Wettbewerb
01/10/2012

Französischer Mobilfunkmarkt mit neuem Player

In Frankreich mischt seit Dienstag der Breitband-Spezialist Iliad mit aggressiven Angeboten den zweitgrößten Mobilfunkmarkt Europas auf.

Zum Marktstart kündigte das Unternehmen Iliad aggressive Angebote an, die deutlich unter den Preisen der drei Rivalen liegen. In Frankreich teilen sich bislang France Telecom, Bouygues Telecom und Vivendis SFR den Markt.

Keine Kundenbindung

Iliad bietet nach eigenen Angaben ab sofort einen Mobilfunkservice für 19,99 Euro pro Monat an mit unbegrenzten Textnachrichten und Anrufen sowie Drei-Gigabyte für mobile Daten. Bei keinem der Angebote müssten sich die Kunden für einen bestimmten Zeitraum binden, sagte Firmengründer Xavier Niel.

Der Eintritt von Iliad in den französischen Mobilfunkmarkt dürfte nicht ohne Folgen bleiben. Der auf 21 Milliarden Euro geschätzte Markt gilt als weitgehend gesättigt und hat daher geringe Wachstumsaussichten. Rund 63 Millionen der 65 Millionen Franzosen haben bereits ein Handy. Iliad-Finanzchef Thomas Reynaud kündigte an, bei einem Marktanteil von vier bis fünf Prozent könne die Gewinnschwelle erreicht werden.

Sechsjähriger Kampf
Doch wer steckt eigentlich hinter Iliad? Der 44-jährige Xavier Niel ist ein Outsider ohne die üblichen Beziehungen zur mächtigen Elite des Landes, hat rund sechs Jahre gebraucht, bis er am Dienstag den Startschuss für das neue Angebot seines Unternehmens Iliad in Frankreich geben konnte.

In diesen Jahren hat er gekämpft - gegen die einflussreiche Branchenlobby und sogar gegen Präsident Nicolas Sarkozy. Dass er was vom Geschäft versteht, hat Niel bereits gezeigt: Mit günstigen Breitband-Anschlüssen unter der Marke Free bedient er die Massen und hat dem Platzhirschen France Telecom schon hart zugesetzt.

Vierte Mobilfunklizenz
Bei der Bewerbung um die vierte Mobilfunklizenz in Frankreich hatte sich sogar Sarkozy eingeschaltet und öffentlich gefragt, ob das Land so etwas überhaupt brauche - nicht ohne dabei auf den ungewöhnlichen Werdegang Niels hinzuweisen. "Peepshow-Typ" nannte Sarkozy ihn - wohl in Anspielung an einen Chat-Room und Dating-Service für Erwachsene, den Niel nach seinem Rausschmiss aus den Vorbereitungskursen für die Elite-Universitäten mit Anfang 20 betrieb. Den Dienst bot er erfolgreich auf dem Minitel an - ein populärer Vorläufer des Internets in Frankreich.

Mit den Einnahmen gründete er später Iliad. Die Firma hat mittlerweile mehr als 5000 Angestellte und erlöst jährlich etwa zwei Milliarden Euro. Niels Weg ist deswegen bemerkenswert, weil in Frankreich Karrieren in der Regel anders aussehen - hinter großen, erfolgreichen Firmen stehen üblicherweise Familien-Dynastien wie bei Hermes oder der Staat wie bei EDF. Start-ups schaffen es kaum zu entscheidender Größe.

Erfolg im Breitbandgeschäft
Niel will seinen Erfolg im Breitbandgeschäft nun im Mobilfunk wiederholen. Er ist bekennender Nachrichten-Junkie. Vergangenes Jahr hat sich Niel an der Rettung der angesehenen Zeitung "Le Monde" beteiligt. Er lebt in Paris, hat zwei Söhne und zählt zu den reichsten Männern des Landes. Niels gilt als bescheiden, fährt mit dem Fahrrad zur Arbeit und verabscheut Besprechungen. Diskussionen erledigt er per E-Mail - nach einigen Tagen ergibt sich seiner Einschätzung nach aus den zahlreichen Antworten immer ein Konsens.

Mit dem Eintritt Iliads wird der Wettbewerb in der Branche in Zukunft noch stärker zunehmen. Freuen können sich in jedem Fall die Kunden. Bereits 2008 hat Niel versprochen, die Preise im Mobilfunkgeschäft um die Hälfte zu senken. "Seitdem haben unsere Mitbewerber die Preise um zehn Prozent gesenkt - da bleibt noch Spielraum für uns!", kündigt er an.