 

Gegensteuern

Die Studienautoren empfehlen, die Infrastruktur auszubauen und in den Aufbau und den Erhalt digitaler Kompetenzen und Qualifikationen zu investieren. Die IKT-Branche (Informations- und Kommunikationstechnik) soll gefördert werden, genau wie innovative Anwendungen der entsprechenden Systeme. Die Sicherheit soll dabei ebenfalls im Auge behalten werden, ebenso wie der Datenschutz. Zudem sei es Aufgabe der Politik, für einen gleichberechtigten Zugang aller Bevölkerungsschichten zur Infrastruktur zu sorgen. Wenn das alles gewährleistet sei, könne die IKT einen Beitrag zur Lösung gesellschaftlicher Probleme leisten, etwa bei der Altersversorgung, im Gesundheitssystem oder im Kampf gegen den Klimawandel. Gleichzeitig spricht sich A1 - wie auch viele andere Telekom-Anbieter - aber schon länger gegen Regeln zurt Netzneutralität, die dazu gedacht sind, dass tatsächlich alle gleichberechtigt von der Digitalisierung profitieren können, aus. "Hier wäre Deregulierung kein Schaden", sagt Schramböck bei der Pressekonferenz, "vor allem weil die Over-the-Top-Anbieter (wie WhatsApp, Google oder Faceebook, Anm.) aus den USA sich nicht an Regeln halten müssen".

Als entscheidend für eine Verbesserung der Situation sehen die Forscher die Effizienz und Geschwindigkeit bei der Umsetzung von Maßnahmen zur Standortverbesserung. A1 hofft jetzt mit der Breitbandmilliarde den Ausbau der Infrastruktur beschleunigen zu können. "Wir werden jeden Eurto, den wir daraus erhalten, verdoppeln. Bis Ende 2016 wollen wir den 4G-Ausbau abgeschlossen haben", sagt Schramböck. Auch die Bündelung der Technologien Glasfaser, 4G und Kupferleitungen die Situation in ländlichen Gebieten verbessern. Bis 2019 sollen 70 Prozent der Haushalte über Glasfaser mit 100 Mbit pro Sekunde versorgt sein. Ob die Bemühungen in Östereich reichen werden, um sich im Wettbewerb mit anderen EU-Ländern zu verbessern, können die WiFo-Vertreter derzeit nicht sagen. "Die bleiben auch nicht stehen", sagt Peneder. Innerhalb Österreichs sind Salzburg, Vorarlberg und Wien derzeit führend im Bereich Digitalisierung. Der Stand der einzelnen Bundesländer wird in Kürze in einer weiteren WiFo-Studie separat beleuchtet.

(futurezone) Erstellt am 22.08.2016, 11:47

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