Zur mobilen Ansicht wechseln »

Austrian Innovation Forum "Fast alles dreht sich derzeit um Digitalisierung".

Stehen vor großen Herausforderungen: Die Wiener Stadtwerke
Stehen vor großen Herausforderungen: Die Wiener Stadtwerke - Foto: KURIER/Franz Gruber
Gabriele Domschitz, Vorstandsdirektorin der Wiener Stadtwerke, im futurezone-Gespräch über Innovation in der Mobilitäts- und Energiebranche.

Am 12. Oktober findet im Start-up-Zentrum WeXelerate im Design Tower am Wiener Donaukanal das Austrian Innovation Forum statt. Dort werden unter dem Motto „Champions of Innovation“ Innovationsstrategien von Unternehmen erörtert. Die futurezone hat im Vorfeld der Veranstaltung mit Gabriele Domschitz, Vorstandsdirektorin der Wiener Stadtwerke Holding AG, über Innovation bei den Wiener Stadtwerken gesprochen.

futurezone: Sowohl die Mobilitäts- als auch die Energiebranche sind im Umbruch - vor welchen Herausforderungen stehen die Wiener Stadtwerke?
Gabriele Domschitz:
Stadtwerke in ganz Europa stehen vor großen Herausforderungen, der Druck von außen wird größer. Egal ob Energiewende, steigender Marktdruck oder das starke Wachstum der Städte: wir bewegen uns inmitten eines sehr dynamischen Umfelds und brauchen Antworten auf viele Herausforderungen. Man darf auch nicht übersehen, dass die Kundinnen und Kunden immer anspruchsvoller werden, kritischer und wechselbereiter.

Gabriele Domschitz
Gabriele Domschitz - Foto: Wiener Stadtwerke, Ian Ehm
Welche Trends sehen Sie in Ihren zentralen Geschäftsbereichen?
Die energiewirtschaftlichen Rahmenbedingungen haben sich in den vergangenen Jahren sehr stark verändert. Die Energieversorgung wird immer kleinteiliger und damit komplizierter. Wir spüren im Energiebereich auch den Eintritt branchenfremder Marktteilnehmer. Das birgt auch Chancen, selbst mit neuen Produkten auf den Markt zu gehen. Was auch schon passiert. Im Mobilitätsbereich sehe ich eine sehr starke Rolle der Öffis im städtischen Bereich, das eigene Auto wird weniger wichtig. Gerade im urbanen Bereich wird Multimodalität ein immer größeres Thema.

Welche Rolle spielt die Digitalisierung?
Eine essenzielle, fast alles dreht sich derzeit um Digitalisierung. Um gleich bei der Mobilität zu bleiben: mit der WienMobil-App verknüpfen wir bereits verschiedene Verkehrsformen miteinander, es können Tickets gekauft und Taxis bestellt werden. Und das ist nur der Anfang. Digitalisierung wird nicht vor unserem Kerngeschäft halt machen, sondern über die gesamte Wertschöpfungskette wirken und unsere Prozesse tiefgreifend verändern.

Wie laufen Innovationsprozesse bei den Wiener Stadtwerken ab?
Wir begreifen uns als Teil eines dynamischen Wandels, in dem Innovationen eine außergewöhnlich wichtige Rolle spielen. Zentral ist unser seit 2016 bestehendes strategisches Innovationsmanagement, das in der Wiener Stadtwerke Holding angesiedelt ist. Wir versuchen vom Management abwärts, innerhalb des Konzerns Rahmenbedingungen zu schaffen, die Innovation möglich machen. Wir wissen, dass wir dabei noch agiler und experimentierfreudiger werden müssen, sind aber ganz gut unterwegs.

Wie sieht das konkret aus?
Nehmen wir das Projekt Hololens. In diesem Projekt wird untersucht, ob eine Datenbrille bei Gebäudetechnikern der Konzerntochter Facilitycomfort Arbeitsschritte in der Anlagenwartung erleichtern und beschleunigen kann. Vor Ort wird der Status von Anlagen und Anlagenteilen eingeblendet, was nicht nur eine genaue Analyse ermöglicht, sondern viel wichtiger: man hat die Hände zum Arbeiten frei. Komplexe Fragen können via Skype mit der Zentrale besprochen werden. Der Ansatz scheint insgesamt bereits so ausgereift zu sein, um in den kommenden Jahren in den Regelbetrieb übernommen werden zu können.

Arbeiten Sie mit Start-ups oder anderen Unternehmen zusammen?
Die Wiener Stadtwerke haben mit „Upstream – next level mobility“ ein eigenes Start-up gegründet. Upstream ist für die Entwicklung der WienMobil-App verantwortlich und geht mit der smarten Vernetzung von öffentlich zugänglichen Moblitätsangeboten in den nationalen und internationalen Markt. Daneben arbeiten wir, je nach Aufgabengebiet, natürlich auch mit Start-ups, vor allem aber mit wissenschaftlichen Partnern zusammen.

Wie gestaltet sich eine solche Zusammenarbeit?
Gemeinsam mit der TU Wien initiierten wir mit URBEM ein Doktoratskolleg, dessen Ergebnisse inzwischen bereits teilweise im Unternehmen implementiert werden. Die Wiener Stadtwerke finanzierten zehn Dissertationen, die gemeinsam einen Prototypen einer virtuellen Stadt entwickelten. Ziel waren Szenarien einer versorgungssicheren, leistbaren und lebenswerten Stadt der Zukunft.

Wie werden Ihre Kunden in die Innovationsprozesse einbezogen?
Die Wiener Stadtwerke sind auf verschiedenen Ebenen mit ihren Kundinnen und Kunden in Kontakt, was bei Innovationsprozessen ganz automatisch zu deren Einbindung führt. Wir sind sehr stark am Gemeinwohl orientiert, dementsprechend „geerdet“ forschen wir auch.

Wie werden sich die Wiener Stadtwerke und ihre Geschäftsmodelle in den nächsten Jahren verändern - In welche Richtung geht die Entwicklung?
Das hehre Ziel lautet: Effizienz, Profitabilität und Innovation mit Gemeinwohl zu verbinden. Das heißt wir müssen wirtschaftlich effizient arbeiten, unseren gesellschaftlichen Auftrag erfüllen und dabei möglichst innovativ sein. Klingt jetzt abstrakter als es ist – wir müssen schlicht und einfach am Ball bleiben und unser Kerngeschäft im Interesse aller vernünftig weiterentwickeln.

Disclaimer: Dieser Artikel ist im Rahmen einer Kooperation zwischen futurezone und dem Austrian Innovation Forum enstanden. Das detaillierte Programm des Austrian Innovation Forum findet sich unter austrian-innovation-forum.at.

(futurezone) Erstellt am 08.09.2017, 06:00

Kommentare ()

Einen neuen Kommentar hinzufügen

( Abmelden )

Dein Kommentar

Antworten folgen
Melden Sie den Kommentar dem Seitenbetreiber. Sind Sie sicher, dass Sie diesen Kommentar als unangemessen melden möchten?