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Strategiewechsel
08/19/2011

HP: Aus für WebOS und PC-Geschäft

Der US-Computerkonzern Hewlett Packard (HP) hat am Donnerstagabend völlig überraschend den Ausstieg aus dem Tablet- und Smartphone-Geschäft verkündet. Das bedeutet auch das Ende für das 2010 von Palm übernommene Betriebssystem WebOS und das erst kürzlich präsentierte Touchpad. Gleichzeitig kündigte der Konzern eine Abspaltung des PC-Geschäfts an. Der radikale Kurswechsel sieht einen starken Fokus auf Software-Services vor.

Schon im Laufe des Tages waren Gerüchte laut geworden, HP wolle das britische Software-Unternehmen Autonomy für rund zehn Milliarden Dollar übernehmen und gleichzeitig sein schwächelndes PC-Geschäft abspalten. Nach Börsenschluss bestätigte HP, dass man an der britischen Software-Schmiede interessiert sei. HP will 25,50 Pfund pro Aktie in bar zahlen, am Donnerstag lag der Kurs noch bei 14,25 Pfund. Das entspricht hochgerechnet 6,2 Milliarden Pfund bzw. zehn Milliarden Dollar, wie von Bloomberg schon vorab berichtet wurde.

Software statt Hardware
Damit setzt der Konzern die Strategie um, die der frühere SAP-Chef Apotheker in den vergangenen Monaten bereits ausgegeben hatte: Fokus auf das lukrative Geschäft mit Software und Dienstleistungen, effizienteres Wirtschaften, mehr Wert für Aktionäre. Denn die Anleger waren zuletzt unzufrieden mit dem sinkenden Aktienkurs und schwachen Erträgen. Bereits mehrfach musste der Konzern die Prognosen für das Geschäftsjahr zurückschrauben. Mitte Mai hatte Apotheker in einem internen Schreiben vor einem „weiteren schwierigen Quartal“ gewarnt und gemahnt, Ausgaben auf ein Minimum zu beschränken. Jetzt wurden die Prognosen erneut gekappt.

Die Anleger konnte Hewlett-Packard mit den Ankündigungen zunächst nicht überzeugen: Die Aktie ging auf eine scharfe Talfahrt und verlor zum Handelsschluss rund sechs Prozent. Die ebenfalls heute vorgelegten Zahlen für das dritte Geschäftsquartal untermauern die Probleme, die Hewlett-Packard zu dem großen Umbau drängten. Der Umsatz legte lediglich um ein Prozent auf 31,2 Milliarden Dollar zu. Der Gewinn verbesserte sich um neun Prozent auf 1,9 Milliarden Dollar.

Totalausstieg von WebOS überraschend
Ungeachtet des schleppenden Geschäfts mit dem eigenen Tablet und den WebOS-Smartphones kommt der schnelle Ausstieg überraschend. Man prüfe derzeit noch, inwiefern die WebOS-Software weiterverwertet werden könne. Schon bisher hatte HP WebOS auch in anderen Geräten wie Druckern im Einsatz. Was das PC-Geschäft betrifft, sind ein Totalausstieg bzw. eine teilweise Trennung eine Option. Erst vorgestern war das Smartphone HP Pre3 im HP-Store

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