B2B
26.06.2014

Drei fordert mehr Geld für mobilen Breitband-Ausbau

Trionow: "Glasfaseranschluss für jeden Haushalt ist ineffizient und zu teuer."

Österreichs drittgrößter Mobilfunkanbieter Drei (Hutchison) will bis Ende nächsten Jahres 98 Prozent der Bevölkerung mit mobilen Breitband der vierten Generation (LTE) versorgen. „Die Ausstattung der Sendestandorte mit LTE-Technologie ist bereits im Gange und wird nach erfolgter Freigabe der bestehenden Sendefrequenzen - Stichwort Refarming, Anm. - schrittweise aktiviert“, kündigte Drei-Chef Jan Trionow in einem Hintergrundgespräch an. Derzeit könnten rund 25 Prozent der Haushalte, hauptsächlich in den Städten, mit LTE versorgt werden, bis Jahresende sollen es 50 Prozent sein. „Um den weiteren Ausbau anzugehen, brauchen wir dringend die Entscheidung bezüglich Refarming“, drängt Trionow in Richtung Regulierungsbehörde.

Bei der Versteigerung der Mobilfunkfrequenzen, die für den LTE-Ausbau verwendet werden können, hat Drei nur ein einziges Frequenzpaket im 900-er Bereich ersteigert. Der weitere LTE-Ausbau könnte dem Unternehmen daher viel teurer kommen als den Mitbewerbern, die über ein weit größeres Flächenspektrum verfügen.

Fördermilliarde

Nicht zuletzt deshalb pocht Trionow auf eine stärkere öffentliche Förderung für den mobilen Breitbandausbau im ländlichen Raum. Anstatt Glasfaser in jeden Haushalt bringen zu wollen, sollte besser die Glasfaseranbindung von LTE-Stationen forciert werden: „Haushalte an Glasfaser anzubinden ist ineffizient und nicht finanzierbar“, so Trionow. Die Baukosten für den mobilen Breiband-Ausbau beziffert er mit „einigen 100 Millionen Euro“, während die Glasfaser-Versorgung der Haushalte mehr als fünf Milliarden Euro koste. „Gerade in ländlichen Gegenden ist Mobilfunk die einzige sinnvolle Möglichkeit des Breitbandausbaus“, argumentiert Trionow. Die vom Infrastrukturministerium in Aussicht gestellte Breitbandmilliarde sollte daher mehrheitlich in den Mobilfunk fließen.

In Österreich sind laut Erhebung der Regulierungsbehörde RTR bereits 71 Prozent der Internetzugänge mobil. Streaming-Dienste für Musik und Video wie Spotify werden immer beliebter, erfordern aber höhere Bandbreiten. Drei hat nach der Übernahme von Orange 3,4 Millionen Kunden und beschäftigt 1300 Mitarbeiter. Die Zahl der eigenen Web-Shops wurde zuletzt von 140 auf 90 reduziert. „Dabei soll es auch bleiben“, meint Trionow.