B2B
01.12.2014

Industrie 4.0 in Österreich noch Neuland

Die Branche sieht ein enormes Potenzial durch neue Technologien, doch viele können mit Begriff noch nichts anfangen. Das ergibt eine aktuelle Befragung des Beratungsunternehmens CSC.

Für viele Unternehmen verbirgt sich hinter dem Begriff "Industrie 4.0" noch ein großes Fragezeichen. Eine Befragung im Auftrag des Beratungsunternehmens CSC unter 900 Managern im deutschsprachigen Raum kam zu folgendem Ergebnis: In Österreich haben mehr als die Hälfte (52 Prozent) der Befragten noch nie von "Industrie 4.0" gehört. In der Schweiz sind es sogar 59 Prozent.

In Deutschland ist das Thema schon etwas präsenter, hier kannten "nur" 40 Prozent der befragten Entscheidungsträger den Begriff nicht. "Es gibt ein erhebliches Informationsdefizit in den Unternehmen und in der Öffentlichkeit", fasste Walter Oberreiter von CSC die Umfrageergebnisse am Montag vor Journalisten zusammen.

Fachkräfte Mangelware

"Industrie 4.0" steht für die vierte industrielle Revolution, in der die Neugestaltung der Wertschöpfung durch Informationstechnologien getrieben wird (Stichwort: Big Data, Internet der Dinge). So wie etwa Dampfmaschine und Elektrizität die Produktion revolutioniert hätten, müssten sich Unternehmen nun auf diese Technologie einstellen, führte Oberreiter aus. Entsprechende Fachkräfte sind aber noch Mangelware und auch in den Unternehmen stehen Investitionen in "Industrie 4.0" nicht im Fokus, so ein weiteres Ergebnis der Umfrage.

Dabei sei das Potenzial enorm, verwies Oberreiter auf Schätzungen des deutschen Zentralverbandes für Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI). Demzufolge wird das weltweite industrielle Wachstum durch "Industrie 4.0" von derzeit 40 bis 50 Billionen Euro bis 2020 auf 90 Billionen Euro steigen.

Die österreichische Politik hat sich das Thema bereits auf ihre Fahnen geheftet. Sowohl Infrastrukturministerium als auch Wissenschafts-und Wirtschaftsministerium pumpen Geld in das Zusammenwachsen von Digitalisierung und Produktionstechnologien. Auf den Unis laufen entsprechende Programme an.

Neue Geschäftsmodelle

"Man darf Industrie 4.0 nicht als technologischen Hype sehen, der von ein paar Freaks vorangetrieben wird, sondern als strategisches Geschäftsmodell", sagte Oberreiter. Durch die Nutzung neuer Technologien entstünden neue Geschäftsmodelle. Als Beispiel nannte Oberreiter den Carsharinganbieter Car2go. Produkte würden immer individueller, serviceorientierter und digitaler. "Es werden zwar immer noch Autos produziert, aber die Nutzung ändert sich", so Oberreiter. Was jedoch auch zum Verlust von klassischen Arbeitsplätzen führen werde, wie Oberreiter einräumte.