B2B
09.03.2011

Doodle: "Haben Facebook Events auf dem Radar"

Im Rahmen der von der futurezone unterstützten Veranstaltung "Netzdialog Vorarlberg" spricht Tilman Eberle, Kommunikations-Chef des Schweizer Terminplanungs-Dienstes Doodle, über die Herausforderungen von Social Media.

Als Kommunikations-Chef des Züricher Terminplanungs-Dienstes Doodle mit derzeit sechs Millionen Nutzern weiß Tilman Eberle, wie der Hase im Start-up-Geschäft läuft. Am ersten Netzdialog Vorarlberg (Donnerstag ab 18:30, Großer Sparkassensaal, Bahnhofstraße 2, 6850 Dornbirn, ausgebucht) der von den heimischen Internet-Fachmännern Christof Flachsmann, Thomas Gabriel und Albert Brandstätter organisiert wurde, gibt Eberle sein Know-How an Firmen und Start-ups weiter.

Doodle erlaubt es Nutzern, eine Terminumfrage zu starten, andere Personen via eMail dazu einzuladen und so ein Treffen zu organisieren. Prinzipiell ist die Nutzung kostenlos, wer einen Premium-Account will (werbefrei, SSL-Verschlüsselung, etc.), zahlt eine Gebühr ab 22 Euro/Jahr.

Als Medienpartner der Veranstaltung hat die futurezone Eberle ein E-Mail-Interview über die Standorte Schweiz und Österreich, die Übermacht großer US-Internetkonzerne und das populäre Freemium-Geschäftsmodell geführt.

futurezone: Sie werden beim ersten Vorarlberger Netzdialog mit der Frage “Social Media: Sinn oder Wahnsinn für Unternehmen” konfrontiert. Wie fällt die Antwort aus?
Tilman Eberle:
Ich werde ganz konkrete Einblicke geben, wie wir Social Media in unserer Kommunikation und als Arbeitstools einsetzen. Ich bin ein wenig konservativ gegenüber dem Hype, der mit dem Buzzwort Social Media verbunden wird. Aber für uns machen viele Anwendungen sehr grossen Sinn.

Wie sehen Sie die Internet-Szene Österreichs von der Schweiz aus? Was ist spannend, was fehlt noch?
Die österreichische Szene kenne ich nicht besonders gut, bin aber immer wieder erstaunt, wenn sich eine Website als österreichisch herausstellt, die ich irgendwo im DACH-Raum angesiedelt hätte. Wir haben ja eine sehr ähnliche Kultur in diesem Raum und bei vielen Diensten spielt es überhaupt keine Rolle, wo die Firma angesiedelt ist.

Obwohl es in der Schweiz und Österreich genug Kapital gibt, werden nur kleine Summen in Internetfirmen investiert. Kann Europa überhaupt noch zu den USA im Web-Business aufschließen?
Es gibt super Ansätze in Europa, aber wie das bei uns so ist, ist alles viel dezentraler. Die Amis sind auch viel professioneller, sich zu verkaufen, da können wir nur dazulernen. Aber in Europa ist viel mehr Innovation vorhanden, als erfolgreiche Konzepte aus den USA zu lokalisieren.

In Zürich, dem Hauptsitz von Doodle, hat Google eine große Europa-Zentrale. Ist das ein Vorteil oder ein Nachteil für Doodle?
Wir haben super Ingenieure, können also nicht sagen, dass die uns von Google weggeschnappt werden. Die Ausstrahlung einer großen Google-Niederlassung und die persönlichen Kontakte zu Mitarbeitern sind sicher inspirierend, für unser Business spüren wir aber keine direkten Auswirkungen.

Neben der Gratis-Nutzung bietet Doodle auch kostenpflichtige Premium-Accounts, fährt also das Freemium-Modell. Wie verteilen sich die Nutzer zwischen “Gratis” und “kostenpflichtig”?
Die Werbeeinnahmen machen den größten Umsatzanteil aus, aber auch die Premiumprodukte erfreuen sich großer Beliebtheit, und wir haben damit diese Jahr ehrgeizige Pläne. Genaue Zahlen dazu können wir nicht veröffentlichen.

Welche Firmen sind gewillt, für Doodle zu bezahlen? Welche Branchen sind besonders interessiert?
Das ist wirklich ein breiter Mix von grossen und kleinen Organisationen, von IT-Unternehmen, Beratern, Instituten und Behörden.

Viele Web-Firmen fahren heute das Freemium-Modell. Welchen Start-ups würden sie das Finanzierungsmodell ans Herz legen, wer sollte die Finger davon lassen?
Das Freemium-Modell funktioniert dann, wenn die Gratisnutzer dem Dienst etwas bringen und wenn das Premiumangebot den Kunden einen klaren Mehrwert bietet.

Neben Google verwendet auch Lima Sky für Ihr iPhone-Spiel “ Doodle Jump” den Namen Ihrer Firma für ein Produkt. Wird die Doodle AG dagegen vorgehen?
Das Wort "Doodle" wird in vielen Zusammenhängen verwendet. Uns reicht es, wenn wir der einzige Online-Terminplaner mit diesem Namen sind.

Doodle kooperiert mit XING und bietet seine Dienste als App innerhalb des XING-Netzwerks an. Hat sich die Partnerschaft ausgezahlt?
Unsere XING-App wird rege genutzt und positiv bewertet, aber die Interaktionen kommen nicht ansatzweise an den Traffic über doodle.com heran.

XING hat zuletzt Amiando übernommen, einem Event-Service. ist damit die Chance für Doodle, ins Ticketgeschäft einzusteigen, vertan?
Kerngeschäft von Doodle ist die Terminplanung, wir waren also nie in Konkurrenz zu einem Ticketing-Service.

Via Facebook werden täglich Millionen Events organisiert. Wird es eine Möglichkeit geben, Facebook Events mit Doodle-Terminen zu verknüpfen?
Doodle ist primär ein Service zur Terminplanung: Man schlägt mehrere Optionen vor, unter denen die Teilnehmer die passendsten Zeiten auswählen. Wenn man will, kann man die Doodle-Termine mit einem beliebigen elektronischen Kalender synchronisieren. Die Facebook Events haben wir auf dem Radar und prüfen eine vertieftere Integration.

Wie wird sich Doodle 2011 weiterentwickeln? Welche Märkte, welche neuen Geschäftsfelder wollen eröffnet werden?
Im laufenden Jahr werden wir die Kalenderintegration stark weiterentwickeln, eine neue Mobilversion in Betrieb nehmen und unsere Aktivitäten in Frankreich intensivieren.

Links

Der Netzdialog Vorarlberg findet morgen, Donnerstag, 10. März 2011, zum ersten Mal, statt. Die Eckdaten: 18:30, Großer Sparkassensaal, Bahnhofstraße 2, 6850 Dornbirn. Die Veranstaltung ist ausgebucht. Neben Tilman Eberle von Doodle werden StudiVZ-Gründer Dennis Bemmann, Daniel Mutschlechner von der Messe Dornbirn und Stefan Hagen von Hagen Management Einblicke in ihre Sichtweise von Social Media geben.