B2B
09.03.2013

Internet der Maschinen als Milliardengeschäft

Machine-to-Machine-Kommunikation ist der neue Trendbegriff: In sieben Jahren werden weltweit 50 Milliarden Geräte miteinander kommunizieren, die Betreiber erwarten einen Boom und einen Milliarden-Umsatz.

Mit der Sprachtelefonie verdienen Netzbetreiber in Europa seit geraumer Zeit kein Geld mehr und in Europa fallen auch die Einnahmen mit den Datentarifen im Vergleich zu den Vereinigten Staaten relativ gering aus. Aber ein Geschäftsfeld könnte den Betreibern künftig kräftige Umsätze bereiten: die Machine2Machine-Kommunikation (M2M), die auch als „Internet der Dinge" bezeichnet wird. Der schwedische Telekommunikations-Konzern Ericsson prognostiziert, dass 2020 etwa 50 Milliarden Geräte und Sensoren über Mobilfunk aber auch über das Festnetz miteinander kommunizieren werden. Von wirklichen Maschinen über Alltagsartikel im Haushalt, Dinge, die wir am Körper tragen bis hin zu Tieren.

Der Milliardenmarkt
„Wir haben uns schon vor drei Jahren entschieden, verstärkt auf M2M zu setzen", sagt Jürgen Hase, Leiter des M2M-Kompetenzzentrums der Deutschen Telekom im futurezone-Interview. „Der globale Markt liegt bei vielen Milliarden, und wir sehen als Deutsche Telekom einen Umsatz der bei mindestens einer Milliarde liegt." Für die Konsumenten sei der Markt bzw. der Begriff M2M noch nicht wirklich greifbar, aber sie werden damit konfrontiert sein, ohne es bewusst wahrzunehmen. Das Internet der Dinge findet man in Zukunft überall und jeder wird es nutzen.

Hase ortet viele Segmente, in denen die Konsumenten auf M2M stoßen werden - vom Autosektor über den Gesundheitsbereich, Sicherheit, Energie (Smart Metering) bis Industrie und Logistik. „Der Kunde wird nicht in einen Shop gehen und eine M2M-Lösung kaufen", so Hase, „die wird automatisch integriert sein". Als Beispiel nennt der Experte das Auto. So bringt T-Systems zusammen mit BMW ab dem Sommer die ersten Internet-Hotspots in die Fahrzeuge. Auch das seitens der EU vorgeschriebene Notrufsystem E-Call, das ab 2015 in jeden europäischen Neuwagen eingebaut werden soll, ist eine M2M-Lösung. Bei E-Call werden nach einem Unfall automatisch Rettungsorganisationen und Verkehrsleitzentrale informiert.

Gesucht: Ideen
Die Anwendungsgebiete sind praktisch „grenzenlos". Im Rahmen eines M2M-Ideenwettbewerbs, den die Deutsche Telekom im Vorjahr durchgeführt hatte, wurden 630 Ideen eingereicht. Unter anderem auch ein Warndreieck, das, sobald es aufgestellt wurde, automatisch diese Info an die Verkehrsleitzentrale geschickt hat, damit andere Autofahrer gewarnt werden können. Auch für Kapsel-Kaffee-Maschinen-Besitzer könnte es Premium-Services geben. Hase: „Wenn man 90 Kapseln verbraucht hat, werden automatisch Kapseln bestellt und geliefert." Vor allem im Tracking-Bereich – wo befindet sich mein Tier, mein Kind, ein Patient – werde es künftig viele Lösungen geben. Das habe nichts mit Big Brother zu tun, sondern mit Prävention.

M2M ist kein Markt, den einer alleine machen kann, es bedarf strategischer Allianzen, ein höchstes Maß an Innovation", sagt Hase. „Wir gehen pragmatische Partnerschaften ein. Erstens sind Allianzen zwischen den Betreibern wichtig", erklärt Hase, denn es gehe darum, weltweite Standards zu schaffen. Im Vorjahr wurde deshalb gemeinsam mit Telia Sonera und Orange die „Global M2M Association (GMA) gegründet, deren Ziel es ist, die globale Zertifizierung voranzutreiben. „Zweitens muss man eng mit Entwicklern zusammenarbeiten, weil sie schon in einer sehr frühen Phase darüber nachdenken, M2M-Lösungen zu integrieren."

Die Deutsche Telekom baut seit 2012 eine Entwickler-Community auf, der sie auch die entsprechenden Plug & Play-Software-Tools zur Verfügung stellen. Drittens sei ein guter Kontakt zur Industrie wichtig, denn die müsse schlichtweg M2M-Lösungen in ihren Produkten auf den Markt bringen. M2M wird einmal so wie das App-Business werden, ist Hase überzeugt. „So wie Apple eine Enabler-Plattform geschaffen hat, machen wir das bei M2M."

Österreich ist tonangebend
„Für uns ist M2M eine große Chance, weil wir aus Österreich mitmischen können", sagt der T-Mobile-Geschäftsführer für den Business-Bereich, Thomas Kicker. „M2M ist eine wichtige Sache, die wir auch brauchen, um das schwierige Umfeld im Kerngeschäft zu kompensieren bzw. zu wachsen." „M2M rechnet sich immer, wenn es zum Einsatz kommt – das ist der Business-Case", ergänzt T-Mobile-Österreich-Chef Andreas Bierwirth. Österreichs Vorreiterrolle im M2M-Bereich bestätigt auch Jürgen Hase. Abgesehen davon, dass man durch die Kooperation T-Mobile und T-Systems sowohl den Vertrieb, das Service und die Lösung abdeckt, wird jeder internationaler Auftrag über Österreich abgewickelt. M2M setzt sich zu 10 bis 15 Prozent aus Verbindung und 80 bis 85 Prozent IT-Dienstleistung zusammen, und das ist der Vorteil der T-Systems- und T-Mobile-Kooperation.

Exportschlager Datenschutz
Überhaupt ist Hase überzeugt, dass Europa im M2M-Business eine Vorreiterrolle übernehmen könnte. „Keiner der europäischen Geschäftskunden hat ein Interesse, dass seine Unternehmensdaten in einem Werk oder in einer Garagenbude in den USA gehosted werden", meint Hase. „Sicherheit, Privatsphäre und Datenschutz sind wichtige Themen, die wir in Europa beherrschen und eine echte Export-Chance darstellen. Datenschutz wird ein Exportschlager, das wird uns Europäern einen enormen Wettbewerbsvorteil bringen."

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