B2B
19.05.2012

Facebook enttäuscht bei Börsendebüt

Begleitet von einer technischen Panne hat das weltgrößte Online-Netzwerk Facebook ein holpriges Börsendebüt an der New Yorker Nasdaq hingelegt. Die Facebook-Aktien schlossen nahzu unverändert zum Ausgabepreis mit 38,23 Dolllar. Analysten hatten hohe Kurszuwächse erwartet.

Facebook sollte nicht nur einer der größten Börsengänge aller Zeiten, sondern auch einer der glanzvollsten werden. Daraus wurde am Freitag nichts. Offenbar nur dank massiver Stützungskäufe durch die beteiligten Banken fielen die Aktien des Online-Netzwerks nicht unter ihren Ausgabekurs von 38 Dollar. Der holprige Start an der Börse belastete auch andere Internetfirmen.

Nach dem Start waren die Facebook-Aktien noch auf über 42 Dollar gestiegen, bis sie nach einem Ab und Auf schließlich mit 38,23 Dollar (plus 0,61 Prozent) aus dem Handel gingen. Viele Experten hatten im Vorfeld ein deutliches Kursplus bei dem weltgrößten Börsengang eines Technologie-Unternehmens vorhergesagt. Einige Analysten trauten der Facebook-Aktie sogar einen Kursgewinn von mehr als 50 Prozent am ersten Handelstag zu.

Technische Probleme
Eine regelrechte Flut von Kauf- und Verkaufsaufträgen führte zum Auftakt zu technischen Problemen und einen verspäteten Handelsstart mit der Facebook-Aktie. Die Nasdaq prüft die Verzögerung, die bei einigen Börsianern Ängste auslöste. Den Gang an die Börse hatte Firmengründer und -Chef Mark Zuckerberg zuvor in der Zentrale im kalifornischen Silicon Valley unter dem Applaus seiner Mitarbeiter mit der traditionellen Startglocke eingeläutet.

"Ich wette, da sind viele enttäuscht"
"Wir sehen da draußen einige unglückliche Leute. Sie hatten darauf gehofft, dass Facebook sich deutlich besser schlägt. Ich wette, da sind viele enttäuscht", sagte Wayne Kaufman vom Brokerhaus John Thomas Financial.

Auch andere Unternehmen aus dem Social-Media-Bereich wurden vom holprigen Facebook-Start an der Nasdaq belastet. Die Anteilsscheine des Karrierenetzwerks LinkedIn verbilligten sich um 2,6 Prozent, die Dividendenpapiere des Schnäppchenportals Groupon um 5,6 Prozent. Die Aktien des Internetspiele-Anbieters Zynga brachen sogar neun Prozent ein.

Wegen der hohen Nachfrage hatte Facebook nur zwei Tage vor dem Handelsstart 25 Prozent mehr Aktien für den IPO bereitgestellt als ursprünglich geplant. Auch die Preisspanne war von 34 bis 38 Dollar von zuvor 28 bis 35 Dollar je Papier angehoben worden. Mit einer Marktkapitalisierung von 104 Milliarden Dollar war Facebook mit dem Glockenschlag so viel Wert wie die etwa die Konzerne Daimler, BMW und Lufthansa zusammen. Der Weg zu den ganz großen Namen der Technologiebranche ist aber noch weit. Apple etwa, das zu den teuersten Unternehmen der Welt zählt, ist an der Börse derzeit etwa 500 Milliarden Dollar wert.

Größter Technologie-IPO
Trotz des holprigen Starts ist der Facebook-Börsengang der mit Abstand größte IPO eines Technologieunternehmens aller Zeiten. Insgesamt 18,4 Milliarden Dollar werden erlöst, wenn auch eine Mehrzuteilungsoption vollständig ausgeübt wird. Zum Vergleich: Der US-Internetgigant Google sammelte beim Börsendebüt 2004 nur knapp zwei Milliarden Dollar ein. Der Ausgabepreis der Google-Aktien lag bei 85 Dollar, am ersten Tag kletterte das Papier auf 100 Dollar. Heute liegt der Kurs bei rund 626 Dollar.

Von den Einnahmen des Börsengangs fließen dem acht Jahre alten Unternehmen selbst nur etwas mehr als die Hälfte zu. Der Rest geht an Geldgeber, die das Potenzial des Online-Treffpunkts früh erkannt haben. Der 28 Jahre alte Gründer Zuckerberg bleibt auch nach dem IPO Mehrheitseigner.

Offene Fragen
Mehr als 900 Millionen Menschen weltweit haben ein Facebook-Konto. Kritiker bemängeln, dass noch immer nicht klar ist, wie das kalifornische Unternehmen seine Popularität bei den Nutzern in Umsatz- und Gewinnwachstum ummünzen will. Im ersten Quartal diesen Jahres sank der Nettogewinn im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um zwölf Prozent auf 205 Millionen Dollar. Der Umsatz ging um sechs Prozent auf 1,06 Milliarden Dollar zurück.

Anzeigen sind die wichtigste Einnahmequelle für Facebook. Problematisch für die Silicon-Valley-Firma ist, dass immer mehr Anhänger über mobile Zugänge wie Smartphones und Tablets das Netzwerk besuchen. In diesen Fällen kann Facebook weniger für Anzeigen verlangen, zudem schalten bisher weniger Konzerne auf mobilen Geräten Werbung.

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