B2B
06.06.2011

Griechenland verkauft OTE-Anteile an Telekom

Deutsche Telekom (DT) kauft Aktienanteile um 400 Millionen Euro

Zwei Wochen nach der Ankündigung beginnt das hoch verschuldete Griechenland mit der Privatisierung von Staatsbesitz. Als erstes verkauft das angeschlagene Euroland einen weiteren Anteil an der griechischen Telefongesellschaft OTE an die Deutsche Telekom. Die Athener Regierung erhalte für ihre zehn Prozent an OTE rund 400 Mio. Euro, teilte der Bonner Konzern am Montag mit. Die Telekom stocke damit ihre Beteiligung an dem früheren griechischen Monopolisten auf 40 Prozent auf.

Verkaufs-Option für Athen
Es dürfte der einfachste Teil des Verkaufsprogramms sein, mit dem die Regierung des klammen Mittelmeer-Anrainers insgesamt 50 Mrd. Euro einnehmen will. Athen besaß eine Verkaufs-Option und konnte der Telekom die OTE-Papiere jederzeit verkaufen. Der Dax-Konzern musste das Paket zum einem festgeschriebenen Preis übernehmen, der sich am Börsenkurs der OTE-Aktie der vergangenen Wochen orientierte.

Der Bonner Konzern stieg 2008 bei OTE ein, um am starken Wirtschaftswachstum der Länder Südosteuropas teilzuhaben. OTE ist über Töchter in einigen Balkan-Ländern vertreten. Die Telekom legte für 30 Prozent insgesamt 3,9 Mrd. Euro hin. Darüber hinaus hat der Dax-Konzern auch noch ein Vorkaufsrecht für die verbleibenden zehn Prozent der Regierung an OTE. Athen hat es offenbar eilig mit dem Verkauf und lud die Bonner bereits vor zwei Wochen zu Gesprächen eingeladen. Die Telekom legte sich offiziell bisher nicht fest. „Das Heft des Handelns liegt in Griechenland“, sagte ein Konzernsprecher. Wenn die Regierung verkaufen wolle, werde sich die Telekom anschauen, ob der Kauf des Aktienpakets wirtschaftlich sinnvoll sei.

Mehr als 50 Prozent für Dax-Konzern
Mit dem Kauf des Aktienpakets würde sich der Dax-Konzern mehr als 50 Prozent an der OTE sichern. Allerdings wäre das nur auf dem Papier wichtig, da die Telekom dank einer Aktionärsvereinbarung auch schon mit ihrem derzeitigen Minderheitsanteil bei dem Athener Unternehmen weitgehend das Sagen hat. So bestimmt Telekom-Chef Rene Obermann beispielsweise, wer OTE leitet. Zudem konsolidieren die Bonner ihre Tochter komplett in ihrer Bilanz.

Wirklich Freude bereitet OTE der Telekom aber nicht. Die Geschäfte laufen so schlecht, dass bereits vor einiger Zeit ein Teil des Wertes abgeschrieben werden musste. Aufgrund der Wirtschaftskrise kämpft OTE mit Umsatzrückgängen - allein im ersten Quartal sanken die Erlöse um zehn Prozent.

Der Euro-Schuldensünder Griechenland muss derzeit Tafelsilber rasch zu Geld machen, um auf weitere internationale Hilfe hoffen zu können. Die Regierung will das Programm bis 2015 über die Bühne bringen. Neben der Telekom könnte auch Fraport bald seine Position in dem Land ausbauen. Der Frankfurter Flughafenbetreiber signalisierte bereits Interesse an einem Einstieg beim Airport Athen.