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Aktien
06/03/2011

Groupon drängt an die Börse

Die Chicagoer Himmelsstürmer wollen es wissen: Groupons Börsegang wird als Maßstab für den Hype rund um Internet-IPOs gehandelt - und die (Un)vernunft des Marktes.

Seit Donnerstagnachmittag (US-Ostküstenzeit) gibt es anstelle von Gerüchten einen knapp 250 Seiten starken Antrag auf Börsennotierung: das US-Schnäppchenportal Groupon will an die Börse. Als Emissionsbanken fungieren Morgan Stanley, Goldman Sachs und Credit Suisse, das Finanzhandelskürzel soll GRPN lauten. Am Tag zuvor erklärte CEO Andrew Mason noch auf der Technologiekonferenz D9: “Das Unternehmen hat Shareholder und die wollen irgendwann einmal Geld. Ein IPO ist ein Weg, ihnen Geld zu geben.”

Rekordwachstum
Wie großzügig die Shareholder belohnt werden sollen, dazu gingen Expertenschätzungen Donnerstagabend nicht allzu weit auseinander. Groupon wird zugetraut, eine Milliarde Dollar aufzustellen, was den Wert des seit 2008 operierenden Unternehmens auf rund 20 Mrd. Dollar katapultieren würde. Die im IPO-Antrag vermerkten 750 Mio. Dollar hält etwa das Wall Street Journal für einen bloßen Platzhalter - auf dessen Basis die Gebühren berechnet würden.

Zum ersten Mal gibt Groupon, das seine Schnäppchen-E-Mails mittlerweile in 46 Ländern verschickt, Einblick in seine Finanzen. Die Einnahmen im ersten Quartal 2011 beliefen sich auf knapp 645 Mio. Dollar, dem stehen Gesamteinnahmen aus dem Jahr 2010 von 713 Mio. Dollar gegenüber. 2009 belief sich das Geschäft noch auf 30,5 Mio. Dollar. Ein solches Wachstum macht den Chicagoern derzeit keiner in der Branche nach.

Herbe Verluste
Wären da nicht die Verluste. Eine Mannschaft von mittlerweile rund 8000 Leuten - so Mason gestern -, die Hälfte davon Vertriebler, kostet Geld. Hinzu kommen Marketingausgaben, deren Höhe die Schätzungen von Analysten deutlich übersteigt. 413 Mio. Dollar an Verlusten verzeichnet Groupon im letzten Jahr, im Q1/2011 sind es bereits 114 Mio. Dollar.

Dass Wachstum künftig billiger wird, ist nicht zu erwarten. Tatsächlich könnten bei Groupons Geschäftsmodell Wachstum und Gewinn langfristig auseinanderklaffen. “Das sieht für mich eher nach Yellow Pages als nach Salesforce.com aus”, kommentierte Bloomberg-Autor Paul Kedrosky im März.

Die hohen Kosten spricht auch CEO Mason in seiner Botschaft an die künftigen Shareholder an. “Unsere Investitionen in Wachstum haben in der Vergangenheit aus gesunden, prognostizierten Quartalsgewinnen nennenswerte Verluste gemacht.” Und der Trend könnte sich fortsetzen: “(...) bei unseren Entscheidungsprozessen berücksichtigen wir auch unser Bauchgefühl, was die Zufriedenheit von Kunden und Händlern betrifft, auch wenn sich das kurzfristig nicht rechnet.”

Auf der Habenseite stehen bei Groupon satte Mitgliederzahlen: 83,1 Mio. waren es per Ende März. Wie viele bei den Angeboten regelmäßig zuschlagen, ist offen.

Nicht zu früh, nicht zu spät
Viel wurde über den Zeitpunkt spekuliert, den Groupon für seinen IPO wählen würde. Einerseits sollte das Geschäftsmodell genug mediale Aufmerksamkeit bekommen. Andererseits dürfte nicht zu viel Zeit vergehen, um zu verhindern, dass Konkurrenten an Profil gewinnen. Die Ankündigung kam schließlich in einer Woche, in der Google seinem mobilen Bezahldienst Google Wallet eine lokale Schnäppchenfunktion beistellte und Amazon mit

ins Gutscheingeschäft einstieg.

Mason gibt sich in Interviews zwar entspannt über die Konkurrenz - er teilt sie in drei Gruppen ein: Klone; bis vor kurzem schlafende Riesen; und Unternehmen, die das Geschäftsmodell um einen Aspekt erweitern, der Groupon bisher entgangen ist. Doch Groupon fehlt es an Unverwechselbarkeit. Mehr Charakter soll durch Kooperation wie mit Expedia (Reise) oder Live Nation (Tickets für Live-Events) abfärben. “Wir wollen, dass die Leute mit Groupon eine unvergessliche Zeit verbringen”, schreibt Mason in seinem Shareholder-Manifest, “das Leben ist zu kurz, um eine langweilige Firma zu sein.”

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